VonJana Stäbenerschließen
Eine Mutter ärgert sich über die Aktionen ihrer Schwiegermutter im Zusammenhang mit der Einschulung. „Mir würde das auch gegen den Strich gehen.“
Die Sommerferien 2025 neigen sich dem Ende zu. Vorschul-Kinder kommen in die Schule und ihr erster Schultag wird entsprechend gefeiert: Laut einer Umfrage des Preisvergleichsportal Idealo geben Eltern hierzulande durchschnittlich 666 Euro für die Einschulung aus. Manche eskalieren und füllen alleine die Schultüte mit Geschenken im Wert von 700 Euro.
„Es gibt einen allgemeinen Trend, was Schultüten und Kinderfeiern wie Geburtstagsfeiern angeht. Alles wird größer, toller und damit auch teurer“, sagt Kordula Gruhn, Diplom-Psychologin bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE), BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media. Bei vielen Eltern gehe es unbewusst um „Prestige“ und Vergleiche mit anderen. Manchmal sind es bei der Einschulung jedoch nicht sie, sondern die Großeltern, die eskalieren.
Großeltern können bei der Einschulung „ziemlich belastend“ sein
„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich da jetzt noch was machen soll oder es einfach sein lassen soll“, schreibt eine deutsche Mutter am 11. August 2025 auf Reddit. Bei ihr sei am kommenden Samstag die Einschulungsfeier ihrer Tochter, zu der beide Großeltern eingeladen seien. Ihrer eigenen Mutter habe sie gesagt, dass ihr Mann für die Tochter eine große und den kleinen Bruder schon eine kleine Schultüte bastele und sie deswegen keine extra Schultüte schenken solle. Die habe das akzeptiert.
Nicht so ihre Schwiegermutter. Sie plane, der Enkelin zur Einschulung die alte Schultüte ihres Sohnes zu schenken, weil sie ihr das irgendwann mal versprochen habe. Für den kleinen Bruder habe sie „eine mit Autos drauf gekauft“, erzählt die Mutter. „Vor Wochen hatte sie mit mir über ein Einschulungsgeschenk telefoniert und gar nichts davon erwähnt.“ Sie finde es „total blöd“, dass die Kinder jetzt mehrere Schultüten bekommen sollen. „Bin ich da zu empfindlich oder darf ich da zu Recht verärgert sein?“, fragt sie auf Reddit.
„Mir würde das auch gegen den Strich gehen. Ich mag es auch nicht, wenn die Großeltern so übertrieben viel schenken“, schreibt eine Person und sieht darin ganz klar ein „Konkurrenzding“. Eine Mutter kommentiert, dass es sie eher störe, wenn Leute ihren Kindern „Zeugs versprechen. Ich hasse das. Warum wird meinem Kind ohne vorheriger Absprache mit den Eltern was versprochen? Egal. Nervt mich.“ Eine weitere rät, das gleich vorher zu kommunizieren, damit es am Tag dann „keine unnötigen Konflikte“ gebe. „Das mit den Versprechen würde ich auch ansprechen. Ich finde das echt ziemlich belastend.“
„Mein Patenkind hat am Samstag mindestens sieben Schultüten bekommen“
Die Großmutter habe diesen schönen Schultüten-Moment ja schon mit ihren eigenen Kindern, also dem heutigen Vater gehabt, finden einige Mütter auf Reddit. „Zumal Eltern eben auch einen Großteil der Care-Arbeit leisten: Ich sehe solche Momente irgendwie auch ein Stück weit als Belohnung dafür“, schreibt eine Person. „Ich finde zwei Schultüten irgendwie auch komisch und mag auch den Trend nicht, dass immer mehr und größer geschenkt werden muss.“
Nicht alle denken so über das Eskalieren bei der Einschulung „Verstehe das Problem nicht. Ich schenke sogar meinem Neffen eine kleine Schultüte und er bekommt von seinen Eltern die große und von den Großeltern und mir eine kleine“, kommentiert eine Person. „Mein Patenkind hat am Samstag mindestens sieben Schultüten bekommen, ich hatte damals sogar zehn.“
„Konflikte zwischen Eltern und Großeltern rund ums Schenken entstehen oft durch unterschiedliche Werte und Vorstellungen“, sagt die Sozialpädagogin Dana Mundt BuzzFeed News Deutschland. Sie arbeitet seit über zehn Jahren in der BKE. Weil Kinder „unglaublich sensible Antennen“ hätten und sofort spürten, wenn ein Geschenk den Eltern nicht gefalle, sei es wichtig, dass Eltern offen und ehrlich mit Verwandten über Geschenken sprechen. „Die Eltern kennen die Interessen ihrer Kinder in aller Regel am besten“, sagt Mundt. Sie wüssten, was diese im Alltag wirklich brauchen und nutzen.
Wenn sich mehrere Familienmitglieder an einem Geschenk beteiligen, könne etwas besonders Sinnvolles oder Schönes geschenkt werden – etwa ein Fahrrad oder ein komplettes Schulranzen-Starterset. Das kann sinnvoller sein als sieben Schultüten. Auch gemeinsame Zeit könne ein wertvolles Geschenk sein – etwa ein Ausflug, ein Kinonachmittag oder ein gemeinsamer Besuch im Zoo. „Solche Erlebnisse schaffen bleibende Erinnerungen und stärken die Beziehung. Oft weit mehr als ein weiteres Spielzeug“, sagt die Pädagogin.
Rubriklistenbild: © Sebastian Willnow/dpa


