Totale Mondfinsternis: Was hinter dem mysteriösen roten Leuchten des „Blutmonds“ steckt
VonTanja Banner
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Wenn der Vollmond im Erdschatten verschwindet, strahlt er plötzlich rot am Himmel. Der „Blutmond“ widerspricht der Intuition völlig – was dahinter steckt.
Frankfurt – Bei einer totalen Mondfinsternis wird der Vollmond vollständig vom Kernschatten der Erde verdeckt. Eigentlich sollte er dann komplett vom Himmel verschwinden – sollte man zumindest denken. Doch dem ist nicht so. Tatsächlich steht ein total verfinsterter Mond bei einer totalen Mondfinsternis rötlich leuchtend am Himmel – als sogenannter „Blutmond“. Wie entsteht dieses Phänomen, das der menschlichen Intuition komplett widerspricht? Ein Blick auf die Physik dahinter.
Zu Beginn einer Mondfinsternis schiebt sich der Kernschatten der Erde langsam über die Mondscheibe. Der Teil des Mondes, der im Schatten liegt, wird schwarz und scheint zu „verschwinden“ – der Vollmond sieht aus, als würde er von einer Seite „angeknabbert“. Doch kurz bevor der Mond komplett im Erdschatten liegt, erscheinen die „fehlenden“ Teile plötzlich in einem gespenstisch roten Licht – ein physikalisches Phänomen, das man auch in ganz anderen Situationen am Himmel beobachten kann.
Totale Mondfinsternis mit „Blutmond“: Was hinter dem Phänomen steckt
Uwe Pilz von der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) erklärt für IPPEN.MEDIA, was passiert, dass der „Blutmond“ am Himmel erscheint: „Die Erdatmosphäre streut immer Licht. Vom Mond aus gesehen ist die Erde von einem leuchtenden Ring umgeben, der Atmosphäre. Diese Streuung bevorzugt das rote Licht, wie auch die Sonnenuntergänge rötlich gefärbt sind. Deshalb erscheint der Mond in Rottönen.“ Der Experte fügt hinzu: „Die Tiefe des Farbtons sagt etwas aus über den Zustand unserer Atmosphäre.“
Hintergrund des Phänomens, das den „Blutmond“, aber auch rote Sonnenuntergänge verursacht, ist die sogenannte Rayleigh-Streuung. Das Sonnenlicht, das bei der totalen Mondfinsternis durch den Erdschatten auf den Mond fällt, legt einen langen Weg durch die Erdatmosphäre zurück. Das Sonnenlicht wird an den Molekülen in der Erdatmosphäre etwas nach innen gebrochen. Die Rayleigh-Streuung sorgt dafür, dass die kurzwelligen blauen Anteile des Lichts „aussortiert“ werden, während die langwelligen roten Lichtanteile die Mondoberfläche erreichen und für den „Blutmond“ sorgen.
Rayleigh-Streuung sorgt für den „Blutmond“, rote Sonnenuntergänge und blauen Himmel
Auch farbenprächtigen Sonnenuntergänge entstehen durch die Rayleigh-Streuung. Die wirkt besonders gut, wenn viele Partikel in der Luft sind – beispielsweise, wenn sich Teilchen eines Vulkanausbruchs oder Saharastaub in der Atmosphäre befinden. Tatsächlich kann man die Rayleigh-Strahlung beinahe täglich bewundern: Sie ist nämlich auch für den blauen Himmel verantwortlich. Steht die Sonne höher am Himmel, ist der Weg des Sonnenlichts durch die Atmosphäre kürzer und das blaue Licht wird besser gestreut als Rot – der Himmel erscheint blau.
Uhrzeit
Phase der Mondfinsternis
17.28 Uhr:
Halbschattenfinsternis beginnt (in Deutschland nicht sichtbar).
18.27 Uhr:
partielle Mofi beginnt (in Deutschland nicht sichtbar).
19.09 Uhr:
Der Mond erreicht seine Vollmond-Position.
19.30 Uhr:
Die totale Mondfinsternis beginnt (in Deutschland nicht sichtbar).
19.39 Uhr:
Der Vollmond geht in München auf.
19.53 Uhr:
Der Vollmond geht in Frankfurt auf.
20.11 Uhr:
Maximale Verdunklung des Mondes.
20.52 Uhr:
Die totale Phase der Mondfinsternis endet.
21.56 Uhr:
Die partielle Phase der Mondfinsternis endet.
22.55 Uhr:
Die Halbschattenfinsternis endet.
Quelle: timeanddate.de
Totale Mondfinsternis am 7. September: Der Vollmond geht schon als „Blutmond“ auf
Doch zurück zum „Blutmond“: Bei der totalen Mondfinsternis, die am 7. September 2025 in ganz Deutschland beobachtet werden kann, wird der Vollmond bereits total verfinstert aufgehen. „Der aufgehende Mond ist bereits kräftig rot gefärbt, viel tiefer als normale rötliche Mondaufgänge“, weiß Pilz. „Durch die starke Abdunklung kann es sogar sein, dass der Mond tief am Himmel überhaupt nicht zu sehen ist. Eine halbe Stunde nach Aufgang sollte man ihn aber erkennen, wenn der Himmel wolkenfrei ist.“