„Wahre Anarchisten“

Kurt Krömer erklärt, warum er sich selbst als „Neo-Clown“ bezeichnet

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Im Podcast spricht der Komiker darüber, dass seine Berufsbezeichnung eigentlich mal eine andere war – ihn nur niemand verstanden hat.

In der 48. Folge seines Podcasts „Feelings“, der mit dem Deutschen Podcast Preis ausgezeichnet wurde, hat der Komiker Kurt Krömer die Journalistin und Autorin Samira El Ouassil zu Gast. Sie hat das Buch „Erzählende Affen“ geschrieben, in dem es darum geht, wie Geschichten die Welt verändern können.

Die beiden kommen auf ihre eigene Geschichte zu sprechen. El Ouassil erzählt, dass sie es seltsam findet, sich selbst als Autorin zu bezeichnen und fragt Kurt Krömer, dessen Podcast mit Absicht nicht „Jefühle“ heißt, welche Berufsbezeichnung er sich gibt. Als der antwortet, er sage dann immer „Komiker“, fragt sie: „Warum sagst du nicht Clown?”

KünstlernameKurt Krömer
Bürgerlicher NameAlexander Bojcan
Geburtsdatum20. November 1974
Geburts-/ WohnortBerlin
BerufKomiker, Schauspieler und Autor
Größe1,94 Meter
BücherEin Ausflug nach wohin eigentlich keiner will: Zu Besuch in Afghanistan (2013), Du darfst nicht alles glauben, was du denkst (2022)
PodcastFeelings (Spotify)
TV-Formate (Auswahl)Die Kurt Krömer Show, Chez Krömer, LOL: Last One Laughing

Mehr zum Thema: Kurt Krömer fragt sich, wie viel Sch*** man der nächsten Generation hinterlassen kann.

Kurt Krömer über moderne Clowns wie Leo Bassi und Jango Edwards

„Ich glaube in der Zeit, in der wir leben, versteht man das Wort Clown nicht mehr. …Wenn ich sage, da kommt gleich ein Clown, dann denken alle an diesen typischen Es-Horror–Clown mit roter Nase“, antwortet Krömer. Das sei nicht seine Definition von Clown, denn die liege eher bei Jango Edwards.

Der sei für ihn ein Clown. Genauso Leo Bassi, der „aussieht wie ein Sparkassenangestellter aus der Uckermark“. Wenn er zehn Leuten sage, er sei ein Clown, dann würden neun davon an den Ronald McDonald-Clown denken. Samira El Ouassil stimmt zu. „Vielleicht müssen wir den Begriff des Clowns neu definieren“, sagt sie – genauso wie Krömer das Männerbild neu definiert.

Andy Kauffmann zum Beispiel oder Helge Schneider sei für sie ein moderner Clown, genauso eben auch wie Krömer, dessen Talkshow „Chez Krömer“ richtig eskaliert ist. Der Begriff sei so negativ konnotiert. Dabei seien Clowns die „wahren Anarchisten“, sagt Krömer. In einer Zeit, in der Anarchie aus seiner Zeit immer leichter werde.

Kurt Krömer – ein moderner Clown?

„Der Grad der Anarchie ist verschoben worden“, sagt Krömer

„Der Grad der Anarchie ist verschoben worden. Du klebst dich auf die Straße und bist Komplett-Anarchist. Früher wären die Autos halt links und rechts dran vorbeigefahren“, sagt er über die Letzte Generation. „Ja und das sagt viel über unsere Gesellschaft aus. Dass es als größter Affront gilt, den fossilen Verkehr aufhalten zu wollen“, sagt El Ouassil.

„Das find ich so krass. Wir haben eine Wirklichkeit und es werden Sachen hingenommen, die komplett inakzeptabel sind“, sagt die 38-Jährige. Zum Beispiel die Zerstörung der Ressourcen oder tausende andere Ungerechtigkeiten wie den Gender Pay Gap oder Kinderarmut. „Dabei betreiben die auch eine Form von Anarchie und stören radikal unseren Alltag, um uns auf die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen.“

Kurt Krömer: „Ich hab schon damals gesagt, bin ein Neo-Clown“

Die beiden diskutieren weiter darüber, wie Anarchie funktioniert und kommen auch auf Lügen in der Politik und die Verschwörungstheorien der AfD zu sprechen, die bei den vergangenen Wahlen in Bayern und Hessen auch bei jungen Wählern enorm viele Stimmen erhalten hat. „Wer kümmert sich jetzt um die Probleme? Die Journalistin oder der Schmuddelclown“, fragt Krömer am Ende der Podcastfolge.

„Es darf einen großen Ernst in der Komik geben. Das Dilemma, das moderne Clowns grade haben“, sagt die Autorin. „Warum bist du nach 25 Jahren der einzige Mensch, der mich versteht. Ich hab schon damals gesagt, bin ein Neo-Clown“, sagt Krömer, der im Podcast auch mal über „Mord und Totschlag“ redet.

In einem seiner ersten Interviews vor 20 Jahren, da habe er das gesagt und sei quasi gefragt worden, ob er zum Zirkus gehe und ob er als dummer August oder als weiß-angemalter Clown gehe. „Deswegen habe er irgendwann damit aufgehört und sich Komiker genannt. El Ouassi ist entsetzt und fordert erneut: „.Wir müssen den Begriff ‚Clown‘ neu interpretieren!“

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Rubriklistenbild: © Eibner/IMAGO

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