VonJana Stäbenerschließen
Wie schließt du deine Rentenlücke und sorgst fürs Alter vor, wenn du was zurücklegen kannst? Wir zeigen dir eine Möglichkeit.
Im deutschen Rentensystem bezahlen nachfolgende Generationen unsere Rente über das sogenannte Umlageverfahren. Arbeitnehmer:innen und ihre Arbeitgeber zahlen jeden Monat zu gleichen Teilen 18,6 Prozent vom Bruttogehalt (Stand: August 2023) in die Rentenversicherung ein. Der Staat zahlt diese Beträge direkt wieder an die Menschen aus, die aktuell Anspruch auf Rente haben.
Das Problem: Die Rentenbombe tickt: Gerade junge Menschen sollten sich nicht darauf ausruhen, dass die gesetzliche Rente später mal ausreicht, geschweige denn, um ihren Lebensstandard zu halten. Die durchschnittliche Rente nach 45 Versicherungsjahren liegt bei 1.543 Euro brutto im Monat. Bei Frauen, die eine schwierigere Beziehung zu Finanzen und Altersvorsorge haben, liegt sie im Durchschnitt sogar nur bei 1.323 Euro.
Wie schließe ich meine Rentenlücke mit 200 Euro im Monat?
Es besteht eine sogenannte Rentenlücke, also eine Differenz zwischen dem, was man im Alter zum Leben braucht, und dem, was an gesetzlicher Rente herauskommt. Diese Rentenlücke kannst du berechnen. Dafür gilt die Annahme, dass mindestens 70 bis 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens als Rente herausspringen sollen.
Beispielrechnung: Du verdienst netto aktuell 2.000 Euro. Willst du im Alter 85 Prozent davon haben, sind das 1.700 Euro. Nehmen wir an, deine gesetzliche Rente liegt bei 1.130 Euro im Monat. Dann liegt deine Rentenlücke bei 570 Euro. (Achtung: Wie viel Rente du bekommst, ist individuell sehr unterschiedlich, je nachdem, wie viel du verdienst, wie viele Kinder und Betreuungszeiten du hast und wie lange du einzahlst).
Diese 570 Euro Rentenlücke musst du nun schließen. Aber wie? Eigentlich gibt es nicht viel, was du hier falsch machen kannst. Nur einen Fehler solltest du bei der Rente nicht machen: gar nichts tun. Die 200 Euro monatlich auf dem Sparkonto ohne Zinsen liegenzulassen ist zwar immer noch besser als gar nichts zu sparen – trotzdem geht es besser.
Du kannst auf dem Aktienmarkt investieren, und einen ETF-Sparplan erstellen (was laut unserer Autorin verpflichtend sein sollte). Du kannst private Rentenversicherungen abschließen und betriebliche Altersvorsorge in Anspruch nehmen. Außerdem gibt es staatlich geförderte Möglichkeiten für die Rente zu sparen, zum Beispiel Riester und Rürup, die wir hier erklären.
200 Euro für die Rente anlegen: So kann es gehen
Wie kannst du deine 200 Euro also für die Rente anlegen? Du könntest 100 Euro davon in einen ETF-Sparplan investieren und 100 Euro in eine private, klassische Rentenversicherung. Für Ersteres wählst du einen ETF, der möglichst breit gestreut ist, zum Beispiel ETFs, die den MSCI World Index abbilden. Der hat seit 1975 pro Jahr im Schnitt etwa acht Prozent Rendite erzielt.
Nehmen wir an, es sind nur etwa sechs Prozent Rendite und du investierst mit 28 Jahren 100 Euro im Monat über einen Neo-Broker (zum Beispiel: Trade Republic, Scalable) in einen ETF-Sparplan, wie zum Beispiel den Amundi Index MSCI World UCITS ETF DR (C). Dann hättest du nach etwa 39 Jahren 46.800 Euro eingezahlt und damit 186.418 Euro gemacht. Wirst du beispielsweise 83 Jahre alt, sind das für deine Rentenjahre dann zusätzlich 970 Euro im Monat (Aber Achtung: Nur wenn die Rendite sich so gut entwickelt und vor Abzug von Steuern oder Gebühren für deinen Sparplan).
Für Zweiteres hast du die Qual der Wahl und kannst zwischen einigen Rentenversicherungen wählen. Zum Beispiel:
- Allianz
- Alte Leipziger
- Axa
- HDI
- Baloise
- Die Bayrische
- Die Continentale
- Ergo
- Gothaer
- HanseMerkur
- Nürnberger
- Standard Life
- ...und viele mehr
Die Angebote hier funktionieren ähnlich. Auch hier legt der Versicherer dein Geld an und rechnet mit einer Wertentwicklung, zum Beispiel sechs Prozent. Der Unterschied zu deinem ETF-Sparplan: Es gibt eine Garantie für einen gewissen Betrag, der dir im Alter auf jeden Fall ausgezahlt wird. Je nach Vertrag kann der bei null bis 90 Prozent liegen. Zahlst du 100 Euro pro Monat ein, liegt deine garantierte Rente also zwar nur bei 94 Euro im Monat – spekuliert wird aber auf 600 Euro.
Beachten solltest du laut Verbraucherzentrale, die sich auch mit der privaten Altersvorsorge beschäftigt hat, dass du bei solch einer aufgeschobenen Rentenversicherung im Falle der vorzeitigen Kündigung mit großen Verlusten rechnen musst. Sinnvoll könne ein sogenanntes Kapitalwahlrecht sein, damit du dich kurz vor Rentenbeginn entscheiden kannst, ob du den Betrag monatlich oder auf einen Schlag kassieren kannst. Außerdem sollten Beiträge jährlich bezahlt werden, um Zuschläge zu vermeiden.
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