Russlands alternative Fakten

Sergej Lawrow und Russlands „Realität“: Eine haarsträubende Stunde im Dezember

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Sergej Lawrow äußert sich wieder. Seine Worte sind so vorhersehbar wie realitätsfern. Eine kommentierende Analyse.

Eines ist nach dem Mittwochmorgen sicher: Russlands Außenminister-Urgestein Sergej Lawrow lebt, er ist jedenfalls dem Augenschein nach wohlauf – und er darf weiterhin für Wladimir Putin sprechen. Daran gab es zuletzt nach einigen überraschenden Absenzen durchaus Zweifel. Nun ist Lawrow im russischen Föderationsrat – zumindest auf dem Papier die Entsprechung des deutschen Bundesrates – aufgetreten. Putin dürfte das Gehörte gefallen haben. Was der knurrige Top-Diplomat selbst darüber denkt, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Lawrow sieht sich erklärtermaßen strikt als Umsetzungsgehilfe Putin'scher Vorgaben.

Sergej Lawrow am Mittwoch bei seiner Rede im Föderationsrat.

Lawrow trug seine 15-minütige Ansprache an die Vertreter der weitgehend entmachteten russischen Regionen in monotonem Tonfall vor – und stand danach rund 40 Minuten lang Rede und Antwort. Das zu Hörende war einerseits erwartbar. Andererseits in seiner Konsequenz aufs Neue erstaunlich. Wer die letzten 25 Jahre konsequent verschlafen hat, konnte Lawrows Worte teils durchaus sympathisch finden, sogar als liberal gesinnter Westeuropäer. Allein: Die Fakten sprechen eine vollständig andere Sprache.

Lawrow droht Europa, rügt Deutschland – und schmeichelt Trump

„Highlights“ in diesem Sinne: Lawrow pries „Dekolonisierung“ und versprach Kampf gegen Cyberkriminalität, gegen die Verwendung von Technologie für „bösartige Taten“ und „jede Form von Diskriminierung“. Insofern schien er sich durchaus an ein internationales (russlandfreundliches) Publikum zu richten. Putins Außenminister verwies auch auf eine russische „Freundes“-Initiative, die die UN-Charta schützen wolle – das Dokument verlangt unter anderem souveräne Gleichheit der Staaten und Verzicht auf Gewalt. Eine weitere bemerkenswerte Passage: Moskau und Peking formten ein Tandem, das globale „Stabilität“ garantiere, behauptete Lawrow.

Allerdings hat Russland sein Nachbarland Ukraine brutal überfallen, gehört Recherchen zufolge zu den Treibern hybrider Angriffe im Cyberraum. Und es diskriminiert seine indigene Bevölkerung und Minderheiten etwa bei der Rekrutierung für den Ukraine-Krieg auf tödliche Weise. Ein weiterer skurriler Moment: Lawrow behauptete, Russland habe „aus gutem Willen“ 2022 seine Truppen vom Angriff auf Kiew zurückgezogen. Tatsächlich war der Vormarsch im wohl als Blitzkrieg geplanten Angriff auch aufgrund strategischer Fehler und vor allem unerwartet starker Gegenwehr der Ukraine zum Erliegen gekommen.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Lob hatte Lawrow für Donald Trump parat – und räumte dabei indirekt den Angriff auf einen souveränen Staat ein. Der US-Präsident habe als einziger westlicher Staatschef „Verständnis für die Gründe, die einen Krieg in der Ukraine unvermeidlich gemacht haben“, sagte er. An die USA könnte zudem ein Vorwurf gegen Deutschland adressiert gewesen sein: Jegliche Opposition hierzulande sei mundtot gemacht worden, behauptete Lawrow. Trumps Regierung kämpft für „Meinungsfreiheit“ – und stellt sich an die Seite nationalistischer und rechtsextremer Bewegungen in Europa. Allerdings ist die deutsche Opposition kaum mundtot. „Wenn man in Russland sagt, es ist eine Diktatur, dann sitzt man 20 Jahre im Gefängnis. Wenn das jemand hier sagt, denkt man sich ‚das ist ein Depp‘“, sagte der EU-Abgeordnete Helmut Brandstätter zuletzt unserer Redaktion.

Lawrow griff auch einen Hauptbezugspunkt von Putins Russland-Bild auf: den sowjetischen Kampf gegen das deutsche NS-Regime im Zweiten Weltkrieg. Deutschland liefere „tödliche Waffen an ein Neonazi-Regime“ und Kanzler Friedrich Merz spreche davon, die Bundeswehr zur stärksten Armee des Kontinents zu machen: „Sie haben wohl die dunkle Vergangenheit vergessen“, sagte Lawrow. Mit dem Neonazi-Regime meinte er die Regierung von Wolodymyr Selenskyj, der – wenngleich es in der Ukraine wie in zahllosen Ländern rechtsextremistische Gruppierungen gibt – soweit bekannt keine Neonazis angehören. Das Merz zugeschriebene Zitat ist zwar korrekt. Allerdings können Experten und Bundeswehr-Spitzen ein Lied davon singen, dass es erst eine dunkle russische Gegenwart brauchte, bis Deutschland die Verteidigungsausgaben erhöhte.

Eher in Kontakt mit der Realität war Lawrow in einer anderen Passage. Der Westen habe keine andere Möglichkeiten, die Ukraine zu finanzieren, „als russische Goldreserven zu nutzen“. Wahr ist, dass die Ukraine in Finanznöten steckt – und dass die EU diese mit eingefrorenen russischen Mitteln lindern möchte. Auch, weil sie die Aufnahme weiterer Schulden vermeiden will. Lawrow drohte in diesem Kontext: Man wolle zwar keinen Krieg mit Europa führen. „Aber wir werden auf jeden feindseligen Schritt reagieren, einschließlich des Einsatzes europäischer Militärkontingente in der Ukraine und der Enteignung russischer Vermögenswerte. Und wir sind auf diese Reaktion bereits vorbereitet“, betonte er. Solches Drohen gehört allerdings zum bekannten russischen Werkzeugkasten – schon seit Deutschland 2022 über die Lieferung von Gepard-Panzern stritt.

Lawrow-Rede am Mittwoch: Lukaschenko durfte aufhorchen

Lawrows Auftritt hatte mit einer Kanonade an vermeintlich positiven Nachrichten begonnen. Lawrow pries Russlands gutes Verhältnis zu einer ganzen Reihe Ländern. Darunter der Iran – eine potenziell überregional gefährliche Allianz –, China und Indien. Es folgten auch Venezuela, Nordkorea und Nicaragua, das, wie Lawrow nüchtern, aber lobend erwähnte, die völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen Oblasten als „integralen Bestandteil“ Russlands anerkannt habe. Nordkorea dankte Lawrow ganz offiziell für Hilfe bei der Rückeroberung Kursks. Der Einsatz der nordkoreanischen Truppen galt lange als Geheimnis.

Bei genauerer Betrachtung scheint die Bilanz weniger eindrucksvoll. Bei Putins Besuch in Indien gab es zwar herzliche Umarmungen, vom Kreml erhoffte Rüstungsdeals blieben aber aus, wie der Guardian notierte. China betrachtet Russland nach Meinung vieler Experten bestenfalls als Juniorpartner. Und Venezuela und Nicaragua scheinen weder geografisch noch machtpolitisch besonders nützliche Faktoren zu sein.

Lawrow versprach verstärkte Kooperationen mit Staaten wie Kasachstan und Kirgistan. Und den Ausbau des Unionsstaates mit Belarus. Nachbar Alexander Lukaschenko könnte das auch als Drohung auffassen. Der alternde Diktator versuche mittlerweile, die Sicherheit seiner selbst und seiner Familie zu garantieren, sagte Belarus-Experte Boris Ginzburg unserer Redaktion zuletzt: „Nicht nur vor der NATO, sondern auch vor Russland.“

Kritische Fragen aus dem Föderationsrat musste sich Lawrow erwartungsgemäß nicht anhören. Die Wortmeldung einer Abgeordneten kann als Beispiel für sich stehen: „Ich möchte Ihnen für den Beitrag des Außenministeriums zur Beilegung der Ukraine-Krise und für den Fokus auf Menschenrechte danken“, sagte sie. „Der globale Medienraum ist angefüllt mit Fehlinformationen zu Russland und der militärischen Spezialoperation“, klagte sie – und forderte „mehr verifizierte und akkurate Information“. (Quellen: Rede Lawrow, The Guardian, eigene Recherchen)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Russian Federation Council Press

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