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Ezgi Pala ist seit September 2023 Leerstandsmanagerin der Stadt Schwäbisch Gmünd. Ob sie es auch nach Januar 2025 bleiben wird, ist offen. Darüber spricht die 31-Jährige im Interview – unter anderem.
Schwäbisch Gmünd. Vor einem Jahr hat sie den Leerständen in der Gmünder Innenstadt den Kampf angesagt: Ezgi Pala. Ihre Stelle als Leerstandsmanagerin finanziert die Stadt mit Mitteln aus dem Bundesförderprogramm Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren (ZIZ). Dieses läuft Ende Januar 2025 aus. Wie geht es danach weiter? Wo sieht die Leerstandsmanagerin Chancen? Was bereitet ihr Sorgen? Das erzählt die 31-Jährige im Interview.
Wo sehen Sie Ihren größten Erfolg als Leerstandsmanagerin?
Ezgi Pala: Meinen größten Erfolg sehe ich darin, dass sich Hauseigentümer und Gewerbetreibende auch noch an mich wenden, nachdem der Topf für die Fördermittel für Mietzuschüsse Mitte Februar geschlossen worden ist. Für die bis dahin unterschriebenen Mietverträge bekommen die Mieter bis Ende Januar 70 Prozent der Miete bezahlt. Bedingung war, dass die Hauseigentümer den Mietpreis um 15 Prozent senken. Der Mietzuschuss bot natürlich einen großen Anreiz, sich an uns zu wenden. Doch es hat sich gezeigt, dass sowohl Hauseigentümer und Makler als auch Gewerbetreibende mich nach wie vor als Vermittlerin anfragen.
Hat der Bund die insgesamt 250 Millionen Euro für die am Programm ZIZ teilnehmenden Städte sinnvoll eingesetzt? Wirken sie in Schwäbisch Gmünd langfristig?
Pala: Ja. Mit den Mietzuschüssen konnten wir bei den Leuten die Angstschwelle senken, einen eigenen Laden zu eröffnen. Handmade by Jana ist mein Lieblingsbeispiel. Jana konnte sich mit ihren selbstgemachten Sachen in unserem Showroom in der Bocksgasse ausprobieren und hat gemerkt, dass sie nicht nur online verkaufen, sondern einen Laden vor Ort will. Diesen führt sie mittlerweile in der Augustinerstraße.
Gibt es weitere Erfolgsbeispiele?
Pala: Ja, insgesamt fördern wir 18 Projekte aus diesem Fördertopf. Das Café Bühr's war das erste Projekt: Als die Inhaber es aufgaben, konnten wir Nachfolger finden, bevor dort ein Leerstand entstanden ist. Der Mietzuschuss hilft den Betreibern jetzt beim Umbau. Genauso in den renovierungsbedürftigen Räumen der früheren Mohrenapotheke am Marktplatz. Diese mussten aufwendig umgebaut werden, bis dort die Kostbar eröffnen konnte. Der Mietzuschuss half dem Gastronomen über die Zeit des Umbaus hinweg. In der Bocksgasse 34 zahlt der Mieter auch bereits Miete, obwohl er mit seinem Elektrogerätehandel noch gar nicht an diesen größeren Standort umgezogen ist. Er will warten, bis das ganze Sortiment geliefert ist, um richtig eröffnen zu können.
Aus dem ZIZ-Topf bezahlt die Stadt auch die Miete für den Showroom in der Bocksgasse, in dem unter anderem Start-ups mietfrei ihre Geschäftsmodelle ausprobieren können. Wird er Ende Januar schließen?
Pala: Stand jetzt, leider ja. Doch ich hoffe, dass wir den Showroom auch ohne Fördermittel am Leben halten können.
Indem die Stadt künftig die Miete bezahlt?
Pala: Viele der aktuellen Mieter sagen mir, sie würden auch Miete zahlen, um den Showroom zeitweise nutzen zu können, weil sie damit mehr sichtbar werden.
Dann müsste die Stadt einspringen, wenn der Raum leersteht?
Pala: Das wollen wir dem Gemeinderat so vorschlagen.
Und auch, dass die Stadt Ihre Stelle als Leerstandsmanagerin nach Ablauf des Förderprogramms weiter finanzieren soll?
Pala: Ja. Ich würde mir natürlich wünschen, dass der Gemeinderat sieht, wie wichtig diese Schnittstelle ist, um den Kontakt zwischen Gewerbetreibenden und Hauseigentümern herzustellen. Und ich habe viel Spaß an dem Job und würde ihn gerne auch in Zukunft weitermachen.
Mit wie vielen Gewerbetreibenden haben Sie Kontakt, die Räume suchen?
Pala: Ich habe aktuell Anfragen von rund 40 Gewerbetreibenden, denen ich aufzeige, welche Räume sich für sie eignen könnten. Ich sortiere meine Liste mit Leerständen gerade danach, welche vermittelbar sind, welche sich als Büros, welche als Geschäfte eignen.
Wie viele Leerstände gibt es aktuell in der Gmünder Innenstadt?
Pala: Bei meinem Rundgang von der Hinteren Schmiedgasse bis zur Ledergasse und zum Bockstorplatz inklusive der Seitengassen zähle ich 35. Als ich vor einem Jahr angefangen habe, waren es etwas mehr. In der Zwischenzeit sind neue Leerstände dazu gekommen, andere verschwunden.
Welcher Leerstand bereitet Ihnen am meisten Sorgen?
Pala: Vor allem die, bei denen die Vermieter überhaupt nicht bereit sind, von ihren Mietvorstellungen runterzugehen. Und die großen Leerstände in A-Lage am Marktplatz und in der Bocksgasse. Denn sie machen die Gegend unattraktiv. So besteht die Gefahr einer Kettenreaktion, bei der weitere Leerstände folgen.
Der größte Leerstand am Marktplatz ist das frühere Woha-Kaufhaus. Wie laufen dort die Verhandlungen?
Pala: Die Gespräche ziehen sich seit vielen Jahren auf höherer Ebene: Das ist Sache des Oberbürgermeisters, der seine Amtsleiter dabei mit einbezieht.
Sie sagen, manche Hauseigentümer gehen nicht von ihren Mietvorstellungen runter, obwohl sie dadurch einen Leerstand riskieren?
Pala: Ja. Aber Händler und Gastronomen können die Mieten von früher in A-Lagen heute nicht mehr bezahlen. Ich hielte Gesetze für gut, die einen Richtwert für Handelsflächen vorschreiben und Leerstände auf Dauer verbieten, wenn es Interessenten dafür gibt.
Bleibt die Gmünder Leerstandsmanagerin?
Die Stelle der Leerstandsmanagerin ist auf Ende Januar 2025 befristet. Denn die Stadt finanziert diese über das Bundesprogramm Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren (ZIZ), das ausläuft. Voraussichtlich im November soll es einen Zwischenbericht im Gemeinderat geben, kündigt Wirtschaftsförderer Alexander Groll an. Ob die Stadt die Stelle weiter finanziert, müsse der Gemeinderat entscheiden. Alexander Groll ist sehr dafür, denn „das Thema“ Leerstandsmanagement „ist keines, das sich von einem Jahr aufs andere erledigt“, betont der Wirtschaftsförderer. Er erachte die Dienstleistung der Stadt, Hauseigentümer und Interessenten zusammenzubringen, für sehr wichtig für Schwäbisch Gmünd. Und Ezgi Pala sei auf der Stelle "genau richtig".
Wie soll das in der Praxis funktionieren?
Pala: Ich bin keine Politikerin, aber dafür ließe sich bestimmt eine Lösung finden.
Sehen Sie auch beim Gmünder Handel Nachholbedarf, um der Konkurrenz von Amazon und anderen Onlinehändlern standhalten zu können?
Pala: Die Ketten könnten bei ihrem Angebot vor Ort mehr auf Vielfalt setzen. Der Kundenservice ist im Handel ganz wichtig, genau wie einheitliche Öffnungszeiten. Und Händler und Gastronomen könnten mehr zusammenarbeiten.
Wie zum Beispiel?
Pala: Etwa, indem eine Buchhandlung Bücher in einem Café anbietet. Oder bei gezielten Aktionen, die den Besuch der Innenstadt zu einem Erlebnis machen. Der HGV (Handels- und Gewerbeverein, Anm. d. Red.) ruft immer wieder zu solchen Aktionen auf, aber oft ist das Problem, dass sich nur wenige Händler daran beteiligen.
Zur Person
Ezgi Pala stammt aus Düsseldorf. Nach ihrem Fachabitur hat sie dort im Einzelhandel gearbeitet. 2019 kam sie nach Baden-Württemberg, um in Stuttgart eine Ausbildung als Grafikdesignerin zu absolvieren. Seit September 2022 arbeitet sie innerhalb des Förderprojekts ZIZ für die Stadt Schwäbisch Gmünd. Zunächst war sie für die Digitalisierung zuständig und hat Händler und Gastronomen unterstützt, soziale Medien effektiv für sich zu nutzen. Seit September 2023 ist sie Leerstandsmanagerin.
Dazu auch der Kommentar: Lust auf einen Einkaufsbummel in der Innenstadt von Schwäbisch Gmünd?
