Hessen

Landtagswahl Hessen: Was so alles schief läuft an den Schulen

  • schließen

Themencheck Bildung: An Hessens Schulen gibt es viel zu verbessern. Es hakt bei den Lehrkräften, bei der Digitalisierung, im Ganztag, der Inklusion und den Schulbauten.

Wenn der Klassenraum für ein rollstuhlfahrendes Kinder nicht erreichbar ist, die Bücher nicht in Brailleschrift gedruckt werden und der Unterricht nicht in Gebärdensprache stattfindet, ist Inklusion unmöglich.

Der Lehrkräftemangel ist das Kernproblem an den Schulen – wie überhaupt der Personalmangel an allen Ecken und Enden durchschlägt. Das fängt bereits bei der frühkindlichen Bildung und Betreuung an.

Wie viele Lehrkräfte an Hessens Schulen tatsächlich fehlen, bleibt indes das Geheimnis der Landesregierung, in persona von Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Auch wie viele Unterrichtsstunden dadurch ausfallen, wird statistisch nicht erfasst – oder doch zumindest nicht öffentlich gemacht. Hessen ist damit das einzige Bundesland, das mit so wichtigen Kennzahlen hinter dem Berg hält.

Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens 1000 Lehrkräfte fehlen, rund 10 000 Stellen sind mit Quereinsteiger:innen und Vertretungskräften besetzt. Betroffen sind vor allem Grundschulen, Berufsschulen, Förderschulen sowie Haupt- und Realschulen, gerade in sozialen Brennpunkten. An Gymnasien und auf dem Land ist die Lage entspannter.

Themenchecks zur Landtagswahl in Hessen

Die Frankfurter Rundschau veröffentlicht zur Landtagswahl acht Themenchecks mit Problemaufrissen und Positionen der Parteien dazu.

Bisher erscheinen:
- Polizei und Sicherheit
- Nahverkehr
- Naturschutz: Wolf
- Armut
- Rassismus
- Gesundheit

Die kommenden Folgen:
- Energiewende

Bei der Digitalisierung hat es – nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie – unbestreitbar Fortschritte gegeben. So sind nahezu alle hessischen Schulen an das schnelle Internet angeschlossen. Eher zögerlich geht es mit dem Unterricht voran. So tut sich noch immer ein erheblicher Anteil der Lehrerschaft schwer mit der Umsetzung von digitalen Konzepten und Methoden. Nicht gelöst ist die Frage, wie Schüler und Schülerinnen mit Endgeräten ausgestattet werden. Die Landesregierung geht davon aus, dass die Mehrzahl ihre Geräte selbst zahlt. Das Saarland hat gerade vorgemacht, dass ab Klasse fünf alle kostenlos ihr Tablet erhalten können – wie es bei Büchern im Rahmen der Lernmittelfreiheit Usus ist.

Bei der Inklusion kommt Hessen kaum voran. Das haben gerade die Befragungsergebnisse zur schulischen Inklusion bestätigt, die der Ausschuss der Vereinten Nationen (UN) zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention veröffentlicht hat. Neben multiprofessionellen Teams von Fachkräften, Räumen für differenziertes Lernen und inklusiven Lernmaterialien fehle es an einer entsprechenden Vorbereitung der Lehrkräfte in der Aus- und Fortbildung. Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich nicht einmal jede zehnte neu ausgebildete Lehrkraft gut auf eine inklusive Beschulung vorbereitet fühlt.

Landtagswahl in Hessen: Themencheck Schule

Diese Zusammenstellung erscheint im Rahmen eines Themenchecks zur Hessenwahl. Weitere Texte dazu:

Reportage: Produktionsschule Holz, letzte Chance für Schulabbrecher. Wer in der achten Klasse die Schule schmeißt, hat kaum noch eine Perspektive. Wer Glück hat, findet den Weg ins Gelbe Haus in Offenbach.

Der Themencheck Schule: Was die Parteien wollen. Es geht um Noten, Ganztagschulen, längeres gemeinsames Lernen, Islamunterricht und die Wahl der Prüfungsfächer.

Schulbauten sind häufig in einem bedenklichen Zustand. Der Sanierungsstau liegt bei etwa fünf Milliarden Euro, wie die die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hessenweit ermittelt hat. Mitunter bröckelt es so sehr, dass Räume oder sogar ganze Schultrakte gesperrt werden müssen.

Ganztagsschulen gibt es kaum, jedenfalls solche, die tatsächlich in rhythmisierter Form den Wechsel von Unterricht und Freizeit- bzw. Betreuungszeiten auch über den Nachmittag hinweg anbieten. Bei den Grundschulen liegt deren Anteil unter zwei Prozent. Kritiker und Kritikerinnen monieren, der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, der von 2026 an bundesweit gilt, laufe aufgrund fehlender Qualitätsstandards auf ein Schmalspurmodell ohne pädagogischen Anspruch hinaus.

Rubriklistenbild: © Maurizio Gambarini/dpa

Kommentare