Himmelsphänomen

Totale Mondfinsternis: Was hinter dem mysteriösen roten Leuchten des „Blutmonds“ steckt

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Wenn der Vollmond im Erdschatten verschwindet, strahlt er plötzlich rot am Himmel. Der „Blutmond“ widerspricht der Intuition völlig – was dahinter steckt.

Frankfurt – Bei einer totalen Mondfinsternis wird der Vollmond vollständig vom Kernschatten der Erde verdeckt. Eigentlich sollte er dann komplett vom Himmel verschwinden – sollte man zumindest denken. Doch dem ist nicht so. Tatsächlich steht ein total verfinsterter Mond bei einer totalen Mondfinsternis rötlich leuchtend am Himmel – als sogenannter „Blutmond“. Wie entsteht dieses Phänomen, das der menschlichen Intuition komplett widerspricht? Ein Blick auf die Physik dahinter.

Der Höhepunkt einer totalen Mondfinsternis ist der rötlich leuchtende „Blutmond“. (Archivbild)

Zu Beginn einer Mondfinsternis schiebt sich der Kernschatten der Erde langsam über die Mondscheibe. Der Teil des Mondes, der im Schatten liegt, wird schwarz und scheint zu „verschwinden“ – der Vollmond sieht aus, als würde er von einer Seite „angeknabbert“. Doch kurz bevor der Mond komplett im Erdschatten liegt, erscheinen die „fehlenden“ Teile plötzlich in einem gespenstisch roten Licht – ein physikalisches Phänomen, das man auch in ganz anderen Situationen am Himmel beobachten kann.

Totale Mondfinsternis mit „Blutmond“: Was hinter dem Phänomen steckt

Uwe Pilz von der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) erklärt für IPPEN.MEDIA, was passiert, dass der „Blutmond“ am Himmel erscheint: „Die Erdatmosphäre streut immer Licht. Vom Mond aus gesehen ist die Erde von einem leuchtenden Ring umgeben, der Atmosphäre. Diese Streuung bevorzugt das rote Licht, wie auch die Sonnenuntergänge rötlich gefärbt sind. Deshalb erscheint der Mond in Rottönen.“ Der Experte fügt hinzu: „Die Tiefe des Farbtons sagt etwas aus über den Zustand unserer Atmosphäre.“

Hintergrund des Phänomens, das den „Blutmond“, aber auch rote Sonnenuntergänge verursacht, ist die sogenannte Rayleigh-Streuung. Das Sonnenlicht, das bei der totalen Mondfinsternis durch den Erdschatten auf den Mond fällt, legt einen langen Weg durch die Erdatmosphäre zurück. Das Sonnenlicht wird an den Molekülen in der Erdatmosphäre etwas nach innen gebrochen. Die Rayleigh-Streuung sorgt dafür, dass die kurzwelligen blauen Anteile des Lichts „aussortiert“ werden, während die langwelligen roten Lichtanteile die Mondoberfläche erreichen und für den „Blutmond“ sorgen.

Das passiert bei einer Mondfinsternis

Mehrmals im Jahr kann man auf der Erde eine Mondfinsternis beobachten. Doch was passiert bei diesem Himmelsereignis eigentlich? Und wie kann man eine Mondfinsternis sehen?
Mehrmals im Jahr kann man auf der Erde eine Mondfinsternis beobachten. Doch was passiert bei diesem Himmelsereignis eigentlich? Und wie kann man eine Mondfinsternis sehen?  © IMAGO/LausitzNews.de/Felix Leda
Damit eine Mondfinsternis entsteht, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein. Zuerst muss ein Vollmond am Himmel stehen. Mit dem Vollmond ist automatisch auch die zweite Bedingung erfüllt…
Damit eine Mondfinsternis entsteht, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein. Zuerst muss ein Vollmond am Himmel stehen. Mit dem Vollmond ist automatisch auch die zweite Bedingung erfüllt… © Marios Lolos/dpa
… denn die ist, dass die Erde zwischen Sonne und Mond stehen muss. Beim Vollmond ist das der Fall: Die Sonne strahlt die komplette “Mondscheibe” an und die Erde hat einen freien Blick darauf.
… denn die ist, dass die Erde zwischen Sonne und Mond stehen muss. Beim Vollmond ist das der Fall: Die Sonne strahlt die komplette “Mondscheibe” an und die Erde hat einen freien Blick darauf. © Victoria Jones/dpa
Die dritte Bedingung für eine Mondfinsternis ist etwas komplizierter: Sonne, Erde und Mond müssen so positioniert sein, dass der Mond durch den Schatten wandert, den die Erde ins Weltall wirft. Diese Bedingung wird nicht bei jedem Vollmond erfüllt – sonst gäbe es 12 bis 13 Mondfinsternisse pro Jahr.
Die dritte Bedingung für eine Mondfinsternis ist etwas komplizierter: Sonne, Erde und Mond müssen so positioniert sein, dass der Mond durch den Schatten wandert, den die Erde ins Weltall wirft. Diese Bedingung wird nicht bei jedem Vollmond erfüllt – sonst gäbe es 12 bis 13 Mondfinsternisse pro Jahr. © Axel Seidemann/dpa
Stattdessen gibt es jedes Jahr mindestens zwei Mondfinsternisse – immer dann, wenn der Vollmond durch den Schnittpunkt zwischen Mondbahn und Erdbahn wandert, durch einen der sogenannten Drachenpunkte.
Stattdessen gibt es jedes Jahr mindestens zwei Mondfinsternisse – immer dann, wenn der Vollmond durch den Schnittpunkt zwischen Mondbahn und Erdbahn wandert, durch einen der sogenannten Drachenpunkte. © Christophe Gateau/dpa
In den zwei Wochen vor oder nach einer Mondfinsternis kann man irgendwo auf der Erde auch immer eine Sonnenfinsternis sehen. Das hängt mit den Bewegungen von Erde, Sonne und Mond zusammen.
In den zwei Wochen vor oder nach einer Mondfinsternis kann man irgendwo auf der Erde auch immer eine Sonnenfinsternis sehen. Das hängt mit den Bewegungen von Erde, Sonne und Mond zusammen. © Jair Cabrera Torres/dpa
Eine Mondfinsternis ist ganz einfach zu beobachten: Überall dort, wo man den Mond am Himmel stehen sieht, während die “Mofi” stattfindet, ist das Himmelsereignis zu sehen.
Eine Mondfinsternis ist ganz einfach zu beobachten: Überall dort, wo man den Mond am Himmel stehen sieht, während die “Mofi” stattfindet, ist das Himmelsereignis zu sehen. © Victoria Jones/dpa
Eine Mondfinsternis wird in mehrere Phasen unterteilt. Zuerst schiebt sich langsam der Halbschatten der Erde über den Mond.
Eine Mondfinsternis wird in mehrere Phasen unterteilt. Zuerst schiebt sich langsam der Halbschatten der Erde über den Mond. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Dieses Phänomen ist mit bloßem Auge nur zu sehen, wenn man genau hinschaut. Der Halbschatten ist nämlich nur ein heller grauer Schatten, der sich über den Vollmond legt.
Dieses Phänomen ist mit bloßem Auge nur zu sehen, wenn man genau hinschaut. Der Halbschatten ist nämlich nur ein heller grauer Schatten, der sich über den Vollmond legt. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Nach dem Halbschatten kommt der Kernschatten. Dieser ist deutlich dunkler und man kann mit bloßem Auge gut erkennen, wie er sich über den Mond legt. Es scheint, als würde der Vollmond von einer Seite “angeknabbert” werden.
Nach dem Halbschatten kommt der Kernschatten. Dieser ist deutlich dunkler und man kann mit bloßem Auge gut erkennen, wie er sich über den Mond legt. Es scheint, als würde der Vollmond von einer Seite “angeknabbert” werden. © Boris Roessler/dpa
Der Kernschatten der Erde schiebt sich nach und nach über den Mond und lässt den Vollmond immer mehr wie eine Mondsichel aussehen.
Der Kernschatten der Erde schiebt sich nach und nach über den Mond und lässt den Vollmond immer mehr wie eine Mondsichel aussehen. © Sven Hoppe/dpa
Handelt es sich um eine totale Mondfinsternis, schiebt sich der Kernschatten über die gesamte Mondscheibe. Dadurch verschwindet der Mond jedoch nicht vollständig – stattdessen entsteht ein etwas überraschendes Phänomen.
Handelt es sich um eine totale Mondfinsternis, schiebt sich der Kernschatten über die gesamte Mondscheibe. Dadurch verschwindet der Mond jedoch nicht vollständig – stattdessen entsteht ein etwas überraschendes Phänomen. © Uli Deck/dpa
Ist der Vollmond komplett vom Erdschatten verfinstert, kann man den „Blutmond” sehen. Statt komplett zu verschwinden, ist der gesamte Vollmond in rötlichem Licht wieder am Himmel zu sehen.
Ist der Vollmond komplett vom Erdschatten verfinstert, kann man den „Blutmond” sehen. Statt komplett zu verschwinden, ist der gesamte Vollmond in rötlichem Licht wieder am Himmel zu sehen. © Marcus Brandt/dpa
Das Phänomen entsteht, weil das Sonnenlicht durch die Luftschichten der Erdatmosphäre gebrochen wird. Kurzwelliges blaues Licht wird dadurch geschwächt, während das rote Licht bis zum Mond durchdringt. Der Mond wird also weiter vom langwelligen roten Licht erreicht – und bleibt so schwach sichtbar.
Das Phänomen entsteht, weil das Sonnenlicht durch die Luftschichten der Erdatmosphäre gebrochen wird. Kurzwelliges blaues Licht wird dadurch geschwächt, während das rote Licht bis zum Mond durchdringt. Der Mond wird also weiter vom langwelligen roten Licht erreicht – und bleibt so schwach sichtbar. © Marcel Kusch/dpa
Bei einer partiellen Mondfinsternis wird der Mond dagegen nur teilweise verfinstert. Den „Blutmond” kann man dann nicht sehen.
Bei einer partiellen Mondfinsternis wird der Mond dagegen nur teilweise verfinstert. Den „Blutmond” kann man dann nicht sehen. © Robert Michael/dpa
Eine wissenschaftliche Tatsache, die bei jeder Mondfinsternis aufs Neue bewiesen wird, ist übrigens, dass die Erde eine Kugel ist. Das kann man erkennen, wenn man sich anschaut, wie der Schatten geformt ist, der über den Mond zieht: Er ist gebogen – wie bei einer Kugel, die einen Schatten wirft.
Eine wissenschaftliche Tatsache, die bei jeder Mondfinsternis aufs Neue bewiesen wird, ist übrigens, dass die Erde eine Kugel ist. Das kann man erkennen, wenn man sich anschaut, wie der Schatten geformt ist, der über den Mond zieht: Er ist gebogen – wie bei einer Kugel, die einen Schatten wirft. © Peter Kneffel/dpa
Im Gegensatz zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis benötigt man für die Mondfinsternis keinen Schutz für die Augen.
Im Gegensatz zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis benötigt man für die Mondfinsternis keinen Schutz für die Augen.  © Francisco Canedo/dpa
Man kann den Mond mit bloßem Auge beobachten, mit einem Fernglas oder Teleskop und nach Herzenslust Bilder machen, ohne das eigene Augenlicht zu gefährden.
Man kann den Mond mit bloßem Auge beobachten, mit einem Fernglas oder Teleskop und nach Herzenslust Bilder machen, ohne das eigene Augenlicht zu gefährden. © Uwe Anspach/dpa
Der Grund dafür ist ganz einfach: Der Mond reflektiert das Licht der Sonne. Das wird dadurch aber so sehr „entschärft”, dass es die Augen nicht mehr gefährdet.
Der Grund dafür ist ganz einfach: Der Mond reflektiert das Licht der Sonne. Das wird dadurch aber so sehr „entschärft”, dass es die Augen nicht mehr gefährdet. © Robert Michael/dpa
Aus diesem Grund kann man den Mond gefahrlos beobachten und auch fotografieren – allerdings ist es nicht einfach, gute Aufnahmen des Mondes zu machen.
Aus diesem Grund kann man den Mond gefahrlos beobachten und auch fotografieren – allerdings ist es nicht einfach, gute Aufnahmen des Mondes zu machen. © Frank Molter/dpa
Der Mond erscheint dem menschlichen Auge nämlich größer, als er in Wirklichkeit ist – das heißt: auf Fotografien erscheint der Mond immer deutlich kleiner als man es erwarten würde.
Der Mond erscheint dem menschlichen Auge nämlich größer, als er in Wirklichkeit ist – das heißt: auf Fotografien erscheint der Mond immer deutlich kleiner als man es erwarten würde. © Angelika Warmuth/dpa
Bei einer Mondfinsternis kommt noch dazu, dass der dunkler werdende Mond am dunklen Himmel steht – eine echte fotografische Herausforderung.
Bei einer Mondfinsternis kommt noch dazu, dass der dunkler werdende Mond am dunklen Himmel steht – eine echte fotografische Herausforderung. © Maurizio Gambarini/dpa
Wer sein Handwerk jedoch versteht, kann solche Aufnahmen von der Mondfinsternis machen: Der teilweise verfinsterte Mond am 16. Mai 2022 neben der Frauenkirche in Dresden.
Wer sein Handwerk jedoch versteht, kann solche Aufnahmen von der Mondfinsternis machen: Der teilweise verfinsterte Mond am 16. Mai 2022 neben der Frauenkirche in Dresden. © Robert Michael/dpa
Der „Blutmond” neben einem angestrahlten Hochofen im Landschaftspark Duisburg am 21. Januar 2019.
Der „Blutmond” neben einem angestrahlten Hochofen im Landschaftspark Duisburg am 21. Januar 2019. © Marcel Kusch/dpa
Alle Phasen einer Mondfinsternis in der Übersicht.
Alle Phasen einer Mondfinsternis in der Übersicht. © Thomas Rensinghoff/dpa

Rayleigh-Streuung sorgt für den „Blutmond“, rote Sonnenuntergänge und blauen Himmel

Auch farbenprächtigen Sonnenuntergänge entstehen durch die Rayleigh-Streuung. Die wirkt besonders gut, wenn viele Partikel in der Luft sind – beispielsweise, wenn sich Teilchen eines Vulkanausbruchs oder Saharastaub in der Atmosphäre befinden. Tatsächlich kann man die Rayleigh-Strahlung beinahe täglich bewundern: Sie ist nämlich auch für den blauen Himmel verantwortlich. Steht die Sonne höher am Himmel, ist der Weg des Sonnenlichts durch die Atmosphäre kürzer und das blaue Licht wird besser gestreut als Rot – der Himmel erscheint blau.

UhrzeitPhase der Mondfinsternis
17.28 Uhr:Halbschattenfinsternis beginnt (in Deutschland nicht sichtbar).
18.27 Uhr:partielle Mofi beginnt (in Deutschland nicht sichtbar).
19.09 Uhr:Der Mond erreicht seine Vollmond-Position.
19.30 Uhr:Die totale Mondfinsternis beginnt (in Deutschland nicht sichtbar).
19.39 Uhr:Der Vollmond geht in München auf.
19.53 Uhr: Der Vollmond geht in Frankfurt auf.
20.11 Uhr: Maximale Verdunklung des Mondes.
20.52 Uhr:Die totale Phase der Mondfinsternis endet.
21.56 Uhr: Die partielle Phase der Mondfinsternis endet.
22.55 Uhr: Die Halbschattenfinsternis endet.
Quelle: timeanddate.de

Totale Mondfinsternis am 7. September: Der Vollmond geht schon als „Blutmond“ auf

Doch zurück zum „Blutmond“: Bei der totalen Mondfinsternis, die am 7. September 2025 in ganz Deutschland beobachtet werden kann, wird der Vollmond bereits total verfinstert aufgehen. „Der aufgehende Mond ist bereits kräftig rot gefärbt, viel tiefer als normale rötliche Mondaufgänge“, weiß Pilz. „Durch die starke Abdunklung kann es sogar sein, dass der Mond tief am Himmel überhaupt nicht zu sehen ist. Eine halbe Stunde nach Aufgang sollte man ihn aber erkennen, wenn der Himmel wolkenfrei ist.“

Zum Höhepunkt einer totalen Mondfinsternis steht der rötlich leuchtende „Blutmond“ am Himmel. (Archivbild)

Wer den „Blutmond“ bewundern möchte, sollte sich die Mondfinsternis am Sonntagabend nicht entgehen lassen – bis zur nächsten totalen Mondfinsternis muss man in Deutschland danach bis 2028 warten. Es ist auch die ideale Gelegenheit, mit der Kamera oder dem Smartphone Mondfinsternis-Fotos zu machen – oder den restlichen Sternenhimmel zu genießen, während der Mond total verfinstert ist. (tab)

Rubriklistenbild: © IMAGO/LUKAS COCH

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