Gaza-Krieg: Hamas schürt mit Geisel-„Abschiedsfotos“ Ängste
VonMax Nebel
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Mit einer Fotomontage droht die Hamas, ihre Geiseln könnten „für immer“ verschwinden. Das Bild spielt auf den vermissten Soldaten Ron Arad an.
Jerusalem – Mit einer neuen Propaganda-Aktion hat die Hamas die Angst um die in Gaza verbliebenen Geiseln weiter befeuert. Veröffentlicht wurde eine Collage mit Porträts von 47 Geiseln, unter jedem Foto steht derselbe Name „Ron Arad“.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Die Überschrift der Montage – auf Arabisch und Hebräisch – lautet sinngemäß: „Aufgrund der Weigerung Netanjahus und Zamirs Unterwerfung ein Abschiedsfoto zum Beginn der Operation Gaza.“ Die Botschaft beschuldigt Israels Premier Benjamin Netanjahu, ein Abkommen zu Waffenruhe und Freilassung blockiert zu haben, und wirft Generalstabschef Ejal Zamir vor, den Befehl zur Eroberung Gazas auszuführen, obwohl er dem widersprochen habe
Hamas schürt mit Geisel-„Abschiedsfotos“ im Gaza-Krieg Ängste
Der Verweis auf Ron Arad ist bewusst gewählt: Der israelische Luftwaffenoffizier verschwand 1986 im Libanon, trotz jahrzehntelanger Bemühungen blieb sein Schicksal ungeklärt – ein nationales Trauma. Indem die Hamas alle Porträts mit „Ron Arad“ beschriftet, signalisiert sie: Auch die heutigen Geiseln könnten nie zurückkehren, ordnet die Jüdische Allgemeine ein.
Die Hamas veröffentlichte eine Fotocollage der noch festgehaltenen Geiseln – unter jedem Bild steht der Name des seit 1986 vermissten israelischen Soldaten Ron Arad (Foto links). Mit dieser Anspielung droht die Terrororganisation, die Gefangenen könnten wie Arad für immer verschwinden.
Angehörige von israelischen Hamas-Geiseln protestieren – Furcht vor „ewigem Verschwinden“
In Israel wächst der Druck von Familien der Entführten: Sie werfen der Regierung vor, mit der Bodenoffensive das Leben der Geiseln aufs Spiel zu setzen und fordern eine Vereinbarung zur Freilassung. Unter den Vermissten sind nach israelischen Angaben, schreibt n-tv.de, auch deutsche Staatsbürger.
Die Hamas hatte bereits zuvor gewarnt, so die Jüdische Allgemeine, eine Ausweitung der Operation in Gaza-Stadt bedeute, dass „keiner der Entführten“ zurückkehre. Demnach seien Geiseln aus Tunneln geholt und über mehrere Viertel verteilt worden – mit dem Ziel, Angriffe zu erschweren.
Disturbing: Hamas "Al-Qassam Brigades" published on Arab networks a "farewell photo" of the Israeli hostages who are in Hamas captivity. The photo shows the kidnapped men and woman, next to a photo of Ron Arad, who was captured in Lebanon in 1986, and whose body was not returned. pic.twitter.com/kPX997gnJF
Kampf um Deutungshoheit zwischen Israel und Hamas – Zahlen der Geiseln divergieren
Medien berichten übereinstimmend von 47 noch festgehaltenen Geiseln, teils kursiert auch die Zahl 48. Unabhängig von der Zählung zielt das „Abschiedsfoto“ darauf, die Angst vor einem „Verschwinden für immer“ zu verfestigen – klassischer Psychoterror.
Auch zur Lage in Gaza-Stadt variieren Angaben erheblich, während die Armee von mehr als 100 angegriffenen „Terrorzielen“, heißt es bei ZDFheute, spricht. Gleichzeitig ist von einem „Ring aus Feuer“ und schweren Bombardierungen die Rede, vieles bleibt in Echtzeit schwer zu prüfen.
Warum die Drohung so tief trifft – Israels Kodex „Niemand bleibt zurück“
Für viele Israelis ist eine würdige Beisetzung religiös, menschlich und gesellschaftlich zentral – gerade bei Soldaten. Der militärische Kodex, niemanden zurückzulassen, „weder lebend noch tot“, ist identitätsstiftend, schreibt die Jüdische Allgemeine – genau diesen Nerv attackiert die Hamas.
Dazu kommt die andauernde Ungewissheit: Nach israelischen Angaben sind von den Verbliebenen rund 20 Geiseln am Leben. Diese Zahl wurde in den vergangenen Monaten immer wieder bestätigt – auch im Kontext früherer Austausch- und Bergungsaktionen.
Ein nationales Trauma Israels: Wer war Ron Arad?
Ron Arad war ein israelischer Luftwaffenpilot, der am 16. Oktober 1986 bei einem Einsatz über dem Südlibanon abstürzte. Er wurde von schiitischen Milizen gefangen genommen, sein weiteres Schicksal blieb trotz jahrzehntelanger Bemühungen Israels ungeklärt. Immer wieder gab es Spekulationen, Arad sei an die Hisbollah oder den Iran überstellt worden, doch eindeutige Beweise fehlen bis heute.
In Israel gilt er als Symbol für verschwundene Soldaten – sein Name steht für das nationale Trauma, Gefallene und Gefangene nicht heimholen zu können. Genau auf dieses Gefühl spielt die Hamas mit ihrer Geisel-Collage an, indem sie unter jedem Foto den Namen „Ron Arad“ setzte.
Hamas schürt Ängste mit „Abschiedsfotos“, Geisel bleiben in Israel zentrales Thema
Die Inszenierung der Hamas dürfte die innenpolitische Debatte in Israel weiter anheizen – zwischen militärischem Druck auf die Hamas und dem Ziel, Geiseln freizubekommen. International wächst parallel der Ruf nach belastbaren Verhandlungen, in denen die Geiselfrage Dreh- und Angelpunkt bleibt.
Während die Kampfhandlungen andauern, bleibt die Informationssphäre eine eigene Front: Bilder, Slogans und emotional aufgeladene Narrative prägen die Wahrnehmung und schüren Ängste – genau darauf zielt das „Abschiedsfoto“ ab. (Quellen: n-tv, dpa, Jüdische Allgemeine, AFP, ZDFheute) (chnnn)