VonMaximilian Gangschließen
In der Gemeinde Titz ist ein Touristenmagnet geplant: eine „Höllentreppe“ auf die Sophienhöhe. Von oben blickt man auf den geplanten Hambachsee herab.
Titz – So sieht es wohl am Ende der Welt aus: Vom Rand des Tagebaus Hambach erstrecken sich graubraune Mulden bis zum Horizont. Über Jahrzehnte hat RWE hier Braunkohle gefördert, ganze Dörfer mussten den Baggern des Energiegiganten weichen. Doch ab 2030 ist in NRW Schluss mit dem Kohleabbau. Die Tagebauregion soll danach eine 180-Grad-Wende hinlegen, von der No-go-Area zum Touristenparadies. Der Tagebau selbst soll mit Wasser aus dem Rhein geflutet, und so zum tiefsten und zweitgrößten See Deutschlands werden. Rundherum sind verschiedene Attraktionen geplant – unter anderem eine sogenannte „Höllentreppe“.
Tagebau Hambach soll zum tiefsten See in Deutschland werden
Die Verantwortlichen der Neuland Hambach GmbH greifen nicht zu hoch, wenn sie ihre Pläne für das rheinische Revier als „Jahrhundertprojekt“ bezeichnen. Selten wird an so vielen Ecken gleichzeitig gearbeitet, um eine Region in eine schönere Zukunft zu führen. Dreh- und Angelpunkt des Vorhabens ist der geplante Hambachsee, ab 2030 soll der Tagebau dafür geflutet werden. Und als wäre das Mammutprojekt nicht schon aufwendig genug, müssen die Verantwortlichen auch Ideen für das Umland entwickeln und ausarbeiten. Im Umkreis des sich füllenden Sees sollen verschiedene „besondere Orte“ entstehen.
Neuland Hambach GmbH
Die Neuland Hambach GmbH wurde von den sechs Anrainerkommunen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz ins Leben gerufen. Die Gesellschaft vertritt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Umkreis, kümmert sich um die strukturpolitische Entwicklung und die Koordination der Zukunftsperspektiven sowie um die Akquise von Fördermitteln und Investitionen.
Einer dieser „besonderen Orte“ ist für die Anrainerkommune Titz angedacht. Die Landgemeinde ist über die Ortsteile Höllen und Rödingen unmittelbar an die Sophienhöhe, eine rekultivierte Abraumhalde, angebunden. Diese Lage biete ein „sehr gutes Potenzial für touristische und kulturelle Entwicklung“, heißt es im Rahmenplan Hambach, der kürzlich vorgestellt wurde. Das wollen die Verantwortlichen von Neuland Hambach für sich nutzen: Vom Fuße bis zur Spitze der Sophienhöhe soll eine über 600 Meter lange, geradlinige Himmelstreppe entstehen: die „Höllentreppe“, benannt nach ihrer Heimatortschaft.
Steile „Höllentreppe“ in Titz soll Besucher auf die Sophienhöhe führen
Wo genau die Höllentreppe entstehen soll, ist derzeit noch unklar. Sicher ist aber bereits, dass das Bauwerk ein Highlight im rheinischen Revier werden soll. Als „dramaturgische Geste“ soll es die „Unmittelbarkeit des steilen Hanges“ veranschaulichen, schreiben die Verantwortlichen. Am Fuße der Sophienhöhe soll der vorhandene Wanderparkplatz Rödingen aufgewertet werden, unter anderem mit einem Mobilhub für Radfahrende und PKW, mit touristischen Informationsangeboten, baumbestandenen Picknickbereichen und einer kleinen Gastronomie.
Nach der Höllentreppe: Besondere Aussichten von der Sophienhöhe
Kleinere Rastplätze und Aussichtspunkte sollen den Aufstieg entlang der steilen Treppe auflockern. „Dadurch ergeben sich für Wandernde immer wieder neue reizvolle Aussichten in die rheinische Bördelandschaft und den benachbarten Tagebau Garzweiler in etwa 13 Kilometer Entfernung“, heißt es im Rahmenplan. Wer es bis an die rund 290 Meter hohe Spitze der Sophienhöhe schafft, blickt von dort fast 600 Meter in die Tiefe auf den Grund des Tagebaus Hambach. An den höchsten Stellen finden sich mehrere Aussichtspunkte, wie das „Höller Horn“ oder der „Römerturm“.
Zweitgrößter See Deutschlands geplant: Bilder zeigen, wie es dort mal aussehen könnte




Die Sophienhöhe selbst ist nach Angaben der Neuland Hambach GmbH schon heute ein Hotspot für Naturschutz in der Region. Das gilt es trotz der großen Pläne angemessen zu balancieren. „Zukünftige Entwicklungen sollten ein nachhaltiges Tourismuserlebnis ermöglichen, das der einzigartigen Flora und Fauna, aber auch der Geschichte des Ortes gerecht wird.“ Anwohner wünschen sich laut einer Umfrage deshalb eine räumliche Lenkwirkung für Besucher, beispielsweise durch Reit- und Wanderwege sowie durch Mountainbike-Strecken. Ein Bereich der Sophienhöhe sollte nach Meinung der Besucher naturbelassen bleiben.
„Besondere Orte“ am Tagebau Hambach sollen bis 2027 realisiert werden
Rund um den Tagebau Hambach sind viele weitere „besondere Orte“ geplant, beispielsweise könnte die Geschichte der Region in Jülich durch Virtual Reality wieder zum Leben erweckt werden. Sie sollen schon während der Füllphase des Sees als „Pioniere“ – also als erste, sichtbare Beispiele – des Strukturwandels im rheinischen Revier dienen, wie Christina Brincker von der Neuland GmbH vergangenen Sommer zu 24RHEIN sagte. Ziel ist es, die sechs besonderen Orte schon 2027 realisiert zu haben, hieß es vor einigen Monaten. Der „Hambach Loop“, ein 42 Kilometer langer Radweg, soll die einzelnen „besonderen Orte“ miteinander verbinden. (mg)
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