Kommunalwahl 2025

Historische Ergebnisse bei NRW-Stichwahl – wirres Resultat in Ruhrgebiets-Stadt

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Nordrhein-Westfalen hat bei der Kommunalwahl gewählt. Es kam zu spannenden Stichwahlen mit historischen und irre knappen Ergebnissen. Ein Überblick.

Hamm - Was für ein Stichwahl-Abend in NRW. Manche Gewinner und Verlierer waren erwartbar, andere hingegen überraschten am Sonntagabend, es waren gar historische Ergebnisse. Die Kommunalwahl in NRW ging am 28. September in die zweite Runde. Erstmals im bevölkerungsreichsten Bundesland kämpften Kandidaten der AfD in einer Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters, die SPD erlebte ein Wechselbad der Gefühle und in einer Stadt entschieden gerade einmal drei Wählerstimmen über Sieg und Niederlage.

Alexander Omar Kalouti (CDU) hat die Stichwahl um das Amt des Dortmunder Oberbürgermeisters gegen den bisherigen OB Thomas Westphal (SPD) gewonnen.

„Wir haben zusammen Geschichte geschrieben“, sagte Alexander Kalouti am Sonntagabend im Rathaus in Dortmund. Der CDU-Mann holte sich bei der Stichwahl in der einstigen „Herzkammer der Sozialdemokratie“ den Sieg. Ein Machtwechsel nach 80 Jahren – so lange hatte die SPD in der größten Stadt im Ruhrgebiet regiert. Zuletzt saß Thomas Westphal auf dem Chefsessel im Rathaus. Dortmunds SPD-Chef Jens Peick sprach am Wahlabend von einem „historisch schlechten Tag“.

Historische Ergebnisse bei der NRW-Stichwahl – SPD verliert einstige Hochburgen

Auch in Bergkamen, ebenfalls eine einstige SPD-Hochburg, kam es am Sonntag zum Machtwechsel. Erstmals in ihrer Geschichte wird die Stadt im Kreis Unna nicht von einem sozialdemokratischen Bürgermeister regiert. Thomas Heinzel von der CDU gewann die Stichwahl mit 53,4 Prozent und wird das erste christdemokratische Oberhaupt von Bergkamen.

Ein Trostpflaster für die Sozialdemokraten: Torsten Burmester gewann die Stichwahl in Köln mit 53,5 Prozent der Stimmen und regiert künftig die Millionenstadt am Rhein. Berivan Aymaz von den Grünen erreichte 46,5 Prozent. Sie wäre die erste grüne Oberbürgermeisterin von Köln gewesen. Eine Premiere, die wiederum in Münster geglückt ist. In der Universitätsstadt siegte erstmals ein OB-Kandidat der Grünen. Tilman Fuchs holte 57,9 Prozent der Stimmen, sein Konkurrent von der CDU, Georg Lunemann, erreichte nur 42,1 Prozent.

Keine „blaue Welle“ in NRW: AfD-Kandidaten verlieren OB-Stichwahlen

Die befürchtete „blaue Welle“ blieb auch bei der zweiten Runde der Kommunalwahl in NRW aus. Drei AfD-Kandidaten standen in einer Oberbürgermeister-Stichwahl, keiner von ihnen konnte sich durchsetzen. In Duisburg siegte Amtsinhaber Sören Link von der SPD – mit 78,6 Prozent der Stimmen. AfD-Mann Carsten Groß kam auf 21,4 Prozent. Auch in Gelsenkirchen machte es die Kandidatin der SPD. Andrea Henze holte 66,9 Prozent der Stimmen, Norbert Emmerich von der AfD kam auf 33,1 Prozent. In Hagen setzte sich der CDU-Kandidat Dennis Rehbein mit 71,7 Prozent gegen Michael Eiche von der AfD durch.

Norbert Emmerich, Oberbürgermeister-Kandidat der AfD und Enxhi Seli-Zacharias, integrationspolitische Sprecherin der AfD-Fraktion Gelsenkirchen.

Enger geht‘s nicht: Drei Stimmen entscheiden über Wahl-Sieg in Datteln

Im Gegensatz zu den sehr eindeutigen Ergebnissen in den Stichwahlen mit AfD-Kandidat gab es mancherorts in kleineren Städten ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Besonders beeindruckend ist wohl das Ergebnis in Datteln, wo die Kandidaten von SPD und CDU, die beide übrigens André mit Vornamen heißen, am Ende lediglich drei Stimmen auseinanderlagen. André Dora (SPD) holte 5.856 Stimmen, André Tost (CDU) kam auf 5.859 und siegte damit ganz knapp. In einigen Wahl-Grafiken kam es durch dieses außergewöhnlich enge Rennen dazu, dass beiden Kandidaten ein Stimmanteil von 50 Prozent zugeschrieben wurde, da die Systeme ab der zweiten Nachkommastelle auf- bzw. abgerundet haben. Richtig ist jedoch, dass Tost auf 50,01 Prozent und Dora auf 49,99 Prozent der Stimmen kam.

Ähnlich eng war es in Siegen. Tristan Vitt war noch im Grundschulalter, als Steffen Mues (CDU) im Jahr 2007 zum Bürgermeister der Stadt Siegen gewählt wurde. Nun hat Vitt in der Stichwahl den langjährigen Amtsinhaber nach vorläufigem Endergebnis mit der Winzigkeit von zehn Stimmen besiegt – 14 689 zu 14 679 – und wird mit nur 28 Jahren neuer Chef im Siegener Rathaus. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte der Jurist noch weit hinter Mues gelegen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Friedrich Stark

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