Trotz hoher Verluste im Ukraine-Krieg

Pokrowsk-Offensive: Putin will propagandistischen Erfolg erzielen

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Pokrowsk wankt: Russlands Armee schreitet an der Ukraine-Front voran und akzeptiert hohe Verluste. Putin verlangt die Einnahme der Stadt – aber warum?

Pokrowsk – Strategisch wichtig und von Wladimir Putins Armee gewollt: Kiew droht im Ukraine-Krieg der Verlust von Pokrowsk. Noch hält die Stadt den Angriffen der russischen Truppen stand. Doch das umkämpfte Pokrowsk in der ukrainischen Industrieregion Donezk steht womöglich kurz vor dem Fall. Was über die aktuelle Lage in Pokrowsk bekannt ist.

Russischer Angriff an der Pokrowsk-Front im Ukraine-Krieg (Aufnahme vom 30. Oktober)

Pokrowsk liegt auf einem Versorgungsweg für die ukrainische Armee; hier befindet sich auch die einzige Kokerei unter ukrainischer Kontrolle. Das aus Kohle erzeugte Koks ist für die Stahlproduktion unverzichtbar. Der Verlust der Kokerei würde die ukrainische Rüstungsindustrie schwer treffen.

Putins Armee kämpft im Ukraine-Krieg um Pokrowsk – trotz hoher täglicher Verluste

Kiew und Moskau veröffentlichen keine Zahlen zu ihren eigenen Verlusten an der Front – nur zu denen der anderen Seite. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Doch laut dem ukrainischen Generalstab verlor die russische Armee erst am Montag (10. November) etwa 1200 ihrer Soldaten in den Gefechten. Derart hohe tägliche Verluste an Personal sind für Russland im Ukraine-Krieg schon lange die Regel.

Pokrowsk droht im Ukraine-Krieg der Fall: „Das Hauptproblem ist die Logistik“

Das ändert nichts an der schwierigen Lage der an der Pokrowsk-Front kämpfenden ukrainischen Soldaten. „Das Hauptproblem ist die Logistik“, erklärte ein ukrainischer Drohnenpilot der Moscow Times den schwierigen Abwehrkampf. „Die Straßen sind völlig von russischen Drohnen blockiert. Kein Fahrzeug kann in die Stadt hinein- oder hinausfahren, ohne sofort entdeckt zu werden“, schilderte er dem unabhängigen Portal.

Schlacht um Pokrowsk im Ukraine-Krieg erinnert an Bachmut, Mariupol und Awdijiwka

Vor Beginn des Ukraine-Kriegs lebten in Pokrowsk etwa 60.000 Menschen. Heute ist die Stadt weitgehend verwaist. Ihre Lage in der Region Donezk macht sie jedoch zu einem begehrten Ziel für Moskau. In der Region Donezk fanden bereits einige der verlustreichsten Schlachten des Krieges statt, etwa in den Städten Bachmut, Mariupol und Awdijiwka.

Die Einnahme von Pokrowsk wäre ein erheblicher Sieg für Moskau. Fällt die Stadt an die russische Armee, würde dies Moskau den weiteren Weg in die Region ebnen – bis hin zum ukrainischen „Festungsgürtel“ von den Städten Slowjansk und Kramatorsk im Norden bis nach Druschkiwka und Kostjantyniwka weiter im Süden.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Einnahme von Pokrowsk und die möglichen Auswirkungen auf den Ukraine-Krieg

Russland könnte Militärexperten zufolge nach einer möglichen Einnahme von Pokrowks versuchen, „den Druck von Osten nach Westen über das Gebiet der Region Dnipropetrowsk entlang des Flusses Wowtscha“ zu erhöhen. „Dadurch könnten sie den nördlichen Teil der Region Saporischschja erreichen“, sagte Oleksiy Kopytko vom Center for Military-Political Investigations der Nachrichtenagentur AFP.

Kopytko sieht angesichts des bevorstehenden Winters auch mögliche praktische Vorteile für die russische Armee. „Es ist besser, den Winter in einer Stadt zu verbringen und zu überstehen auch wenn sie zerstört ist (...) als auf freiem Feld“, sagte er. Auch würde die Stadt mehr Schutz vor Drohnen bieten.

Schlacht um Pokrowsk: Russisches Propaganda-Material im Ukraine-Krieg

Aus Sicht des unabhängigen russischen Militäranalysten Alexander Chramtschichin könnte die Einnahme der Stadt Russland „einen Durchbruch verschaffen“.

Politisch gesehen würde die Einnahme von Pokrowsk dem Kreml einen erheblichen Propagandaschub verleihen. Gelingt Moskau die Eroberung, wäre dies einer der bedeutendsten Gebietsgewinne seit der russischen Einnahme von Awdijiwka im Februar 2024. Die Einnahme von Pokrowsk würde das Kreml-Narrativ vom siegreichen Vormarsch seiner Truppen weiter befeuern.

Ukraine-Krieg; Militärblogger beklagt „halb eingekesseltes“ Pokrowsk

Kiew könnte bei einem Fall Pokrows zudem in Erklärungsnot zu seiner Verteidigungsstrategie in Pokrowsk geraten. So hatte der renommierte Militärblogger und ukrainische Soldat Juri Butusow kürzlich die Ankunft der Spezialeinheiten in der „halb eingekesselten“ Stadt kritisiert. Die Entsendung der Truppen „in ein offenes Gebiet in einer Todeszone, im vollen Blickfeld feindlicher Drohnen“ nannte er in Onlinediensten eine „taktisch verfehlte Entscheidung“.

Auch für das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump wären die Folgen einer militärischen Niederlage in Pokrowsk ungewiss. (Quellen: AFP, dpa, fr.de, Moscow Times, ukrainischer Generalstab auf Facebook) (frs)

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