Grenzkontrollen als Ursache?

Faktencheck zur Migration: Weshalb die Zahl der Asylsuchenden zurückgeht

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Die Anzahl der Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, ist rückgängig. Liegt das an Grenzkontrollen, Herkunftsländern, EU-Regeln? Ein Faktencheck.

Ausgewiesenes Ziel der deutschen Politik ist es, die Anzahl der Asylsuchenden zu reduzieren. Die sinkt aber schon seit einer Weile.

Die neuen deutschen Grenzkontrollen sind ressourcenintensiv und bewirken wenig.

Trotz massivem Aufwand durch Dobrindts Asylwende: Nur wenige Dutzend Asylsuchende abgewiesen

Grenzkontrollen
An der deutschen Grenze zu Österreich gibt es bereits seit rund zehn Jahren wieder „temporäre“ Grenzkontrollen, die seitdem mehrfach verlängert wurden. 2023 kamen Kontrollen an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz hinzu, 2024 folgten die restlichen Grenzen. Die neuerliche Ausweitung der Kontrollen samt Zurückweisungen von Asylsuchenden soll auch der Abschreckung dienen. So sagte Dobrindt am vergangenen Donnerstag bei dem Besuch einer Kontrollstelle im bayerischen Inntal, man wolle ein „Signal an die Welt“ senden, das zeige, „dass sich die Migrationspolitik in Deutschland verändert hat“. Welche Wirkung solche Aussagen über Europa hinaus haben, lässt sich nicht messen.
Messen lässt sich aber, wie viele Asylsuchende innerhalb der ersten Woche der verschärften Kontrollen deutschlandweit an Grenzen abgewiesen wurden: 32. Die Gewerkschaft der Polizei hat derweil schon deutlich gemacht, dass sie die intensivierten Kontrollen nur noch wenige Wochen aufrechterhalten könne. Auch manche anderen europäischen Staaten kontrollieren an den Grenzen zu ihren EU-Nachbarländern. In Frankreich ist das ebenfalls seit rund zehn Jahren wieder der Fall, vor allem an der Grenze zu Italien. Ohne „nennenswerten Effekt“, wie der französische Migrationsforscher François Herán neulich in der FAZ sagte. Diese Meinung teilen viele Fachleute in dem Feld.

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Asylanträge gehen zurück – Syrien ist nicht mehr Platz Eins der Herkunftsländer von Asylsuchenden

Rückgang bei Asylanträgen
In den ersten vier Monaten 2025 meldete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) 45 681 Asyl-Erstanträge in Deutschland – ein Minus von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In den Zahlen enthalten sind auch Anträge von hier neugeborenen Kindern von Geflüchteten. Nicht enthalten sind Menschen aus der Ukraine, die bei uns meistens direkt Schutz erhalten.
Herkunftsländer
Der April war der erste Monat seit langem, an dem nicht mehr Menschen aus Syrien die größte Gruppe der neuen Schutzsuchenden in Deutschland ausmachten – sondern Afghan:innen. Die Anzahl der Syrer:innen und auch der Menschen aus der Türkei, die in Deutschland Asyl suchen, geht seit Monaten zurück. Das schlägt auf die Gesamtstatistik durch. Laut Bamf stellten Afghan:innen im April 2191 von deutschlandweit 9108 Asyl-Erstanträgen. Es folgten Menschen aus Syrien (1615), der Türkei (956) und Somalia mit 368 Anträgen.

Auch wenn Grenzkontrollen gelobt werden: weniger Ankünfte an EU-Grenzen Ursache für weniger Geflüchtete

Die Lage in Europa
Die Zahlen der neu in Deutschland um Asyl Suchenden sinkt – wenn man sich die jeweiligen Vorjahresmonate anschaut – seit dem Winter 2023/2024. Ex-Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) brachte das unter anderem mit den Grenzkontrollen in Verbindung und sagte zu Amtszeiten: „Wir haben die irreguläre Migration stark zurückdrängen können.“ Viele Fachleute widersprechen. So betont der Migrationsforscher Franck Düvell im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, dass die Entwicklung der Asylzahlen in Deutschland „parallel zum Rückgang der Zahlen in der Europäischen Union verläuft“.

Wandel in Europa: Die Geschichte der EU in Bildern

Karte der Europäische Union
Die Europäische Union ist eine wirtschaftliche und politische Vereinigung von 27 europäischen Ländern. Insgesamt leben etwa 450 Millionen Menschen im Gebiet der EU. Ursprünglich als Wirtschaftsverbund gegründet, hat sie sich zu einer Organisation entwickelt, die eine Vielzahl von Feldern abdeckt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist der europäische Binnenmarkt der größte gemeinsame Markt weltweit. Er ermöglicht die freie Bewegung der meisten Waren, Dienstleistungen, Kapital und Menschen. © PantherMedia (Montage)
Römischen Verträge EU
Der Grundstein für die heutige EU wurde am 25. März 1957 gelegt. Die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg unterzeichneten damals die Römischen Verträge. Für Deutschland setzten Kanzler Konrad Adenauer (links) und Walter Hallstein, der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, ihre Unterschriften unter das Dokument. Damit waren die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) besiegelt. © dpa
Margaret Thatcher und François Mitterrand
Am 1. Januar 1973 traten Dänemark, die Republik Irland und das Vereinigte Königreich der EG bei. Einfach war das Verhältnis zwischen Großbritannien und Europa nie. Auch Premierministerin Margaret Thatcher (links) war keine Freundin Europas. Mit der Forderung „We want our money back“ setzte die Eiserne Lady 1984 beim Gipfel in Fontainebleau einen Rabatt bei den Zahlungen Großbritanniens in die Gemeinschaftskasse durch. Verhandlungspartner wie der französische Präsident François Mitterrand (rechts) waren machtlos. © Daniel Janin, Gabriel Duval/afp
Militärjunta in Griechenland
Zum 1. Januar 1981 trat Griechenland der Europäischen Gemeinschaft bei. Die Aufnahme des Landes war heftig umstritten. Europa befürchtete, sich einen unangenehmen Partner ins Nest zu holen. So sorgte zum einen das konfliktreiche Verhältnis Griechenlands zur Türkei für Unbehagen. Noch schwerer wog die Diktatur der rechtsextremen Militärjunta, die erst im Juli 1974 zu Ende gegangen war. Ein interner Machtwechsel am 25. November 1973, als Panzer im Athener Zentrum auffuhren (im Bild), konnte den Wandel nicht mehr aufhalten. © Imago
Von wegen grenzenlos - Ärger in Schengen über Grenzkontrollen
1985 unterzeichneten Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten das „Schengener Abkommen“ über den schrittweisen Abbau der Personenkontrollen an ihren gemeinsamen Grenzen. Die weitgehende Reisefreiheit erleichterte das Leben und Arbeiten in anderen europäischen Ländern erheblich. Alle Bürgerinnen und Bürger der EU haben das Recht und die Freiheit, selbst zu entscheiden, in welchem EU-Land sie arbeiten, studieren oder ihren Ruhestand verbringen möchten.  © Harald Tittel/dpa
Franco und Juan Ćarlos
1986 nahm die EG zwei neue Mitglieder auf: Portugal und Spanien. Damit konnten beide Staaten ihre Isolation auf dem Kontinent beenden. Vor allem für Spanien war der Beitritt in die EG ein markanter Wendepunkt, um die Folgen der jahrzehntelangen Diktatur unter Francisco Franco (rechts) zu überwinden. Juan Carlos (links), der zwei Tage nach Francos Tod am 20. November 1975 zum König proklamiert worden war, spielte eine entscheidende Rolle bei der Überwindung der Diktatur. Bei der Aufnahme des Bildes im Jahr 1971 hatte er noch im Schatten Francos gestanden. © afp
Silvester 1989 am Brandenburger Tor
Eine Erweiterung im eigentlichen Sinne war es nicht. Doch als am 3. Oktober 1990 die Länder der DDR der Bundesrepublik Deutschland beitraten, wurde die EG automatisch um ein gutes Stück größer. Mit der Wiedervereinigung erstreckte sich das gesamte Gemeinschaftsrecht nun auch auf das Beitrittsgebiet. Mit einer Bevölkerungszahl von mehr als 80 Millionen Menschen ist Deutschland seitdem der bevölkerungsreichste Mitgliedsstaat. © Wolfgang Kumm/dpa
Genscher und Waigel unterzeichnen Maastrichter Vertrag
Anfang der Neunziger war die Zeit reif für einen Wandel. Die Römischen Verträge hatten ausgedient. Am 7. Februar 1992 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der EU ein neues Vertragswerk. Für Deutschland unterzeichneten Außenminister Hans-Dietrich Genscher (links) und Finanzminister Theo Waigel (rechts) das Dokument. Der Vertrag von Maastricht zur Gründung der Europäischen Union trat am 1. November 1993 in Kraft. Mit dem EU-Vertrag entwickelte sich die europäische Gemeinschaft zu einer politischen Union. © dpa
Volksabstimmung zum EU-Beitritt in Norwegen 1994
1995 nahm die EU drei neue Länder auf. In Österreich, Schweden und Finnland hatten zuvor die Menschen in Volksentscheiden dem Beitritt zugestimmt. Auch Norwegen ließ das Volk in einem Referendum darüber abstimmen. Doch hier sah das Ergebnis anders aus. 52,2 Prozent der Wahlberechtigten in Norwegen votierten in einer Volksabstimmung gegen einen Beitritt.  © Berit Roald/Imago
Tschechien feiert EU-Beitritt
Neun Jahre später kam es zur ersten Osterweiterung. Am 1. Mai 2004 traten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Malta und die Republik Zypern der EU bei. Die neuen EU-Länder feierten den Beitritt, in Prag (hier im Bild) und anderen Hauptstädten freuten sich die Menschen über eine Zukunft unter dem Dach der EU. Die Europäische Union setzte sich somit aus 25 Mitgliedstaaten zusammen. © Michal Svacek/afp
Rumänien - EU
Der zweite Teil der Osterweiterung ließ nicht lange auf sich warten. Am 25. April 2005 unterzeichneten Rumänien und Bulgarien den Beitrittsvertrag zur EU. Beide Länder wurden zum 1. Januar 2007 in die Europäische Union aufgenommen. Für die Menschen in Bukarest (hier im Bild) gab es also mehr als nur einen Grund, die Nacht zum Tage zu machen. Die Fläche der EU wuchs mit dieser Erweiterung auf etwas mehr als 4,3 Millionen Quadratkilometer.  © Robert Ghement/dpa
Kroatien wird EU-Mitglied
Schon im Juni 2004 war Kroatien der Status eines offiziellen Beitrittskandidaten verliehen worden. Doch die Verhandlungen verzögerten sich mehrmals, erst sieben Jahre später konnten sie erfolgreich abgeschlossen werden. Kurz danach stimmten 66,3 Prozent der Wahlberechtigten bei einem Referendum für den Beitritt in die EU. Am 1. Juli 2013 war schließlich der Zeitpunkt gekommen, um vor dem Europäischen Parlament in Straßburg die Flagge Kroatiens zu hissen. Die EU bestand damit aus 28 Mitgliedsstaaten. © Frederick Florin/afp
EU Parlament Straßburg
Jeder europäische Staat hat laut Artikel 49 des EU-Vertrags das Recht, einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen. Wichtig dabei: „Europäisch“ wird politisch-kulturell verstanden und schließt die Mitglieder des Europarats mit ein. Das betrifft zum Beispiel die Republik Zypern. Eine wichtige Rolle spielt im Beitrittsverfahren das EU-Parlament in Straßburg (im Bild). Verschiedene Delegationen verfolgen die Fortschritte in den Beitrittsländern und weisen auf mögliche Probleme hin. Zudem müssen die Abgeordneten dem EU-Beitritt eines Landes im Parlament zustimmen. Derzeit gibt es neun Beitrittskandidaten und einen Bewerberstaat. © PantherMedia
Edi Rama Albanian EU
Albanien reichte 2009 den formellen EU-Mitgliedschaftsantrag ein – vier Jahre, bevor Edi Rama (im Bild) das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Es dauerte aber noch eine lange Zeit, bis die Verhandlungen beginnen konnten. Grund war ein Einspruch der Niederlande, die sich zusätzlich zu den EU-Kriterien auch die Sicherstellung der Funktion des Verfassungsgerichts und die Umsetzung eines Mediengesetzes wünschte. Im Juli 2022 konnte die Blockade beendet werden und die EU startete die Beitrittsverhandlungen. © John Thys/afp
Bosnien und Herzegowina EU
Auch Bosnien und Herzegowina drängt in die EU. Gut erkennen konnte man das zum Beispiel am Europatag 2021, als die Vijećnica in der Hauptstadt Sarajevo mit den Farben der Flaggen der Europäischen Union und Bosnien und Herzegowinas beleuchtet war. EU-Botschafter Johann Sattler nutzte sofort die Gelegenheit, um das alte Rathaus zu fotografieren. Vor den geplanten Beitrittsverhandlungen muss das Balkanland noch einige Reformen umsetzen. Dabei geht es unter anderem um Rechtsstaatlichkeit und den Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen.  © Elvis Barukcic/afp
Georgien EU
Zum Kreis der EU-Beitrittskandidaten gehört auch das an Russland grenzende Georgien. Das Land, in dem rund 3,7 Millionen Menschen leben, hatte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Aufnahme in die EU beantragt. Auf schnelle Fortschritte im Beitrittsprozess kann Georgien allerdings nicht hoffen. Dabei spielt auch ein ungelöster Territorialkonflikt mit Russland eine Rolle. Nach einem Krieg 2008 erkannte Moskau die abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien (im Bild) und Abchasien als unabhängige Staaten an und stationierte Tausende Soldaten in der Region. © Dimitry Kostyukov/afp
Moldau EU
Seit Juni 2022 gehört auch Moldau offiziell zu den EU-Beitrittskandidaten. Das Land, das an Rumänien und die Ukraine grenzt, reichte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs das Beitrittsgesuch ein. Am 21. Mai 2023 demonstrierten 80.000 Menschen in der Hauptstadt Chișinău für einen Beitritt Moldaus in die Europäische Union. Die damalige Innenministerin Ana Revenco (Mitte) mischte sich damals ebenfalls unters Volk. © Elena Covalenco/afp
Montenegro EU
Das am kleine Balkanland Montenegro will beim EU-Beitritt zügig vorankommen. Direkt nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten Ende Oktober 2023 verkündete Milojko Spajic (im Bild), dass er den Beitritt Montenegros zur EU vorantreiben und die Justiz im Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen stärken wolle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (rechts) hörte es damals sicher gerne. Montenegro verhandelt seit 2012 über einen Beitritt, hatte sich aber vor der Wahl nicht mehr ausgiebig um Reformen bemüht.  © Savo Prelevic/afp
Scholz Westbalkan-Gipfel Nordmazedonien EU
Nordmazedonien kämpft schon seit langer Zeit für den Beitritt in die EU. Leicht ist das nicht. So hat das kleine Land in Südosteuropa aufgrund eines Streits mit Griechenland sogar schon eine Namensänderung hinter sich. Seit 2019 firmiert der Binnenstaat amtlich unter dem Namen Republik Nordmazedonien. Auch Bulgarien blockierte lange den Beginn von Verhandlungen. Bei einem Gipfeltreffen im Oktober 2023 drängte Kanzler Olaf Scholz dann aber auf eine möglichst schnelle Aufnahme der Balkanstaaten in die EU. Nordmazedoniens Ministerpräsident Dimitar Kovacevski (rechts) war sichtlich erfreut. © Michael Kappeler/dpa
Serbien EU
Auch Serbien strebt in die EU. Wann es zu einem Beitritt kommt, scheint derzeit aber völlig offen. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat sich die serbische Regierung geweigert, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Damit ist Serbien der einzige Staat in Europa, der keine Sanktionen verhängt hat. Offen bleibt, welche Auswirkungen das auf die seit 2014 laufenden Verhandlungen über einen EU-Beitritt Serbiens hat. Die politische Führung in Belgrad, die seit 2012 von Präsident Aleksandar Vučić (im Bild) dominiert wird, zeigt zudem wenig Willen zu Reformen. Demokratie und Medienpluralismus höhlt sie zunehmend aus. © Andrej Isakovic/afp
Türkei EU
Die Türkei ist bereits seit 1999 Beitrittskandidat. Die Verhandlungen selbst haben im Oktober 2005 begonnen. Inzwischen hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Beziehungen wieder auszubauen, sofern sich die Regierung in Ankara unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan (im Bild) in einigen Punkten bewegt. Zuvor waren Projekte wie die geplante Modernisierung der Zollunion und eine Visaliberalisierung wegen Rückschritten bei Rechtsstaatlichkeit, Grundrechten und Meinungsfreiheit in der Türkei auf Eis gelegt worden. Ein EU-Beitritt scheint aktuell weiter entfernt denn je. © Adem Altan/afp
Ukraine EU
Im Dezember 2023 wurde der Beginn von Verhandlungen mit der Ukraine grundsätzlich beschlossen. Allerdings muss die Ukraine sämtliche Reformauflagen erfüllen. So waren nach dem letzten Kommissionsbericht manche Reformen zur Korruptionsbekämpfung, zum Minderheitenschutz und zum Einfluss von Oligarchen im Land nicht vollständig umgesetzt. Ohnehin gilt es als ausgeschlossen, dass die Ukraine vor dem Ende des Ukraine-Kriegs EU-Mitglied wird. Denn dann könnte Kiew laut EU-Vertrag militärischen Beistand einfordern – und die EU wäre offiziell Kriegspartei. © Roman Pilipey/afp
Kosovo EU
Kosovo hat einen Mitgliedsantrag eingereicht, jedoch noch nicht den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten erhalten. Das Land hat 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Die Freude darüber war damals bei den Menschen riesengroß. Das Bild macht auch deutlich, dass vor allem Menschen albanischer Herkunft im Kosovo beheimatet sind. Die Flagge Albaniens (links) ist ebenso zu sehen wie die des neuen Landes (hinten). Mehr als 100 Länder, darunter auch Deutschland, erkennen den neuen Staat an. Russland, China, Serbien und einige EU-Staaten tun dies aber nicht. Ohne die Anerkennung durch alle EU-Länder ist eine Aufnahme von Beitrittsverhandlungen aber nicht möglich.  © Dimitar Dilkoff/afp
Banksy-Kunstwerk zu EU und Brexit
Seit dem 31. Januar 2020 besteht die EU nur noch aus 27 Staaten. Nach 47 Jahren verließ das Vereinigte Königreich als erstes Mitgliedsland die Europäische Union. Im Juni 2016 hatte eine knappe Mehrheit in einem Referendum für den Abschied aus der EU gestimmt. Der britische Street-Art-Künstler Banksy kommentierte den Brexit auf seine Art. In der Hafenstadt Dover malte er eine riesige EU-Flagge an eine Hauswand – zusammen mit einem Handwerker, der einen der Sterne entfernt. © Glyn Kirk/afp
Friedensnobelpreis für EU.
2012 wurde die Europäische Union mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Herman Van Rompuy, José Manuel Barroso und Martin Schulz (von links nach rechts) nahmen den Preis bei der Verleihung im Osloer Rathaus am 10. Dezember 2012 in Empfang. © Cornelius Poppe/afp
Laut Eurostat haben im vergangenen Jahr EU-weit rund 912 000 Menschen erstmals Asyl beantragt – 13 Prozent weniger als 2023. Dieser Trend scheint sich fortzusetzen: So war die Anzahl der Asylantragstellenden im Dezember so niedrig wie zuletzt im April 2022. An diesen europaweiten Zahlen sehe man laut Düvell klar, dass der aktuelle Rückgang in Deutschland mit den gesunkenen Ankünften an den EU-Außengrenzen zu tun habe und „überhaupt nichts mit den Kontrollmaßnahmen an den deutschen Grenzen“.

Lage stabilisiert sich in Syrien und Libyen: Zahl der Geflüchteten geht zurück

Türkei und Syrien
Woran liegt der Rückgang dann? Düvell macht hier vor allem zwei große Entwicklungen aus: Zum einen sei bereits seit einer Weile – nicht erst seit dem Sturz Assads – ein Rückgang bei der Zahl der Menschen aus Syrien zu beobachten, die mit einem temporären Schutzstatus in der Türkei lebten. Während es laut der Internationalen Organisation für Migration im Oktober 2024 noch 3,1 Millionen Menschen waren, waren es im März 2025 keine 2,8 Millionen mehr. Sollte sich Syrien weiter stabilisieren, ist davon auszugehen, dass sich die Anzahl weiter reduziert – nicht weil die Menschen sich auf den gefährlichen Weg über die Ägäis nach Europa machen, sondern weil sie nach Syrien zurückkehren.
Die Rolle Libyens
Als weiteren wichtigen Faktor für den Rückgang der Anzahl der Schutzsuchenden führt der Experte Düvell die relative Stabilisierung des in verschiedene Machtsphären aufgeteilten Libyens auf. Zwar kam es dort kürzlich wieder zu Gefechten zwischen Milizen. Doch sei die Lage in dem Land, in dem unter anderem viele Menschen aus Subsahara-Afrika leben, stabiler und sicherer als noch vor ein paar Jahren.
Mehr Menschen blieben dort und versuchten gar nicht erst, nach Europa weiterzuziehen. Gleichwohl ist die Route Libyen-Italien weiter frequentiert: Von Januar bis zum 18. Mai erreichten laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR knapp 19 000 Menschen, die in Libyen mit Booten gestartet waren, über den Seeweg Italien. Über Tunesien kamen 980, über Algerien 180. Hauptherkunftsland auf der zentralen Mittelmeerroute war von Januar bis März mit Abstand Bangladesch, gefolgt von Pakistan und Ägypten.

Europa teilt sich Geflüchtete auf – Flucht eher in direkte Nachbarländer, wie beim Sudan

Zielländer
Das Beispiel Bangladesch zeigt, dass die Menschen, die in Europa ankommen, sich sehr unterschiedlich auf die Mitgliedsstaaten verteilen: Laut der Asylagentur der EU haben von den 3300 Menschen aus dem politisch instabilen Bangladesch, die im März EU-weit Asyl beantragt haben, 85 Prozent ihre Anträge in Italien gestellt. Von den 1700 Menschen aus der Demokratischen Republik Kongo, die im März in der EU um Asyl ersucht haben (plus 57 Prozent zum Vorjahresmonat), stellten drei Viertel ihren Asylantrag in Frankreich. Die vielen Menschen aus der von einer neuen Repressionswelle erfassten Türkei, die in letzter Zeit in der EU Asyl suchten, taten dies vor allem in Deutschland (im März: 44 Prozent) – während Asylsuchende aus Venezuela zu 94 Prozent ihre Anträge in Spanien stellten.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke
Lage im Sudan
Weltweit sucht eine Mehrheit der Vertriebenen innerhalb des eigenen Landes Zuflucht. Von jenen, die über Grenzen flüchten, bleiben laut Bundesentwicklungsministerium rund 70 Prozent in den Nachbarländern. So auch im Sudan, wo in jüngster Zeit so viele Menschen geflohen sind wie nirgends sonst: Laut dem UNHCR hat der seit Frühjahr 2023 andauernde Krieg im Sudan mehr als 12,3 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Vier Millionen davon haben das Land verlassen, die meisten von ihnen hausen in Lagern im Osten des Tschad oder haben rund um Kairo in Ägypten Zuflucht gefunden.
In Deutschland bekommt man von dieser massiven Vertreibung kaum etwas mit: Von Januar bis April haben gerade mal 245 Sudanes:innen hier Asyl beantragt. Migrationsforscher Düvell erklärt: „Wir wissen aus der Fluchtforschung: Die Menschen gehen nicht einfach irgendwohin.“ Jene, die weiter fliehen als in die oft armen Nachbarländer, entschieden sich für ihr Ziel oft aufgrund von bestehenden sozialen Netzwerken. Menschen aus dem Sudan aber – zumal aus den Darfur-Regionen – hätten in Deutschland kaum Anknüpfungspunkte.

Fluchtrouten nach Europa ändern sich ständig – Geflüchtete sterben auf dem Weg nach Europa

Fluchtrouten
Die Fluchtrouten nach Europa verändern sich ständig. Das liegt auch daran, dass Schlepper die Routen variieren, damit die Flüchtenden nicht abgefangen werden. Es liegt aber auch an den Abschottungsbemühungen der europäischen Länder. Hier gibt es regelmäßig Verschärfungen: In jüngster Zeit etwa der Einsatz neuer Überwachungsdrohnen in Bulgarien, vermehrte Pushbacks in Zypern bis nach Syrien oder die Praxis Italiens, privaten Rettungsschiffen weit entfernte Häfen zuzuweisen, um die Crews möglichst lange vom Einsatz im Mittelmeer fernzuhalten. Auch die Staaten Nordafrikas halten Schutzsuchende auf. Oft bestehen Verträge mit der EU oder einzelnen europäischen Ländern. Algerien, das unabhängig handelt, sammelte zuletzt im ganzen Land Migrant:innen ein und brachte sie zu Tausenden an die Grenze zum Niger in der Sahara und setzte sie dort aus.
Todesopfer
Es ist unklar, welche Rolle beim Rückgang der Zahlen die zunehmende Abschottung spielt. Klar ist, dass deshalb besonders gefährliche Routen gewählt werden, wie jene von westafrikanischen Ländern, etwa Mauretanien und Senegal, über den Atlantik auf die Kanaren. Alleine im Mittelmeer sind 2024 laut UNHCR mindestens 3500 Menschen bei dem Versuch ertrunken, nach Europa zu kommen – oder gelten nach Bootsunglücken als vermisst. Auch im Atlantik, an der Landgrenze zu Polen, auf dem Balkan und im Ärmelkanal gab es Tote.

Nur temporärer Migrationsanstieg nach der Corona-Pandemie – Entwicklungen und Auswirkungen der Lage in Nahost ist unklar

Die Rolle der Corona-Pandemie
Ein weiterer Teil der Erklärung dafür, warum die Zahlen ausgerechnet seit 2023 zurückgehen, ist Düvell zufolge Corona. So seien jegliche Formen der Migration während der Pandemie 2020 bis 2022 stark zurückgegangen – und 2023 dann deutlich angestiegen, weil sich viele Menschen vorher in einer Art Wartesituation befunden hätten. Danach gingen die Zahlen wieder zurück.
Wie es weitergeht
Migrationsforscher Düvell zufolge sind die großen Unbekannten die Kriege im Sudan und in Gaza. Viele Menschen aus dem Sudan machen sich (noch) nicht auf den Weg nach Europa. Und die Menschen in Gaza können das derzeit nicht. Sollten sie den zerstörten Küstenstreifen verlassen können, dürften sich nicht wenige davon auf den Weg nach Europa machen. Unklar ist auch, wie es in Syrien weitergeht.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Peter Kneffel

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