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Die USA und Russland planen einen zweiten Gipfel: Ein Ex-Diplomat befürchtet, dass Trump erneut von Putin überlistet wird – oder es längst schon wurde.
Washington, D.C. – Die USA und Russland steuern zielsicher auf ein zweites Gipfeltreffen der Präsidenten Donald Trump und Wladimir Putin zum Ukraine-Krieg zu. Die Außenminister haben nach Angaben beider Seiten bereits damit begonnen, die Begegnung in Budapest vorzubereiten. Doch die Schatten des ersten Gipfels in Alaska hängen noch immer über dem Verhältnis der beiden Staatschefs. Fachleute wie der frühere Trump-Berater John Bolton erklärten Wladimir Putin zum eindeutigen Sieger des Treffens: „Putin hat eindeutig gewonnen“, sagte der ehemalige US-Botschafter bei den Vereinten Nationen gegenüber CNN. Die italienische Tageszeitung La Repubblica ging noch weiter und schrieb: „Der ehemalige KGB-Agent hat (Donald Trump) reingelegt.“
Die Befürchtungen, Trump könnte sich erneut von Putin zum Narren halten lassen, nehmen dadurch weiter zu. Laut einem ehemaligen Diplomaten könnte es dafür bereits zu spät sein – er erkenne Wladimir Putins Handschrift in Trumps jüngsten Handlungen. Der Präsident, so der Verdacht, habe sich womöglich erneut zum Werkzeug machen lassen – vielleicht, ohne es selbst zu bemerken.
Schlechte Aussichten für Ungarn-Gipfel: Trump bereits „erneut von Putin reingelegt“
Bei dem Telefonat am Donnerstag sei es offensichtlich gewesen, „dass Präsident Trump erneut von Putin reingelegt wurde“, erklärte auch Steven Pifer gegenüber Kyiv Post. Pifer war von 1998 bis 2000 als US-Botschafter in der Ukraine tätig. Im Interview ging er mit der Trump-Regierung hart ins Gericht. Mit Blick auf die abgesagten Tomahawk Lieferungen für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erklärt Pifer: „Ich denke, dass das Ergebnis am Freitag ganz anders ausgefallen ist als noch zwei Tage zuvor“. Der Besuch Selenskyjs im Weißen Haus sei durch das vorherige Treffen des US-Präsidenten mit seinem russischen Amtskollegen beeinträchtigt worden.
Trump werde mit seiner derzeitigen Vorgehensweise bei seinen Vermittlungsbemühungen scheitern, weil er nicht bereit sei, Putin etwas entgegenzusetzen, wenn dieser nicht ernsthaft verhandele. Wenn der Präsident es „ernst meinen würde“, so Pifer, „würde Trump nach Möglichkeiten suchen, zusätzlichen Druck auf Russland auszuüben“. Stets mit dem Ziel, „Putins Kalkül zu ändern, um Putin klarzumachen, dass weitere Versuche, auf dem Schlachtfeld zu gewinnen, scheitern werden und nur weitere politische, wirtschaftliche und militärische Kosten für Russland bedeuten“.
Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern




Die Skepsis des 71-jährigen Ex-Diplomaten erscheint gewaltig. Im Interview mit der Kyiv Post appelliert er an die Ukraine und deren europäische Verbündete, die Erwartungen anzupassen: „Ich würde die Wahrscheinlichkeit, dass Trump letztendlich eine Hilfe sein wird, auf weniger als zehn Prozent schätzen.“
Trump und der Ukraine-Krieg: Tiefes Missverständnis sorgt für Spannungen an der Front
Der ehemalige US-Botschafter in der Ukraine glaubt, die größte Frustration für die Regierung in Kiew rühre daher, dass Trump offenbar auf ukrainische Gebietsabtritt drängte: „Es muss für Präsident Selenskyj und die Ukrainer sehr frustrierend sein, dass das Weiße Haus offenbar nicht versteht, warum sie nicht bereit sind, ganz Donezk aufzugeben.“ Er wies in diesem Zusammenhang auch auf ein tiefes Missverständnis der amerikanischen Seite hin: Für Pifer sei frustrierend gewesen, dass der US-Sonderbeauftragte Steve Witkoff „offenbar erneut sagte: ‚Weil alle Menschen in Donezk Russisch sprechen, wollen sie Russen sein‘, was meiner Meinung nach definitiv nicht der Fall ist“.
Pifer betonte, dass das Halten der Stellung im Donbass eine strategische Notwendigkeit sei: „Dieses Gebiet aufzugeben würde bedeuten, die Verteidigungslinien aufzugeben, die die russische Armee nun seit dreieinhalb Jahren aufgehalten haben.“ Er fügte hinzu: „Ich bin nur verwirrt, warum sie nicht verstehen, dass dies zu diesem Zeitpunkt einfach etwas ist, was die Ukraine nicht tun kann.“ Dieses Missverständnis zeige sich auch in Trumps jüngsten Äußerungen, dass beide Seiten einfach „an den Linien stehen bleiben sollten, wo sie sind“. Weiter erklärte der Präsident in Onlinediensten: „Lasst beide den Sieg für sich beanspruchen“. Sonst werde es „zu kompliziert“.
Trumps und Putins Gipfeltreffen in Budapest: Experte befürchtet keinen Durchbruch im Ukraine-Krieg
Pifers Erwartungen an den Gipfel in Budapest fallen ebenfalls gedämpft aus. Schon jetzt spricht er von einem Sieg für Moskau und erklärt: „Ich denke, die Russen sind sicherlich froh, nach Budapest zu reisen. Es ist einer der wenigen Orte in Europa, an denen sie sich tatsächlich hätten treffen können.“ Gleichzeitig warnte er vor einer „Wiederholung dessen, was in Alaska passiert ist, wo es so aussah, als hätte Putin Präsident Trump zu diesem sogenannten ‚Einverständnis‘ überredet, das eine Reihe von Fallen für die Ukraine bereithielt.“
Pifer bezweifelt stark, dass der Gipfel einen Durchbruch bringen wird: „Ich bin mir nicht sicher, warum irgendjemand glauben sollte, dass Budapest zu einem anderen Ergebnis führen wird als Alaska, da die russische Position zumindest öffentlich unverändert bleibt.“
Trump dämpft Erwartungen vor Treffen mit Putin: „Glaube nicht“ an Sieg Selenskyjs
Die zweifelhafte Unterstützung des US-Präsidenten für die Ukraine und ihre Partner äußerte sich kürzlich in einer rhetorischen Kehrtwende: Nach einem Treffen bei den Vereinten Nationen mit Wolodymyr Selenskyj äußerte Donald Trump auf Truth Social, die Ukraine könne „mit Unterstützung der Europäischen Union kämpfen und ihr gesamtes Territorium zurückgewinnen“.
Nun – nur einen Monat später – gibt sich Donald Trump weit weniger sicher: „Sie könnten immer noch gewinnen. Ich glaube nicht, dass sie es werden – aber sie könnten immer noch. Ich habe nie gesagt, sie würden gewinnen, ich sagte, sie könnten gewinnen.“ Er fuhr mit der Feststellung fort, dass Krieg „eine sehr seltsame Angelegenheit“ sei – „viele schlechte Dinge passieren. Viele gute Dinge passieren.“
Trumps Kehrtwende ließ sich derweil gut nachvollziehen: Noch in der vergangenen Woche tobte zwischen Trump und dem ehemaligen russischen Präsidenten Dmitry Medwedew online eine hitzige Diskussion um die Tomahawk Lieferungen. Trump beschwichtigte zwar, indem er sich nicht eindeutig für eine Lieferung aussprach. Gleichzeitig erklärte er jedoch: „Ich könnte sagen: ‚Schauen Sie, wenn dieser Krieg nicht endet, schicke ich Ihnen Tomahawks‘“. Nach dem Telefonat mit Putin versagte er Selenskyj einen Tag später die Tomahawks. Danach sprach er sich dann bereits dafür aus, dass für ein Ende der Kämpfe in der Ukraine der aktuelle Frontverlauf eingefroren werden sollte – eine Maßnahme, durch welche die Regierung in Moskau die erbeuteten Gebiete behalten könnte.
Treffen zwischen Trump und Putin bereits in der Vorbereitung: Ungarn bietet sich an
Zu Berichten, wonach ein vorgeschaltetes Treffen der Außenminister bereits am 23. Okotber stattfinden könnte, hieß es in Washington, es gebe derzeit nichts mitzuteilen.
Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó kündigte unterdessen für heute einen Besuch in Washington an. Dabei soll es um die Vorbereitung des Gipfeltreffens der Staatschefs gehen. (Quellen: dpa, Kyiv Post, La Repubblica, CNN, AFP) (kox)
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