Seit etwa zwei Wochen gibt es im Iran Massenproteste gegen das Mullah-Regime. Dutzende Menschen sind bereits gestorben, alle Kommunikation ist abgeschaltet. Was man jetzt wissen muss.
Teheran – Am 28. Dezember fing alles an. Da hatten die Marktstandbetreiber es satt. Der Wert der Währung war auf ein Rekordtief gesunken, der Rial war kaum mehr etwas wert. Seit Jahrzehnten steckt der Iran in einer Wirtschaftskrise, viele Menschen sind arm. Die Menschen können sich nicht einmal mehr das Nötigste leisten – während das islamische Mullah-Regime weiter Geld an die Hamas und die Hisbollah schickt.
Die Menschen im Iran wissen, was es heißt, gegen das Regime auf die Straße zu gehen. 2022 starben bei den „Frau, Leben, Freiheit“-Protesten nach Angaben von Amnesty International Hunderte Menschen. Und trotzdem gehen seit zwei Wochen tausende Menschen auf die Straße. Je nach Quelle sind bereits 50 bis 65 Menschen gestorben, darunter auch Kinder. Ein Arzt aus Teheran sprach im US-Magazin Timesogar von mehr als 200 Toten, teils durch „scharfe Munition“. Die wenigen Videos, die aktuell nach draußen dringen, zeigen Berge von Leichen. Die Lage im Iran ist ernst. Der religiöse und politische Führer des Iran, Ajatollah Ali Khamenei, warnte die Protestierenden vor weiteren Repressionen.
Was sind die Auslöser der aktuellen Proteste im Iran?
Die Proteste nahmen am 28. Dezember ihren Anfang, als die Händler des Basars von Teheran und der umliegenden Geschäfte spontan auf die Straße gingen. An einem einzigen Tag verlor der Rial über sechs Prozent seines Wertes, was die Händler große Verluste fürchten ließ. In den Tagen danach protestierten immer mehr Menschen, vor allem ärmere Menschen und Studierende. Mittlerweile haben sich die Proteste auf zahlreiche Regionen des Landes ausgeweitet und gehen weit über wirtschaftliche Unzufriedenheit hinaus.
Die Demonstrierenden fordern nun offen ein Ende der autoritären Herrschaft der Islamischen Republik. In der Nacht von Donnerstag (08. Januar) auf Freitag eskalierten die Unruhen und führten zu Massenprotesten in der Hauptstadt Teheran und anderen Großstädten. Es waren die größten Proteste seit der „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung. Videos und Bilder zeigen brennende Autos, Augenzeugen berichteten laut Tagesschau von Einsatzkräften, die mit Tränengas gegen vermummte Demonstranten vorgingen. Inzwischen ist das Land in einem kompletten Blackout, Internet- und Telefonverbindungen wurden gekappt. Daher dringen kaum noch Nachrichten aus dem Land, nur wenige Iraner mit Starlink-Verbindung können weiter Videos und Informationen nach außen senden. Diese Nachrichten können jedoch nur schwer verifiziert werden.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran
Seit der sogenannten Islamischen Revolution 1979 ist der Iran eine Islamische Republik. Das bedeutet konkret, dass der Iran den schiitischen Islam als Staatsreligion hat und seine Gesetze und Staatsform aus dem islamischen Recht („Scharia“) und anderen religiösen Vorstellungen ableitet. Frauen ist es verboten, ohne Kopftuch das Haus zu verlassen, Alkohol ist untersagt. Vor der Islamischen Revolution war der Iran eine Monarchie. Unter Schah Mohammad Reza Pahlavi war der Iran säkular organisiert und westlich orientiert.
Die religiöse und politische Macht liegt bei Ajatollah Ali Chamenei. „Ajatollah“ ist dabei ein religiöser Titel. Er bedeutet „Zeichen Gottes“. Im schiitischen Islam werden religiöse Führer auch „Mullah“ genannt, daher kommt die Bezeichnung „Mullah-Regime“, die in vielen westlichen Diskussionen für die Regierung im Iran benutzt wird. Die iranische Führung stützt ihre Macht unter anderem auf die iranischen Revolutionsgarden, eine Elitestreitmacht, die einen Staatsstreich verhindern soll. In den vergangenen Jahrzehnten wurden sie militärisch massiv aufgerüstet und regelmäßig dafür eingesetzt, gegen Protestierende vorzugehen.
Welche Rolle spielt Donald Trump für die Proteste im Iran?
Die Beziehung zwischen dem Iran und den USA ist lang und angespannt. Die USA gelten dem Ajatollah und der islamischen Führung als Feindbild. Vor 1979 unterstützten die USA die Herrschaft von Schah Mohammad Reza Pahlavi und beherbergen seit der Revolution seinen Sohn, Reza Pahlavi. Die USA pflegen gute Beziehungen mit Israel, welches wiederum ebenfalls einen jahrzehntealten Konflikt mit dem Iran hat, da er das Existenzrecht Israels ablehnt.
Im Sommer 2025 bombardierten die USA unter Donald Trump die iranische Atominfrastruktur und töteten mehrere Wissenschaftler. Der oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei beschuldigte die Demonstranten, „dem Präsidenten der USA“ gefallen zu wollen. Das Staatsfernsehen sprach davon, dass „terroristische Agenten“ der USA und Israels Brände gelegt und Gewalt ausgelöst hätten. Trump drohte bereits mehrmals, den Iran anzugreifen, falls bei den aktuellen Protesten Demonstranten getötet werden. Im Iran kommt es immer wieder zu Protesten. Wie die dpa berichtet, liegt das an fehlenden Zukunftsaussichten, wirtschaftlicher Not, der Klimakrise, politischer Unterdrückung und internationaler Isolation.
Welche Rolle spielt der Sohn des Schahs, Reza Pahlavi, für die Proteste im Iran?
Auf seinen Social-Media-Kanälen beschwört er immer wieder den Fall des iranischen Regimes. Am Mittwoch (7. Januar) rief er die Bevölkerung zu gemeinsamen Protesten am Donnerstag und Freitag auf. Am Freitag kündigte er dann erneut Proteste am Samstag und Sonntag an. In einem Instagram-Video sagte er: „Unser Ziel ist es nicht mehr nur, auf die Straße zu kommen, sondern es ist, sich darauf vorzubereiten, die Innenstadt zu erobern und zu erhalten.“ Außerdem rief er zu einem landesweiten Streik auf. Neben Pahlavi riefen allerdings auch andere Parteien zu Protesten auf.
Die Nachrichten aus dem Iran können nur schwer verifiziert werden. Unabhängige Journalisten sind im Iran Repressionen ausgesetzt. Journalisten die im Ausland leben, müssen um ihre Familien fürchten. Aufgrund der Internetsperre dringen aktuell nur wenige Informationen nach außen. (Quellen: Tagesschau, dpa, Newsweek, taz, Amnesty International, eigene Recherche) (cdz)