„Unter Druck“

Mutter rechnet mit Boomer-Großeltern ab – „ohne mit mir zu sprechen“

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Der Erziehungsstil vieler Millennials weicht von dem ihrer Eltern ab. Woran sich das zeigt und wie Eltern dann handeln sollten, erklärt eine Pädagogin.

„Wir haben familienintern ein Streitthema, das mich sehr belastet“, schreibt eine Mutter im Onlineforum Reddit. Die Großeltern würden den Enkelsohn mit Geschenken überhäufen und an Weihnachten sei es „eskaliert“. Ihre Schwiegermutter habe dem Jungen einen Puppenbuggy und Anziehsachen für eine alte Puppe gekauft – „ohne mit mir zu sprechen“, beschwert sich die Mutter.

Mit ihrem „Streitthema“ ist die Mutter nicht allein, weiß Dana Mundt. Sie ist Sozialpädagogin und arbeitet seit über zehn Jahren in der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE), einem Fachverband für Familien- und Jugendberatung. „Konflikte zwischen Eltern und Großeltern rund ums Schenken entstehen oft durch unterschiedliche Werte und Vorstellungen“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.

Auseinandersetzungen könne es geben, wenn Eltern auf Nachhaltigkeit achten und deshalb sinnvolle und eher weniger Geschenke für ihr Kind planen. Manche Großeltern hingegen wollen lieber etwas Materielles schenken, um ihre Liebe auszudrücken, erklärt Mundt. Babyboomer seien als Großeltern in der Regel wesentlich älter als die Vorgänger-Generationen, sagt der Generationenforscher Rüdiger Maas. Seiner Ansicht nach entwickelt sich die Gesellschaft und damit die Generationen aufgrund von digitalen Errungenschaften wie Künstlicher Intelligenz (KI) immer weiter auseinander.

Eltern sollten sich nicht irritieren lassen, wenn die eigenen Kinder meinten, die Kinder anderer Eltern würden mehr bekommen, rät ein Experte.

„Kinder haben sensible Antennen“: Welchen Fehler Eltern bei Geschenken machen

Auf Reddit schreibt eine Nutzerin unter den Beitrag der Mutter: „Ich verstehe dich total. Bei mir ist es die Kleidung. Ich entsorge immer wieder geschenkte Kleidung, die ich doof finde, weil ich mein einziges Kind gerne so anziehe, wie es mir gefällt“. Ein T-Shirt mit hohem Polyester-Anteil, eine Barbie-Puppe mit Glitzerrock oder Bauklötze aus Plastik statt aus Holz: Wie sollten Eltern reagieren, wenn ihnen die Geschenke für ihre Kinder nicht gefallen?

Wichtig sei ein respektvoller Austausch zwischen den Eltern und den Schenkenden. „Kinder haben unglaublich sensible Antennen. Sie spüren sofort, wenn ein Geschenk den Eltern nicht gefällt“, sagt die Pädagogin Mundt. Deshalb sei es wichtig, dass Eltern offen und ehrlich damit umgehen, ohne negativ zu reagieren. „Kinder lernen aus dem Verhalten der Erwachsenen, wie man mit solchen Situationen umgeht.“

„Stärken die Beziehung“: Worauf Eltern bei Geschenken für Kinder achten können

Aus der Arbeit mit Familien weiß Mundt: Kinder haben unendlich viele Wünsche. „Das kann Eltern unter Druck setzen, weil sie teils das Gefühl haben, ihrem Kind jeden Wunsch erfüllen zu müssen, um es glücklich zu machen“, sagt die Erziehungsberaterin. Eltern sollten sich vor allem fragen: Was braucht unser Kind wirklich? Was liegt nur in der Ecke herum? Und womit spielt es intensiv?

Um Dopplungen zu vermeiden, oder die Situation, dass das Geschenk weder Eltern noch dem Kind gefällt, findet es Mundt findet es sinnvoll, wenn Eltern Verwandten Tipps zu Geschenken geben. „Die Eltern kennen die Interessen ihrer Kinder in aller Regel am besten“, sagt sie. Wenn sich mehrere Familienmitglieder an einem Geschenk beteiligen, könne etwas besonders Sinnvolles oder Schönes geschenkt werden – etwa ein Fahrrad oder ein komplettes Schulranzen-Starterset, das das Kind im Alltag wirklich braucht und lange nutzt.

Auch gemeinsame Zeit könne ein wertvolles Geschenk sein – etwa ein Ausflug, ein Kinonachmittag oder ein gemeinsamer Besuch im Zoo. „Solche Erlebnisse schaffen bleibende Erinnerungen und stärken die Beziehung. Oft weit mehr als ein weiteres Spielzeug“, sagt die Pädagogin.

Rubriklistenbild: © Imago/Depositphotos

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