VonMark Stoffersschließen
Der Söldner-Chef der Wagner-Gruppe soll in der Nähe von Moskau in Russland bei einem Absturz seines Jets ums Leben gekommen sein. Die Reaktionen.
Moskau – Putins Koch Jewgeni Prigoschin ist offenbar tot. Das berichteten neben diversen Telegram-Channels und russischen Medien nach Angaben von tagesschau.de wohl auch russische Behörden von offizieller Seite. „Ein privates Flugzeug des Typs Embraer Legacy, das auf dem Weg von Moskau nach Sankt Petersburg war, ist in der Nähe des Dorfes Kuzhenkino in der Region Twer abgestürzt“, teilten die russischen Behörden in einem Telegramm-Posting zunächst mit.
Die zivile Luftfahrtbehörde Russlands bestätigte wenig später, dass der Chef der Wagner-Gruppe, der vor allem durch den Ukraine-Krieg in Russland an Einfluss gewonnen hatte, sich definitiv an Bord der Maschine vom Typ Embraer Legacy befunden haben soll. Die Behörde sagte zuvor, dass er auf der Passagierliste stand, aber es war nicht sicher, dass der Wagner-Chef in das Flugzeug gestiegen war. Ist Wladimir Putin für den möglichen Tod des „Teufel, der sich mit dem Teufel eingelassen hat“, verantwortlich?
Putins Koch Prigoschin angeblich tot: Flugzeugabsturz des Söldner-Chefs der Wagner-Gruppe in Russland – alle Insassen wohl ums Leben gekommen
Neben Jewgeni Prigoschin soll auch der Mitbegründer der Wagner-Gruppe, Dmitri Utkin, in der Maschine gesessen haben. Bei dem Flugzeugabsturz des mutmaßlichen Jets von Putins Koch seien nach ersten Angaben alle zehn Menschen an Bord ums Leben gekommen.
„Es befanden sich 10 Personen an Bord, darunter 3 Besatzungsmitglieder. Nach vorläufigen Informationen sind alle Personen an Bord gestorben“, erklärte die Luftfahrtbehörde zum möglichen Flugzeugabsturz Prigoschins.
Putins Koch Prigoschin wohl tot: Liste der Passagiere nach dem mutmaßlichen Flugzeugabsturz des Chefs der Wagner-Gruppe
Die öffentlich einsehbaren Flugdaten lassen noch keine Schlüsse auf Ursache des Flugzeugabsturzes zu, bei dem Putins Koch und Wagner-Chef Prigoschin angeblich ums Leben gekommen sein soll. Gestartet war der Flieger, mit dem Prigoschin regelmäßig innerhalb von Russland und ins Nachbarland Belarus reiste, am frühen Abend in Moskau. Kurz nach dem Start erreichte der Flieger die Reiseflughöhe von fast 10000 Metern und flog direkt in Richtung Sankt Petersburg. Dann reißt das Signal des Jets urplötzlich ab – ohne dass zuvor ein Notruf abgesetzt worden war.
Flugzeugabsturz von Prigoschin: Liste der Passagiere an Bord des Jets veröffentlicht
Liste der Passagiere nach Flugzeugabsturz von Prigoschins Jet veröffentlicht:
Berichten zufolge befanden sich diese Personen an Bord:
Jewgeni Prigoschin, Gründer der Wagner-Gruppe
Dmitri Utkin, Mitgründer und militärischer Führer der Gruppe Wagner
Sergej Propustin
Jewgeni Makaryan
Aleksandr Totmin
Valerij Chekalov
Nikolaj Matuseev
Das Flugpersonal der Embraer Legacy 600:
Aleksei Levshin, Pilot
Rustam Karimov, Co-Pilot
Kristina Raspopova, Stewardess
Prigoschin ist angeblich tot: Wagner-Gruppe trauert um Putins Koch – „Selbst in der Hölle der Beste“
Zunächst hatte der Wagner nahestehende Kanal „Grey Zone“ noch die Behördenversion in Zweifel gezogen, wonach Prigoschin auf der Passagierliste jener Maschine gestanden habe, die in Russland abgestürzt ist. Wenig später bestätigte allerdings auch „Grey Zone“ den Tod des Wagner-Chefs: „Der Chef der Wagner-Gruppe, Held Russlands, ein wahrer Patriot seines Vaterlandes, Jewgenij Wiktorowitsch Prigoschin, starb an den Folgen der Taten von Verrätern Russlands«, heißt es auf Telegram. „Aber selbst in der Hölle wird er der beste sein!“
Wagner HQ in St. Petersburg, mourning the death of Prigozhin and Utkin pic.twitter.com/srUC6cqP6l
— Michael A. Horowitz (@michaelh992) August 23, 2023
Auch das Hauptquartier der Wagner-Gruppe in Sankt Petersburg trug Trauer und zollte seinem Söldner-Chef an der Fassade des Gebäudes seinen Respekt. Die Lichter in dem Gebäude wurden so angeschaltet, dass die Fassade als weißes Kreuz auf schwarzem Hintergrund erstrahlte. Während zuvor Wagner-Mitarbeiter angeblich Prigoschins Zentrale plünderten.
Reaktionen auf Prigoschins angeblichen Tod: Flugzeugabsturz von Putins Koch Signal an russische Eliten
Nach dem offiziell noch nicht bestätigten Tod von Jewgeni Prigoschin mehren sich aber bereits weitere Stimmen und Reaktionen auf den Flugzeugabsturz von Putins Koch und Chef der Wagner-Gruppe. Ein ranghoher Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Absturz als ein Signal des Kremls.
About Prigozhin: It is worth waiting for the fog of war to disappear... Meanwhile, it is obvious that Putin does not forgive anyone for his own bestial terror. Exactly the one that nullified him in June 2023. And he was waiting for the moment. It is also obvious that Prigozhin…
— Михайло Подоляк (@Podolyak_M) August 23, 2023
„Die demonstrative Beseitigung von Prigoschin und dem Wagner-Kommando zwei Monate nach dem Putschversuch ist ein Signal Putins an die russischen Eliten im Vorfeld der Wahlen 2024. ‚Vorsicht! Untreue ist gleichbedeutend mit Tod“, schrieb der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak in den sozialen Medien.
Ähnlich formuliertes es auch der Schweizer Militärexperte Albert Stahel beim Focus. „Putin konnte gar nicht anders als dramatisch zuzuschlagen. Das ist auch und vor allem eine Warnung an alle anderen Rivalen in seinem Land. Und jedem, der das Land ein bisschen kennt, dem ist klar, dass in Russland niemand auch nur husten kann, ohne dass es der Zar hört“, ordnet Stahel die Öffentlichkeitswirksamkeit und Dramatik des möglichen Todes von Prigoschin ein.
Biden reagiert auf mutmaßlichen Tod des Wagner-Chefs: „Gibt nicht viel, hinter dem Putin nicht steckt.“
Auch Washington D.C. Haus reagierte auf die Berichte über den mutmaßlichen Tod von Prigoschin. „Wir haben die Berichte über den Absturz gesehen“, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Adrienne Watson, in einer Erklärung über den möglichen Flugzeugabsturz des Wagner-Chefs. „Wenn es sich bestätigt, sollte niemand überrascht sein“, sagte sie. „Der katastrophale Krieg in der Ukraine führte zu einer Privatarmee, die auf Moskau marschierte, und nun – so scheint es – zu diesem Vorfall.“
Das Weiße Haus teilte mit, Präsident Joe Biden sei über den Vorfall eines Flugzeugabsturzes informiert worden. Der US-Präsident reagierte wenig verwundert auf den Flugzeugabsturz in Russland. Er wisse nicht genau, was passiert sei, er sei aber nicht überrascht, erklärte Biden am Rande eines Urlaubsaufenthaltes im US-Bundesstaat Kalifornien. Auf die Frage, ob seiner Ansicht nach Russlands Präsident Wladimir Putin hinter dem Absturz stecke, erklärte Biden: „Es gibt nicht viel, was in Russland passiert, hinter dem Putin nicht steckt.“ Darüber hinaus machte der US-Präsident aber auch deutlich, er wisse aber nicht genug, um dies beantworten zu können.
Reaktionen auf angeblichen Tod von Wagner-Chef Prigoschin: „Er war ein Mörder“
Die im Exil lebende weißrussische Oppositionsführerin hat signalisiert, dass in Belarus nur wenige Tränen für Jewgeni Prigoschin vergossen werden würden. „Der Verbrecher Prigoschin wird in Belarus nicht vermisst werden“, sagte Swetlana Tichanowskaja über die Berichte zum mutmaßlichen Tod von Jewgeni Prigoschin.
„Er war ein Mörder und sollte als solcher in Erinnerung bleiben“, heißt in einem Statement weiter. „Sein Tod könnte die Präsenz von Wagner in Weißrussland auflösen und die Bedrohung für unser Land und unsere Nachbarn verringern.“
Strack-Zimmermann und Röttgen reagieren auf Prigoschins mutmaßlichen Tod: „Machtsystem Putins hat Risse bekommen“
Wenig überrascht über den mutmaßlichen Tod von Prigoschin zeigten sich auch Agnes Strack-Zimmermann und Norbert Röttgen. „Die Nachricht ist nicht wirklich erstaunlich“, sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Dass Prigoschin seinen Angriff auf Putin mit dem Leben bezahlen wird, davon war auszugehen: Ein Teufel, der sich mit dem Teufel einlässt“, erklärte die FDP-Politikerin. „Es zeigt aber auch, dass offensichtlich große Nervosität bei Putin und seinen Schergen im Kreml herrscht.“
Ebenfalls beim RND äußerte sich auch der CDU-Außenpolitiker und Bundestagsabgeordnete Norbert Röttgen zum mutmaßlichen Tod des Söldner-Chefs der Wagner-Gruppe: „Entweder Putin oder Prigoschin – das blieb die Lage auch nach dem abgesagten Putsch“, sagte er dem RND. „Ob die von Putin enthauptete Wagner-Gruppe sich nun erst recht zur Rebellion formiert oder sich führungslos fügt, ist eine offene Frage. Das Machtsystem Putins aber hat Risse bekommen, und das kann er nicht mehr stoppen.“
Chef der Wagner-Gruppe Prigoschin angeblich tot: Flugzeugabsturz oder Abschuss – „Das war Putin“
Der Schweizer Militär-Experte und Geostratege Albert Stahel machte beim Focus klar, wer seiner Ansicht nach für den Flugzeugabsturz und angeblichen Tod von Jewgeni Prigoschin verantwortlich sei. „Das war zweifellos Putin“, betonte bei dem Nachrichtenportal. „Ich denke, Prigoschins Flugzeug wurde auf seine Weisung hin abgeschossen. Es war Putins Rache für den gescheiterten Putsch-Versuch vor zwei Monaten.“
Viele Experten darunter, auch Sean Bell von Sky News gaben nach dem gescheiterten Wagner-Aufstand vor genau zwei Monaten Prigoschin nicht mehr als drei Monate. „Aufgrund des Einflusses von Prigoschin gab es wohl vonseiten Putin und seiner Getreuen eine gewisse Art von Stepptanz über die Verfahrensweise, um sicherzustellen, dass aus dem Chef der Wagner-Gruppe kein Märtyrer wird.“
Nach mutmaßlichem Tod von Putins Koch und Wagner-Chef: „Wie konnte er das nicht kommen sehen?
Bereits vor dem möglichen Tod von Prigoschin hatte Russland damit begonnen, das Reich des Wagner-Chefs langsam zu zerteilen. „Einiges wurde ihm abgekauft, einiges wurde ihm abgenommen“, erklärt der britische Experte bei Sky News. „Wir haben gesehen, wie einige der Wagner-Kräfte in die russische Armee assimiliert worden sind. Einige wurden nach Afrika gesandt und einige blieben in Belarus zurück“, so Bell weiter. „Und das war zwangsläufig die Grundlage für seinen Abgang.“
Bell fragt sich allerdings, warum Prigoschin die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat. „Wie konnte er das nicht kommen sehen? Denn dieser Tag zeigt deutlich, dass seine Tage gezählt waren und er ein „vorzeitiges Ende gefunden hat.“
Möglicher Doppelgänger des Wagner-Chefs: Warum es immer noch unklar ist, ob Jewgeni Prigoschin gestorben ist
Alle 10 Personen an Bord eines Privatjets, das mit dem Wagner-Boss in Verbindung gebracht wurde, sind tot, und Prigoschin stand auf der Passagierliste. Die russischen Behörden haben jedoch nicht ausdrücklich erklärt, dass er getötet worden ist. Keir Giles, Russland-Experte bei der Denkfabrik für internationale Angelegenheiten Chatham House, mahnte zur Vorsicht bei Berichten über den Tod Prigoschins.
„Mehrere Personen haben ihren Namen in Jewgeni Prigosshin geändert, als Teil seiner Bemühungen, seine Reisen zu verschleiern“, sagte er .„Wir sollten uns nicht wundern, wenn er in Kürze in einem neuen Video aus Afrika auftaucht.“ Falls oder wenn sich der Tod von Prigoschin bestätigt, stellt sich die Frage, wer die Wagner-Gruppe in Zukunft führen soll?
Prigoschin nach Flugzeugabsturz mutmaßlich tot: Unbestätigte Videos kursieren in den sozialen Medien
Während die Zukunft der Wagner-Gruppe sich wohl nicht in den kommenden Stunden klären lässt, kursieren unbestätigte Aufnahmen, die in sozialen Medien gepostet wurden. Sie zeigten ein vom Himmel fallendes Flugzeug, während ein anderes Video angeblich das brennende Wrack zeigt. Die BBC konnte mittlerweile verifizieren, dass es sich bei dem Flugzeugabsturz zumindest um die Landschaft in der Nähe des Dorfes Kuzhenkino in der Region Twer handelt. Weiter unklar ist, trotz offizieller Seite der russischen Behörden und Medien, dass es sich bei dem Flugzeug, in den Videos, erstens um die gleiche Maschine und zweitens auch wirklich um den Privatjet von Jewgeni Prigoschin handelt.
‼️Russian aviation agency: Prigozhin was on board of the plane that crashed in Tver region of Russia.
— Anton Gerashchenko (@Gerashchenko_en) August 23, 2023
By preliminary information, 10 people died - Russian emergency ministry.
There is information that air defense was working in Tver region before the plane crash. pic.twitter.com/sIvSotWPHC
Prigoschin ist wohl tot: Flugzeugabsturz des Söldner-Chefs der Wagner-Gruppe durch russische Rakete?
Unbestätigten Berichten zufolge könnte das Flugzeug von einer russischen Luftabwehrrakete abgeschossen worden sein. Derzeit handelt es sich hierbei um Spekulationen, die vor allem in den Sozialen Medien kursieren und keiner offiziellen Erklärung oder bestätigten Informationen zugrunde liegen. Auch wird viel über eine Explosion an Bord der Maschine spekuliert und über einen inszenierten Abgang von Prigoschin gesprochen.
Russian media report that Yevgeny Prigozhin's plane was shot down by an air defense system - you can see many small holes in some parts of the fallen airplane on the video.
— Anton Gerashchenko (@Gerashchenko_en) August 23, 2023
This is what the damage from air defense system shells, which contain destructive elements that could ruin… pic.twitter.com/B1judEmnCf
Stahel schließt einen Unfall oder ein Defekt aus. „Unfälle passieren im Krieg selten“, ordnet Stahel beim Focus ein. „Prigoschins Jet wurde von einer Flugablenkwaffe mit Aufschlagzünder getroffen „Prigoschin wusste, dass sein Leben an einem seidenen Faden hängt. Niemals wäre er in ein Flugzeug gestiegen, das er zuvor nicht genauestens überprüfen ließ. So dumm ist ein Mensch wie Prigoschin nicht.“
Der Schweizer Militärexperte Albert Stahel geht beim Focus viel mehr von einem gezielten Abschuss als von einem Unfall aus, der den Flugzeugabsturz des Prigoschin-Jets aus. „Der Jet muss von einer Flugablenkwaffe mit Aufschlagzünder getroffen worden sein. Sonst wäre er nicht wie ein Stein nach unten gerauscht.“ Stahel mutmaßt, dass die Rakete vom Boden aus abgefeuert wurde – „und zwar nicht von Einheiten der russischen Streitkräfte, sondern von Leuten eines russischen Sicherheitsdienstes.“
Rubriklistenbild: © IMAGO / UPI Photo

