VonGeorg Leppertschließen
Die Partei sieht vor allem die Bundespolitik als Grund für die Verluste in Frankfurt. Im Wahlkreis 38 wird sie stärkste Kraft.
Frankfurt - Es ist die alte Frage: Ist das Glas nun halbvoll oder halbleer? Die Grünen im Römer einigten sich am Sonntagabend sehr schnell auf die positive Sichtweise. Doch Jubel herrschte bei den Mandatsträger:innen auch nicht. Und das lag nicht nur am starken Abschneiden der AfD.
Schon als OB-Kandidatin Manuela Rottmann im März bereits in der ersten Runde der OB-Wahl ausgeschieden war, deutete sich an, dass sich die politischen Verhältnisse in Frankfurt wandeln. Dass die Grünen eben nicht mehr die stärkste Kraft sind, als die sie seit der Landtagswahl 2018 bei jeder Wahl hervorgingen.
Frankfurter Grüne liegen sechs Prozentpunkte hinter der CDU
Doch bei der OB-Wahl ging es um einzelne Personen, insofern musste Rottmanns Scheitern nicht viel bedeuten. Das Ergebnis vom Sonntag sprach aber eine deutliche Sprache. Mehr als sechs Prozentpunkte lagen die Frankfurter Grünen am Ende hinter der CDU.
Woran das lag? Nicht zuletzt an der Bundespolitik, da waren sich die Vertreterinnen und Vertreter der Grünen im Römer einig. „Alle Ampelparteien hatten mit Gegenwind zu tun“, sagte Miriam Dahlke, die 2018 das Direktmandat im Frankfurter Nordwesten geholt hatte. Diesmal musste sie sich knapp Tanja Jost von der CDU geschlagen geben.
Oder liegt der Grund in Frankfurt vielleicht doch bei kommunalpolitischen Themen? Beim Streit über die Verkehrspolitik im Nordend? Bei der Weigerung der Grünen, einer Waffenverbotszone im Bahnhofsviertel zuzustimmen?
Frankfurter Grüne suchen Gründe in Berlin
Nein, sagte Burkhard Schwetje, der den Frankfurter Kreisverband seit diesem Jahr gemeinsam mit Julia Frank führt. Er habe in den vergangenen Wochen an etlichen Wahlkampfständen gestanden. Und so gut wie nie sei es dabei um Frankfurter Themen gegangen. Dafür habe er wieder und wieder das Heizungsgesetz erklären und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gegen Kritik verteidigen müssen. „Ich glaube, wir müssen solche Themen besser kommunizieren“, sagte Schwetje.
In der Tat scheint zumindest die Diskussion über den Oeder Weg nicht wahlentscheidend gewesen zu sein. Im Wahlkreis 38, in dem das Nordend liegt, wurden die Grünen stärkste Kraft, und Marcus Bocklet verteidigte sein Direktmandat mit großem Vorsprung vor Kaweh Nemati. Sein Wahlergebnis von 2018 habe er bestätigt, „ich bin persönlich zufrieden“, sagte der Landtagsabgeordnete. Stadtweit hätte er sich ein besseres Ergebnis gewünscht, doch entscheidend sei die Kommunalwahl 2026. Bis dahin könnten die Grünen wieder stärkste Kraft in Frankfurt sein.
Und in Wiesbaden? Geht es nach den Frankfurter Grünen, wäre die Partei für eine Neuauflage des Bündnisses mit der CDU zu haben. „Ich habe jedenfalls Lust, das Land weiterhin zu gestalten“, sagte Dahlke. (Georg Leppert)
Die SPD schneidet im Frankfurt noch schlechter ab als vor fünf Jahren, holt kein einziges Direktmandat. Am Wahlabend gibt es Kritik an den Themen des Kampagne.
Landtagswahl in Hessen - Reaktionen
Hessen hat einen neuen Landtag gewählt. Die Frankfurter Rundschau bündelt ihre umfangreiche Berichterstattung in ihrem Onlinedossier zur Hessenwahl.
Die Ergebnisse aus Frankfurt im Überblick
Reaktionen aus Frankfurt:
- Trauer bei den Frankfurter Grünen hält sich in Grenzen
- CDU feiert fünf von sechs Direktmandaten in Frankfurt
- In der SPD wird Kritik an den Themen ihrer Kampagne laut
- FDP in Frankfurt über dem Schnitt - und dennoch unzufrieden
- Linke: Gründe für Minus auch in Frankfurt vielfältig
Reaktionen aus weiteren Städten:
- In Wiesbaden gehen beide Direktmandate an die CDU
- in Darmstadt holen die Grünen beide Direktmandate
Rubriklistenbild: © Renate Hoyer

