Putins Kampfjets abschießen? Experte erklärt Riesen-Herausforderung für Bundeswehr-Piloten
VonPatrick Mayer
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Wladimir Putins Regime begeht Luftraum-Verletzungen. In der NATO wird der Abschuss russischer Kampfjets diskutiert. Ein Ex-Pilot liefert Einblicke.
Uedem - Nach Luftraum-Verletzungen durch Russland, sah sich die NATO jüngst veranlasst, Moskau mit dem Abschuss von Kampfjets des Kreml-Autokraten Wladimir Putin zu drohen. Ob deutsche Eurofighter, niederländische F-35 oder schwedischen Gripen: Dies müssten im Notfall letztlich Pilotinnen und Piloten übernehmen. Ein Experte schilderte nun von Regeln im Cockpit.
Abschuss von Wladimir Putins Kampfjets? Russland provoziert NATO über der Ostsee
Ein Abschuss, wie er im Bündnis diskutiert wird, wäre eine neue Eskalationsstufe, während das russische Regime im Ukraine-Krieg unter Druck steht. Aber: Wie gehen Kampfpiloten vor? „Wenn man das Abfangen durchführt, möchte man das richtig machen. Man möchte keine Grenzen überschreiten“, erklärte der ehemalige US-Kampfjet-Pilot John Venable dem Business Insider (BI), „und man möchte auch nicht sich selbst oder seinen Rottenflieger (Partner-Kampfjet einer Alarmrotte, d. Red.) in Gefahr bringen“.
Abfangmanöver gibt es nicht zuletzt über der Ostsee seit Jahren. Als die deutsche Luftwaffe zwischen März und November 2024 das „Air Policing“, also die Luftraumüberwachung über dem Baltikum verantwortete, kam es laut Süddeutscher Zeitung (SZ) zu 56 Alarmstarts. Einzig an diesem besonders brisanten Abschnitt der NATO-Ostflanke. Aktuell unterstützt die Bundeswehr mit vier ständig einsatzbereiten Eurofighter-Kampfjets von Rostock-Laage aus die Luftraumüberwachung über Polen.
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Venable zufolge seien Kampfpiloten darin trainiert, mit der Anspannung und dem ständigen Risiko in der Luft umzugehen. Offenbar wolle Russland die „NATO ködern“, meinte er. Dies erfordere viel Disziplin von den NATO-Kampfpiloten, auch wenn die russische Seite „mehr und mehr einen Mangel an Disziplin“ zeige. Ein brisantes Beispiel: Am 19. September hatten drei russische Abfangjäger MiG-31 Angaben aus Tallinn zufolge zwölf Minuten lang estnischen Luftraum nahe der Ostseeküste verletzt.
Über der Ostsee: Luftraum-Verletzungen durch Wladimir Putins Russland-Regime
Und wie es aus Warschau hieß, näherten sich am selben Tag zwei Kampfflugzeuge aus Russland einer polnischen Bohrinsel – ebenfalls in der Ostsee. Von hier ist es bis zum Luftwaffen-Stützpunkt Rostock-Laage, der zudem die Luftraumüberwachung über Norddeutschland verantwortet, nicht mehr weit. Was die Brisanz für die Bundeswehr und für die Bundesrepublik im Gesamten verdeutlicht.
Damit nicht genug: Laut SZ wird über den möglichen Abschuss russischer Kampfjets an einem NATO-Stützpunkt in Deutschland entschieden. Und zwar vom Combined Air Operations Centre (Caoc), also dem Zentrum für Luftoperationen des Verteidigungsbündnisses im rheinländischen Uedem. Die Kleinstadt liegt unweit der niederländischen Grenze am Niederrhein. Der Kommandeur des Caoc ist mit Thorsten Poschwatta ein Bundeswehr-Generalleutnant.
Gegen Wladimir Putins Kampfjets: NATO-Piloten dürfen sich notfalls wohl selbst verteidigen
NATO-Piloten würden laut Venable in der Luft „wenn immer es geht, einen Konflikt vermeiden“. Und falls die andere Seite angreifen würde? Wie tagesschau.de berichtet, sind die Piloten der NATO-Kampfjets beim „Air Policing“ zur Selbstverteidigung autorisiert. Heißt: Wenn ihr Radar theoretisch eine gegnerische Luft-Luft-Rakete identifiziert, dürfen sie diese demnach mit einer eigenen Lenkwaffe abschießen.
Oder gar das gegnerische Kampfflugzeug, das auf sie gefeuert hat. Diese Entscheidung müsste im Cockpit wohl binnen Sekunden gefällt werden, da viele Luft-Luft-Raketen mit enormer Überschallgeschwindigkeit fliegen - etwa die russische Wympel. Selbst US-Präsident Donald Trump hatte den europäischen NATO-Partnern kürzlich notfalls den Abschuss russischer Kampfjets bei bedrohlichen Luftraum-Verletzungen empfohlen. (Quellen: Business Insider, SZ, tagesschau.de) (pm)