Marschflugkörper setzen Russland zu

Putins Krim-Schreck: Woher kommen die „Storm Shadows“? Mysterium um Ukraine-Raketen

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Die russische Armee erleidet auf der Krim offenbar schwere Treffer durch ukrainische Storm-Shadow-Raketen. Deren Einsatz hinterlässt wichtige Fragen.

München/Krim – Sie war der ursprüngliche Ausgangspunkt für den Ukraine-Krieg: Die Krim am Schwarzen Meer, die der Kreml 2014 völkerrechtswidrig besetzen ließ. Den ukrainischen Streitkräften soll nun ein verheerender Storm-Shadow-Schlag auf eine russische Militäranlage auf der Halbinsel gelungen sein.

Halbinsel Krim: Ukraine trifft angeblich russischen Fahrzeugpark mit Storm-Shadow-Rakete

Konkret: Laut US-Magazin Forbes soll die Ukraine Anfang der Woche vier Storm-Shadow-Marschflugkörper auf Ziele auf der Krim abgefeuert und dabei mindestens einen folgenschweren Treffer erzielt haben. Wie der bekannte russische Militärblogger Rybar bei Telegram schreibt, traf eine der Raketen einen russischen Fahrzeugpark im Ort Novostepove, wo die russische Armee beschädigte Militärfahrzeuge reparieren lässt.

Moskau verneinte die Nachricht nicht, Kiew bestätigte die Informationen aber auch nicht. Ohnehin machen die Ukrainer um die westlichen Langstreckenraketen ein großes Geheimnis. Und so stellen sich rund um die Storm Shadow markante Fragen. Merkur.de erklärt, welche.

Normalerweise wird der Marschflugkörper Storm Shadow von westlichen Kampfjets verschossen - hier wird die Rakete an einer französischen Rafale angebracht.

Storm-Shadow-Raketen: Von wo aus beschießt die Ukraine die besetzte Krim?

  • Woher kamen die Storm-Shadow-Raketen? Der von Großbritannien und Frankreich gemeinschaftlich entwickelte Marschflugkörper hat dem Hersteller MBDA zufolge eine Reichweite von mehr als 250 Kilometern - wird von einem Kampfjet aus gefeuert. Offenbar sind die Ukrainer trotz der Verteidigung gegen die russische Invasion in der Lage, die „Cruise-Missile“ von verschiedenen Standorten aus abzuschießen. Aber woher nur? Dazu gibt es keinerlei Angaben. Novostepove liegt im Nordosten der Halbinsel. Von der Großstadt Cherson aus am südlichen Unterlauf des Dnipro, wo die Front verläuft, sind es laut Google Maps bis Novostepove 178 Kilometer Luftlinie. Von Mykolajiw aus, etwas hinter der Front gelegen, sind es dagegen 247 Kilometer Luftlinie. Von Nikopol aus, wo ebenfalls größere Truppenteile der ukrainischen Streitkräfte stationiert sind, sind es 224 Kilometer. Von allen genannten Standorten aus läge die nördliche Krim also in Schlagdistanz. Dahinter wird es aber schon wieder knapp.
  • Ein Video zeigte, wie eine Storm Shadow im Juni auf der Tschonhar-Brücke im äußersten Norden der Krim einschlug. Von dort aus sind es nach Cherson 165 Kilometer Luftlinie, nach Mykolajiw 222 Kilometer und nach Nikopol 188 Kilometer. Markant: Ab 2007 hatte MBDA auf Basis der SCALP-Naval-Rakete, der französischen Marine-Version des Marschflugkörpers, die MdCN-Rakete entwickelt. Diese soll nach offiziellen Angaben des französischen Senats eine Reichweite von 1000 Kilometern haben. Die besagte „Cruise-Missile“ kann aber ausschließlich von Kriegsschiffen oder U-Booten aus abgefeuert werden. Die ukrainische Marine existiert bis auf Schnellboote im Grunde gar nicht mehr. Und: Vor Ausbruch des Krieges hatte die Ukraine keine einzige Fregatte mit entsprechenden Startvorrichtungen.

Storm-Shadow-Raketen: Womit feuern die Ukrainer die Marschflugkörper ab?

  • Womit feuert die Ukraine die „Storm Shadows“ auf russische Ziele? Diese Frage ist bislang völlig unklar. Bekannt war, dass die Storm Shadow (Französisch: SCALP-EG) explizit für Kampfjets des westlichen Nato-Bündnisses Nato entwickelt worden war. So kann die Rakete nachweislich unter deutsch-italienische Eurofighter sowie Tornados oder die französischen Kampfjets Rafale und Mirage montiert werden. Unbekannt blieb, ob sie sich auch von MiG-29-Jets starten lässt, wie sie die Ukraine in geringer Stückzahl besitzt. Ferner müssten die ukrainischen Kampfpiloten der russischen Flugabwehr auf der östlichen Seite des Dnipro vergleichsweise nahekommen.

Storm-Shadow-Raketen: Kann Russland die Krim nicht verteidigen?

  • Kann Russland die Krim nicht gegen Storm-Shadow-Raketen verteidigen? Laut britischen Militärangaben fährt der Marschflugkörper nach der Entkoppelung von einem Kampfjet Flügel mit einer Spannweite von drei Metern aus. Die Rakete navigiert dann unter Anwendung eines Geländeprofilabgleichs und eines GPS zum jeweiligen Ziel. Die Cruise Missile wird dabei in der Regel in tiefen Höhen von 30 bis 40 Metern gesteuert. So erreicht die Rakete, die 5,10 Meter lang und 1,3 Tonnen schwer ist, angeblich Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 900 Kilometern pro Stunde. Zu viel für die russische Luftabwehr auf der Krim? Diese war zur Verteidigung der Waffe bisher offenbar nicht in der Lage. Was die Ausgangssituation für die dortigen Truppen des Kreml umso schwieriger macht.

Zuletzt hatte ein Bundeswehr-Geheimpapier deutsche Kritik an der Ukraine-Offensive enthüllt, während die ukrainischen Streitkräfte neben der Storm Shadow wohl auf ein neues Drohnen-Arsenal setzen. Bleibt die Rückeroberung der Krim so ein realistisches Szenario? (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ABACA

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