VonMirjam Ratmannschließen
Auch im Ruhrgebiet finden Wander-Fans Routen, die durch schöne Naturlandschaften führen. Eine Auswahl an sieben Wanderrouten von leicht bis schwer.
Essen – Ballungsraum nach Ballungsraum und alte, stillgelegte Zechen: Dass das Ruhrgebiet mehr ist, sieht man, wenn man sich aus den Städten raus und rein in die umliegende Natur bewegt. Vor allem jetzt im Frühling bieten die höheren Temperaturen die Möglichkeit für Ausflüge in die Umgebung.
Gerade in und um Essen gibt es dabei zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern. Doch egal, ob Bochum, Dortmund oder Recklinghausen: Jede Region im Ruhrgebiet hat ihr Fleckchen Natur, das sich zum Spazieren und Wandern anbietet.
Mit Blick auf den Baldeneysee: Rundwanderweg Schellenberger Wald
Nördlich vom Essener Baldeneysee, dem größten Stausee des Ruhrgebiets, können Wanderer im Schellenberger Wald wandern gehen. Dort führt der Rundweg auf fast zehn Kilometern entlang von Bäumen an der Villa Hügel vorbei. An einigen Stellen entlang des Weges durch den Schellenberger Wald gibt es gute Ausblicke auf den Baldeneysee. Insgesamt geht es entlang des Wanderweges rund 150 Meter nach oben und 150 Meter nach unten.
| Wanderroute | Rundwanderweg Schellenberger Wald |
| Stadt | Essen |
| Länge | 9,98 Kilometer |
| Dauer | 2:44 Stunden |
| Schwierigkeitsstufe | Mittel |
Ein guter Startpunkt für die Wanderung ist der Stadtwaldplatz unweit der S-Bahn-Station Stadtwald, den die S6 anfährt. Ein erstes Highlight auf der Route ist das Schloss Schellenberg, eine unter Denkmalschutz stehende Wasserburg. Südwärts geht es dann weiter zum Baldeneysee. Durch den Baldeneyer Wald gelangt man zum Jagdhaus Schellenberg, der Ruine der Neuen Isenburg und dem Schloss Baldeney, dessen älteste Teile aus dem 14. Jahrhundert stammen.
Außerdem können Wander-Fans der Schlosskapelle Maria Magdalena und der Klusenkapelle St. Ägidius einen Besuch abstatten. Um die Mondscheinwiese, ein beliebtes Revier für Jogger, herum, führt der Rundwanderweg wieder zurück zum Stadtwaldplatz.
Halden-Hügel-Hopping: Über die Halden Hoheward und Hoppenbruch zum Ewaldsee
Südlich von Herten und Recklinghausen kann man durch die größte Haldenlandschaft des Ruhrgebiets wandern und damit direkt ein wenig in die Industriekultur eintauchen.
Ein guter Start für die Wanderung ist der Parkplatz „Am Handweiser“ an der Cranger Straße. Von dort, in 55 Metern Höhe, hat man direkt einen ersten Ausblick auf die Umgebung. Ein 500 Meter langer Anstieg führt dann zu Halde Hoheward und zum Horizontobservatorium. Hier kann man die Himmelskörper auf ihren Reisen beobachten. Der Obelisk fungiert als Sonnenstandzeiger.
| Wanderroute | Über Halde Hoheward und Hoppenbruch zum Ewaldsee |
| Stadt | Zwischen Herten und Recklinghausen |
| Länge | 16,18 Kilometer |
| Dauer | 3:58 Stunden |
| Schwierigkeitsstufe | Leicht |
Weitere sechs Kilometer weiter erreicht man die Halde Hoppenbruch. Sie entstand zwischen 1978 und 1992 aus den Zechen Ewald/Schlägel und Eisen sowie General Blumenthal/Haard. Zusammen mit der Halde Hoheward bildet sie die größte Haldenlandschaft des Ruhrgebiets und ist eine Station auf der Route der Industriekultur. Die Edelstahlskulpturen erläutern das Phänomen Windkraft.
Nahe einem Waldfriedhof erreicht man anschließend den Fluss Emscher und befindet sich damit schon mitten im Naturschutzgebiet Resser Wäldchen. Durch die Natur mit Wiesen und Wäldchen gelangt man zum Naturschutzgebiet Emscherbruch und dem Ewaldsee. In NRW gibt es zahlreiche Halden, die sich für einen Spaziergang anbieten.
Durch bewaldetet Hügellandschaft: Rundwanderung in der Haard
Die Haard, gelegen zwischen Recklinghausen und Haltern am See, ist eine bewaldete Hügellandschaft und wird auch gerne als „grüne Lunge“ des Ruhrgebiets bezeichnet. Das insgesamt 55 Quadratkilometer große Gebiet bietet zahlreiche Wanderwege, einer davon führt auf knapp elf Kilometern zu den drei höchsten Punkten des Naturschutzgebietes.
Ein guter Startpunkt ist südlich von Flaesheim. Durch Wald und Wiese geht es 123 Meter hoch auf den Dachsberg.
| Wanderroute | Rundwanderung in der Haard |
| Stadt | Zwischen Recklinghausen und Haltern am See |
| Länge | 11,26 Kilometer |
| Dauer | 2:47 Stunden |
| Schwierigkeitsstufe | Leicht |
Nach rund drei Kilometern erreicht man den Feuerwachturm Rennberg. Der Stahlturm hat auf einer Höhe von 32 Metern eine Aussichtsplattform, die man nach etwas über 140 Stufen erreicht. Von hier aus fällt der Blick über die Haard und bis nach Flaesheim oder zur Schleuse am Wesel-Datteln-Kanal. Bei klarer Sicht kann man nicht nur das Ruhrgebiet, sondern auch das Münsterland überblicken.
Über den 126 Meter hohen Weseler Berg gelangt man in eine langgestreckte Felderlandschaft, namens Herzostag. Abschließend umrundet man auf dieser Route noch den 132 Meter hohen Finkenberg, bevor es zurück zum Ausgangspunkt geht.
Das „grüne Juwel“ von Bochum: Durchs Weitmarer Holz
Im Süden des Stadtteils Bochum-Weitmar liegt das 80 Hektar große Weitmarer Holz, das auch gern schon mal als „grünes Juwel“ der Region betitelt wird. Auf einer Wanderung durch das Weitmarer Holz kann man nicht nur zahlreichen Eichen und Buchen bestaunen, sondern auch Rehe und Wildschweine in einem Wildgehege besuchen.
Startpunkt ist der Parkplatz nahe dem Städtischen Friedhof Weitmar an der Blankensteiner Straße. Von dort aus geht es direkt hinein ins Weitmarer Holz, direkt zum Malakowturm, dem einzigen Förderturm aus Ruhrsandstein im Ruhrgebiet. Er gehörte zur Zeche Brockhauser Tiefbau und liegt am Bliesstollen.
| Wanderroute | Rundweg Weitmarer Holz |
| Stadt | Bochum |
| Länge | 7,53 Kilometer |
| Dauer | 2 Stunden |
| Schwierigkeitsstufe | Mittel |
An der Kreuzung Krockhausstraße/Blankensteiner Straße geht es rechts in den Rauendahler Wald nahe dem Ruhrverlauf. Nordöstlich geht es dann zur Sternwarte Bochum hinauf, die 1946 als Volkssternwarte gegründet wurde.
Der Rückweg führt am Waldrand über Wiesen und Ackerflächen vorbei, sowie an einem Restaurant mit Biergarten. Kurz vor Abschluss der Wanderung kommt man noch am Wildgehege vorbei, das circa 25 Tiere beheimatet, aber nur von Außen besichtigt werden kann.
Der Deilbachsteig – mehr als 30 Kilometer lang
Wanderinnen und Wanderer, die es etwas anspruchsvoller mögen, kommen beim Deilbachsteig auf ihre Kosten. Der Wanderweg wurde erst im Juni 2023 eröffnet und führt von Essen über Hattingen bis nach Velbert. Gewandert wird auf rund 34 Kilometern, teilweise durch das Deilbachtal, auf denen insgesamt mehr als 1.000 Höhenmeter zu überwinden sind. Da die Wanderung über neun Stunden dauert, sollte sie auf mehrere Tage gestreckt und mit Übernachtungen geplant werden.
Der Deilbachsteig eignet sich besonders für Wanderer, die sich für Industriekultur und alte Denkmäler interessieren. Diese sind entlang der Route zu finden. Zudem kommen Wanderer auch an alten Ruinen vorbei. Einige Streckenabschnitte sind anspruchsvoll und führen über steile Felsformationen. Manche Gebiete haben gar Urwaldcharakter.
| Wanderroute | Deilbachsteig |
| Stadt | Zwischen Essen und Velbert |
| Länge | 33,91 Kilometer |
| Dauer | 9:35 Stunden |
| Schwierigkeitsstufe | Schwer |
Ein guter Startpunkt ist der Kupferdreher Markt, den man mit der S9 (von Recklinghausen über Wuppertal nach Hagen) erreichen kann. Dort losgelaufen, kommt man am alten Kupferhammer und dem Deilmannhof mit der Deiler Mühle vorbei.
Anschließend erreicht man den Ort, an dem die Zeche Victoria lag. Heute sind nur noch das Betriebsgebäude und der sechs Meter hohe Kaminsockel erhalten. Landschaftlich schön wird es um Kilometer zehn. Hier durchwandert man das Balkhauser Tal, ein kleines Seitental zwischen dem Isenberg und der Winzermark. Ein Wanderhighlight hier: Die Burgruine Isenburg.
Kurz vor Langenberg wurde aus großen Bruchsteinquadern ein 30 Meter hoher Bismarckturm errichtet. Weiter geht es von hier aus durch die historische Altstadt Langenberg. Danach führt die Strecke viele Kilometer durch die Natur. Der Steig geht auf diesen Abschnitt immer wieder hoch und runter.
Die letzten Stationen vor der Rückkehr zum Ausgangspunkt sind die Hundebrücke und der Deilbachhammer, ein Kulturdenkmal. Kurz vor Ankunft am Bahnhof Kupferdreh wandert man dann noch einmal direkt an der Ruhr entlang.
Durch die Moorlandschaft: Kirchheller-Heide-Rundwanderung
Die circa 12 Kilometer lange Rundwanderung durch die Kirchheller Heide startet am Wanderparkplatz Heidesee in Bottrop-Kirchhellen. Die Kirchheller Heide steht seit 1926 unter Naturschutz und umfasst heute eine Schutzzone von ca. 2.000 Hektar. Zwischen den drei Städten Bottrop, Oberhausen und Dinslaken gelegen, bietet eine Rundwanderung durch die Heide Ausblicke auf Wälder, Heiden- und Moorlandschaften sowie zahlreichen Seen.
Auf der Wanderung kommt man zum Beispiel am Heidhofsee, dem Heidsee und dem Elsbachsee, auch Pfingstsee genannt, vorbei. Sie bieten sich auch als Rastpunkte an. Die Seen sind erst durch den Steinkohleabbau entstanden
| Wanderroute | Kirchheller-Heide-Rundwanderung |
| Stadt | Bottrop |
| Länge | 12 Kilometer |
| Dauer | 2:41 Stunden |
| Schwierigkeitsstufe | Leicht |
Die Wandertour führt außerdem zum Waldkompetenzzentrum Heidhof, wo man sich über die Naturlandschaft informieren kann. Neben einem Abenteuerspielplatz, bietet das Zentrum einen Kiosk mit Eis, Kuchen, Getränken und einige kleine warme Gerichte an.
Eine Umrundung des Heidhofsees führt einen anschließend durch Mischwald, Wiesen und Auenlandschaft zum Weihnachtssee. Passiert man dann den Elsbach, geht es knapp 10 Kilometer auf 74 Meter in die Höhe. Dort angekommen, führt der Rundweg wieder zurück zum Ausgangspunkt am Heidsee.
In die Keimzelle des Bergbaus: Drei-Türme-Weg Witten
Die Drei-Türme-Wanderung in Witten beginnt im Stadtpark Witten, direkt beim der Burg Berge zu Witten, die auch kurz Haus Witten genannt wird. Vom Stadtpark aus geht es über die Parkstraße ins Naherholungsgebiet Hohenstein. Gleich zu Beginn passiert der Drei-Türme-Weg den Hammerteich, Überbleibsel einer frühindustriellen Schmiede und heute Heimathafen von vielen Schiffsmodellbauern.
Hinter dem Kinderspielplatz erreicht der Drei-Türme-Weg dann sein erstes Ziel: das Berger-Denkmal. Der 21 Meter hohe Aussichtsturm erinnert an den Industriellen und Politiker Louis Constans Berger, Sohn des Gründers des Gussstahl-Werks, das später mit anderen Betrieben zu den Deutschen Edelstahlwerken fusioniert wurde.
| Wanderroute | Drei-Türme-Weg |
| Stadt | Witten |
| Länge | 13,41 Kilometer |
| Dauer | 3:40 Stunden |
| Schwierigkeitsstufe | Mittel |
Vorbei an einem kleinen Wildpark mit Streichelzoo führt der Drei-Türme-Weg ostwärts und dann wieder Richtung Ruhrtal um den Wartenberg (246 Meter) herum ins Naturschutzgebiet Kermelbach. Am Ende des Naturschutzgebiets erreicht man den Wasserturm Kermelberg. Der 30 Meter hohe Wasserturm wurde in den 1950er Jahren errichtet und verfügt über eine Außenplattform, die allerdings nur nach vorheriger Absprache mit den Stadtwerken Witten geöffnet wird.
Durchs Waldgebiet Buchenholz verläuft der Drei-Türme-Weg anschließend weiter nordwärts ins Tal des Borbachs, einem sieben Kilometer langen Zufluss der Ruhr. Dem Borbach folgt man bis zum Naherholungsgebiet Hohenstein. Oberhalb des Hohensteins liegt der dritte Turm am Weg, der 30 Meter hohe Helenenturm.
Vom Helenenturm hat man einen Blick über weite Teile des Stadtgebietes sowie, bei guten Witterungsverhältnisse, bis nach Bochum und Dortmund. Derzeit ist der Helenenturm allerdings geschlossen und wird nur im Rahmen von besonderen Anlässen geöffnet. (mira)
Rubriklistenbild: © Jochen Tack/imago







