Das sagt die Wissenschaft

Risikofaktoren für Krebs: wie krebserregend ist eigentlich Alkohol?

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Alkohol schadet der Leber, das dürfte den meisten Menschen bewusst sein. Was viele dagegen nicht wissen: er erhöht auch das Risiko an Krebs zu erkranken.

Wer regelmäßig Alkohol trinkt, kann nicht nur abhängig werden, sondern auch sein Krebsrisiko steigern. Doch warum ist das so, wo liegt die bedenkliche Grenze und kann man mit Alkoholverzicht sein Risiko an Krebs zu erkranken wieder senken?

Warum Alkohol die Entstehung von Krebs fördert

Alkoholkonsum gehört für viele Menschen zum Alltag. Dabei kann das Genussmittel die Entstehung von Krebs fördern (Symbolbild).

Alkoholkonsum und die Entstehung von Krebs hängen zusammen, so viel ist klar. Belegt ist das nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) unter anderem durch eine große Untersuchung aus dem Jahr 2018, in der 600.000 Menschen aus 19 Ländern untersucht wurden. Dabei zeigte sich: je mehr Alkohol eine Person trinkt, desto höher ist ihr Risiko an Krebs zu erkranken. So hatten Teilnehmer, die 200 Gramm Alkohol die Woche tranken, im Schnitt eine ein bis zwei Jahre verkürzte Lebenserwartung. Bei über 350 Gramm Alkohol in der Woche waren es sogar fünf Jahre.

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In Deutschland sind laut DKFZ vier Prozente aller Krebsneuerkrankungen auf Alkoholkonsum zurückzuführen, womit das Nervengift zu den wichtigsten lebensstilbedingten Risikofaktoren für Krebs zählt. Besonders hoch ist das Risiko, wenn zusätzlich noch geraucht wird. Denn Alkohol und Tabak verstärken sich in ihrer krebserregenden Wirkung, so die DKFZ-Experten. Hintergrund ist, dass Alkohol die Schleimhäute in Mund und Rachen besonders durchlässig für schädliche Stoffe im Tabak macht.

Krebsarten, die durch Alkoholkonsum enstehen können, sind nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft:

Der Mechanismus, wie genau Alkohol die Krebsentstehung fördert, ist nicht abschließend erforscht. Ganz nüchtern betrachtet ist Alkohol aber kein „Genussmittel“, sondern vor allem ein Zellgift, das der Körper so schnell wie möglich loswerden möchte. Beim Abbau dieses Giftes entsteht Acetaldehyd, das sehr reaktionsfreudig ist und sich unter anderem auch mit DNA-Molekülen verbindet. Dabei kann es zu Mutationen und damit letztlich auch zu Krebs kommen. Darüber hinaus kann Alkohol den Östrogenspiegel erhöhen, was das erhöhte Brustkrebsrisiko bei Frauen erklären könnte, und fördert die Refluxkrankheit, die wiederum die Gefahr eines Speiseröhrenkrebses nach sich zieht.

Kann ich mein Krebsrisiko reduzieren, wenn ich keinen Alkohol mehr trinke?

Ja! Wer ganz auf Alkohol verzichtet, kann sein Krebsrisiko nach mehreren Jahren senken, informiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Völlig beseitigen lässt es sich, je nachdem, wie hoch der Konsum früher war, aber möglicherweise nicht mehr. Gleiches gilt auch für das Rauchen.

Wer nicht ganz auf Alkohol verzichten möchte, sollte zumindest auf das Maß achten: so empfiehlt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) gesunden Männern nicht mehr als 20 Gramm Alkohol pro Tag zu trinken. So viel steckt etwa in einem halben Liter Bier oder in 250 Mililitern Wein. Bei Frauen sind die Werte geringer, da sie Alkohol langsamer abbauen und er bei ihnen schneller und stärker wirkt. Hier ist die Richtlinie maximal zehn Gramm reiner Alkohol am Tag, was etwa einem Viertelliter Bier oder 125 Mililitern Wein entspricht.

Ein weiterer Vorteil der Abstinenz: Wer auf Alkohol verzichtet, senkt neben seinem Krebsrisiko auch die Wahrscheinlichkeit für andere Krankheiten. Dazu zählen:

Depression bis Alkoholsucht: Die häufigsten psychischen Krankheiten im Überblick – Jeder dritte ist betroffen

Eine Frau hält ein gefülltes Sektglas in ihrer Hand.
Alkoholsucht zählt zu den am dritthäufigsten diagnostizierten psychischen Leiden. Mit der Medikamentenabhängigkeit zusammen entfallen 5,7 Prozent der Diagnosen auf die Alkoholabhängigkeit. Etwa jeder siebte Erwachsene trinkt Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen. Damit ist Alkohol nach Nikotin das häufigste Suchtmittel in Deutschland, so die Bundes Psychotherapeuten Kammer. 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig, weitere 1,6 Millionen trinken Alkohol in schädlichen Mengen, heißt es weiter. (Symbolbild) © Bode/Imago
Medikamentensucht bei Senioren
Neben der Alkoholsucht zählt die Medikamenten-Abhängigkeit zu den am dritthäufigsten verbreiteten psychischen Erkrankungen in Deutschland.  © Jens Kalaene/dpa
Frau schaut aus Fenster
Die sogenannten affektiven Störungen zählen zu den psychischen Erkrankungen, die am zweithäufigsten in Deutschland vorkommen. Die Depression ist wohl der bekannteste Vertreter aus dieser Gruppe. Der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (dgppn) zufolge, entfallen fast 10 Prozent der Diagnosen auf diese Krankheitsgruppe. Alleine 8,2 Prozent sind von einer unipolaren Depression betroffen. Depressionen gehören damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Rund 16 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einer depressiven Störung, innerhalb eines Jahres sind es ungefähr 8 Prozent, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa
Junge Frau vor dem Schrankspiegel
Angststörungen sind am weitesten verbreitet. Der dgppn zufolge entfallen 15,4 der Diagnosen auf Angststörungen wie Panikattacken, Angst vor weiten Plätzen etc. Bei Betroffenen ist das Angstgefühl so übermächtig, dass es den Alltag immens einschränkt. Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen und Zittern zählen zu den Symptomen einer Angststörung. (Symbolbild) © Imago
Frau mit Maßband in der Hand
Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht sind zwar insgesamt gesehen weniger weit verbreitet als oben genannte Krankheiten. Doch in der weiblichen Bevölkerung zwischen Pubertät und dem 30. Lebensjahr gehören die Essstörungen zu den häufigen psychischen Erkrankungen, informiert die Bundes Psychotherapeuten Kammer. Etwa ein Prozent der Frauen erkrankt während ihres Lebens an einer Magersucht, rund zwei Prozent leiden im Laufe ihres Lebens an einer Bulimie. (Symbolbild) © Sergiy Tryapitsyn/Imago

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

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