VonChristoph Manusschließen
Die SPD schneidet im Frankfurt noch schlechter ab als vor fünf Jahren, holt kein einziges Direktmandat. Am Wahlabend gibt es Kritik an den Themen des Kampagne.
Frankfurt - Die Frankfurter SPD hat ihre Wahlziele krachend verfehlt. Ihr ist es erneut nicht gelungen, eines der sechs Direktmandate zu gewinnen. Sie erhielt zudem mit 15 Prozent noch weniger Zweitstimmen als 2018. Dabei hatte sich Parteichef Kolja Müller noch vor gut vier Wochen zuversichtlich gezeigt, dass drei der Kandidat:innen in den hessischen Landtag gewählt werden und die Partei mindestens 20 Prozent der Zweitstimmen in Frankfurt holt. Nun wird Turgut Yüksel, der über die Landesliste einzieht, als einziger Frankfurter Sozialdemokrat in Wiesbaden vertreten sein.
Frankfurter SPD-Stadtverordnete Witsch spricht schon früh von einer demütigenden Niederlage
Der Frankfurter SPD-Stadtverordnete Simon Witsch spricht schon früh am Abend von einer demütigenden Niederlage für seine Partei. „Das muss jetzt aufgearbeitet werden.“ Die Schlappe habe nicht nur bundespolitische Gründe, sagt er im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. „Wir haben es in Hessen nicht geschafft, eine erfolgreiche Kampagne zu fahren.“ Er sieht eine „erschreckende Ratlosigkeit“ in der Partei.
Lino Leudesdorff, der im Wahlkreis 34 im Westen der Stadt angetreten ist, spricht noch klarer von Versäumnissen. „Wir haben auf die falschen Themen gesetzt.“ Als Beispiel nennt der Parteilinke den Fachkräftemangel. Jetzt heiße es für die SPD aufzuwachen und soziale Themen in den Mittelpunkt zu stellen.
Ina Hartwig, die die Frankfurter SPD seit Mai mit Müller führt, spricht im Römer von einem historisch schlechten und enttäuschenden Ergebnis. Gerade nach der erfolgreichen Oberbürgermeisterwahl sei mehr zu erhoffen gewesen. Erschreckend sei, wie stark die AfD auch in Frankfurt abgeschnitten habe. Bei der handele es sich schließlich um eine Partei, die die Demokratie abschaffen wolle, sagte sie der Frankfurter Rundschau.
AfD-Erfolg in Hessen: „Unsere Demokratie hat ein ernstes Problem“
Jan Pasternack, der im Wahlkreis 35 im Nordwesten der Stadt angetreten war, zeigt sich regelrecht betroffen über die hohen Werte für die AfD. „Ich bin politisiert worden im Kampf gegen Rechtsextremismus“, sagt der gebürtige Rostocker. Nun zeige sich noch mehr, dass dieser kein ostdeutsches Phänomen sei.
„Unsere Demokratie hat ein ernstes Problem“, sagt Müller. Auch die SPD habe einer Emotionalisierung der Politik, wie sie etwa die AfD betreibe, zu wenig entgegenzusetzen. Der Parteichef hatte bereits nach dem schwachen Abschneiden der SPD bei der Kommunalwahl 2021 gefordert, dass die Partei wieder kampagnenfähiger werden müsse, sichtbarer in den Siedlungen.
Da sieht er weiter Schwierigkeiten. Es gebe nach wie vor zu wenige Mitglieder, die sich aktiv in die politische Arbeit einbringen. Hartwig sieht nun die Notwendigkeit, die Zeit bis zur nächsten Kommunalwahl zu nutzen, um sich als Partei neu zu sortieren. (Christoph Manus)
Die Grünen sehen vor allem die Bundespolitik als Grund für die Verluste in Frankfurt. Im Wahlkreis 38 wird sie stärkste Kraft.
Landtagswahl in Hessen - Reaktionen
Hessen hat einen neuen Landtag gewählt. Die Frankfurter Rundschau bündelt ihre umfangreiche Berichterstattung in ihrem Onlinedossier zur Hessenwahl.
Die Ergebnisse aus Frankfurt im Überblick
Reaktionen aus Frankfurt:
- Trauer bei den Frankfurter Grünen hält sich in Grenzen
- CDU feiert fünf von sechs Direktmandaten in Frankfurt
- In der SPD wird Kritik an den Themen ihrer Kampagne laut
- FDP in Frankfurt über dem Schnitt - und dennoch unzufrieden
- Linke: Gründe für Minus auch in Frankfurt vielfältig
Reaktionen aus weiteren Städten:
- In Wiesbaden gehen beide Direktmandate an die CDU
- in Darmstadt holen die Grünen beide Direktmandate
Rubriklistenbild: © Renate Hoyer

