„Es geht darum, die Diskussion zuzulassen“

Soll Deutschland Feiertag für die Wirtschaft streichen? Ökonom schwebt ein konkreter vor

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Deutschlands Wirtschaft steckt in Schwierigkeiten. Einige Ökonomen plädieren daher für die Streichung von Feiertagen. Pfingstmontag wäre ein Kandidat.

Berlin – Geht es nach Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), kann Deutschland auf den Pfingstmontag als Feiertag verzichten. Das teilte er in einem Interview der Bild-Zeitung auf die Frage, welchen Feiertag er streichen würde, mit. „Ich persönlich hätte mit dem Pfingstmontag kein Problem“, so Adrian. Er wisse aber natürlich, dass „viele das anders sehen“, meint aber auch: „Es geht darum, die Diskussion zuzulassen.“

Feiertage streichen – um Deutschlands Wirtschaft zu stärken?

Warum aber war das überhaupt Thema bei der Bild? Hintergrund war der Zustand der deutschen Wirtschaft. Dieser verpasste Adrian die Schulnote Vier, in der Hoffnung, bald auf eine Drei zu kommen. Dass es an allen und Ecken Probleme gibt, ist bekannt: Zu den Problemfeldern gehören unter anderem die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik, Bürokratie, hohe Energiekosten. Über all das beschweren sich Wirtschaftsverbände seit Monaten.

Zwei Männer mit leichtem Gepäck (Symbolfoto). Deutschlands Wirtschaft steckt in einer Krise. Einige Ökonomen wollen daher Feiertage streichen. Einer davon könnte Pfingstmontag sein.

Als eine Lösung für einige dieser Probleme haben Firmenchefs und auch Friedrich Merz selbst schon ein simples Plus bei den Arbeitszeiten ins Spiel gebracht. Adrian geht damit konform. „Unsere Arbeitsproduktivität stagniert“, beklagte er in der Bild. Deutsche arbeiten 1.350 Stunden im Jahr, was 400 Stunden weniger sind als der OECD-Schnitt. „Über einen Feiertag weniger kann man diskutieren.“

Heftige Kritik an Ökonomen-Vorstoß – „einen oder mehrere“ Feiertage streichen

Tatsächlich taucht die Frage nach der Streichung von Feiertagen mit einer gewissen Regelmäßigkeit in den Medien auf. Zu denen, die bereits gefordert hatten, dass Deutsche mehr arbeiten müssten, gehören beispielsweise Rainer Neske, Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Clemens Fuest, Leiter des Ifo-Instituts, sowie Mercedes-Chef Ola Källenius.

Wolfram Hatz, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw), schlug ebenfalls schon die Streichung von „einem oder mehreren“ Feiertagen vor, um die Konjunktur anzukurbeln. Er schloss nur den 1. Mai von der Diskussion aus.

Von anderer Seite gab es an der Debatte um die Streichung von Feiertagen jedoch heftige Kritik. Die Behauptung, die Deutschen seien faul, zeige eine „erstaunliche Ignoranz gegenüber dem tatsächlichen Potenzial unseres Arbeitsmarkts“, schrieb der Ökonom Marcel Fratzscher, aktueller Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), in seinem Blog.

Keine Korrelation zur Wirtschaftskraft – Teilzeit schädlicher als Feiertage?

Bei alledem tut sich allerdings die Frage auf, welche Auswirkung Feiertage überhaupt auf die Wirtschaftskraft eines Landes haben. Im Vergleich mit den europäischen Nachbarn liegt Deutschland da erstens nicht nur weiter hinten; es ist zweitens auch so, dass das Bundesland mit den meisten Feiertagen – Bayern – gleichzeitig eines der wirtschaftsstärksten in Deutschland ist. Der Freistaat kommt auf 13 Feiertage und hat zugleich ein Bruttoinlandsprodukt von 72,79 Euro pro Kopf – Platz zwei hinter Hamburg und über dem Bundesdurchschnitt.

Der Vergleich der Bundesländer zeige, „dass die Anzahl der Feiertage nicht zwangsläufig mit der Wirtschaftskraft im negativen Sinne korreliert“, findet auch Anja Piel, Vorstand beim Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Gerade in Deutschland ist es vielmehr die verstärkte Konzentration von Arbeitsstellen im Teilzeitbereich, die in den Statistiken die niedrigeren Arbeitszeiten verursacht. Im Jahr 2024 arbeiteten 29 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren in Teilzeit. Der EU-Schnitt hierbei beträgt 18 Prozent. Fast die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer strebt eine Verringerung ihrer Arbeitszeiten an. Das ergab eine Studie im Auftrag des Karrierenetzwerks Xing. Immer wieder wird daher der Ruf nach einer Vier-Tage-Woche laut.

Rubriklistenbild: © Zoonar/Funke Foto Services/Imago

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