- VonErwin Hafnerschließen
Vom Hirschbach-Freibad in die Gefangenschaft. Am 23. April 1945 wird Aalen von den Amerikanern besetzt.
Aalen. Mit dem Näherrücken der US-Truppen auf Aalen mussten die Panzersperren an den Ausfallstraßen geschlossen werden. Den Befehl dazu gab der erst 22-jährige SS-Haupsturmführer Dahlmanns, der sich als Stadt- und Kampfkommandant wichtig machte und Aalen „bis zur letzten Patrone“ verteidigen wollte.
Volkssturm: Ein unzureichendes Aufgebot
Noch am Tag des schweren Bombenangriffs auf Aalen wurde der Volkssturm aufgerufen. Von 120 Mann stellten sich aber pro Kompanie nur etwa 20 bis 25 Mann, obwohl ihnen standgerichtliche Erschießung drohte.
Die Ausrüstung war miserabel und bestand aus vier französischen Beute-Maschinengewehren, 30 Gewehren sowie einer Anzahl Panzerfäusten.
Front- und Genesungsurlauber wurden in eine Alarmkompanie eingereiht. Diese hatte den Befehl, den nördlichen Stadtrand im Wiesengrund (heute Kinopark) in Erdlöchern zu verteidigen. Diese Verteidigungslinie zog sich von hier über den Rötenberg zum Gefechtsabschnitt auf der Heide über dem Hirschbach und von da bis zur Höhe des Blümerts.
Gefechtsstand und strategische Positionen
Der Gefechtsstand des Kampfkommandanten befand sich in der Villa Rieger auf dem Bohl mit Telefon zu einem Beobachtungsposten auf dem Turm der Salvatorkirche. In der Villa Scherz lag die später auf die Heide abkommandierte 5. Kompanie mit Kurieren in die einzelnen Gefechtsabschnitte. Die Zentralstelle befand sich in der Villa Seifferer am Stadtgarten. Zum Einsatz kam der Volkssturm allerdings – Gott sei Dank – nicht mehr. Die anrückenden Amis waren schneller.
Rückzug der SS und Ankunft der US-Truppen
In einer Stellung an der „Weißen Steige“ oberhalb von Himmlingen feuerte noch ein Geschütz gegen den von Norden kommenden Feind. Getroffen und beschädigt wurden etliche Häuser in der Eisenbahnstraße. Als die Munition ausging, sprengten die Kanoniere den Geschützverschluss und zogen sich übers Härtsfeld zurück.
Die SS in Aalen erhielt ebenfalls den Rückzugsbefehl. Um 17 Uhr verließ Kreisleiter Trefz in Begleitung seines Adjutanten Horlacher die Stadt. Ihnen folgte der Kampf- und Stadkommandant Dahlmanns.
Abends erreichte die US-Panzerspitze von Norden her die Stadt und stieß bis zum „Wilden Mann“ vor. Weil sich bei der Bäckerei Mildenberger (heute Kocherladen) eine Panzersperre befand, wurden die Häuser Weber, Weissgerber Enßlin und Josef Sternbacher in Brand geschossen. Die Amis warteten die Nacht ab und rückten am Montag morgen, 23. April, weiter in die Stadt vor.
Volkssturm in Gefangenschaft
In meinem Elternhaus verbrachten mit uns sechs Volkssturmleute die Nacht. Als morgens die batteriebetriebene Hausglocke (Strom gab es ja nicht mehr) klingelte, ging einer der Männer in der Annahme nach oben, dass jetzt der Einsatz befohlen werde. Vor der Tür, wo verräterisch ein MG auf den Volkssturm hinwies, standen jedoch GI's mit der Maschinenpistole im Anschlag.
Aus den Häusern wurden 21 Volkssturmleute zusammengetrieben und wegen der Umzäunung ins Hirschbachbad gebracht. Dort wurden sie entwaffnet und einen Tag später von den Amis auf die Fahrt in die Gefangenschaft zu den Franzosen gebracht. Die meisten kehrten erst mehr als ein Jahr später in die Heimat zurück. Am 23. April 1945 war Aalen befreit.
Alle Artikel der Serie zum „Kriegsende auf der Ostalb“
- Erster Luftangriff Ostern 1945 auf Aalen und die erste Bombe
- Aalens schicksalhafter 17. April 1945: Erinnerungen an den Bombenangriff
- Wie zwei mutige Männer Schwäbisch Gmünd vor Zerstörung bewahrten
- Wie das Dritte Reich im Frühjahr 1945 dramatisch zu Ende ging
- Wie Ellwangen am Kriegsende 1945 der totalen Zerstörung entgeht
- Der Kampf ist vorbei: Von den Siegern und den Besiegten
- Ellwanger Zeitzeugen: Erinnerungen an den April 1945
- Einberufung des Volkssturms: das letzte Aufgebot in Aalen
- Kindheit im Krieg: Eier für den Feind – und ein Soldat, der nie zurückkam