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Im Bürgersaal informierte die Stadtverwaltung über die Hauptstraßen-Sanierung und das Risse-Gelände. Was dort entsteht, wann die Bagger rollen könnten und bei welcher Hauptstraßen-Maßnahme die Bürger deutliche Kritik äußerten.
Warstein - Auch wenn unter anderem Heiner Krick, Fachbereichsleiter Infrastruktur, und Sascha Gödecke, Leiter der Stadtwerke, Stuhl um Stuhl nachstellten, am Ende mussten dennoch einige Warsteinerinnen und Warsteiner stehen. Es gab schlichtweg keine weiteren Stühle mehr im Rathaus, so groß war das Interesse an den „zwei absoluten Zukunftsprojekten“, wie sie Bürgermeister Dr. Thomas Schöne bezeichnete: Ausbau des Risse-Geländes und Sanierung der nördlichen Hauptstraße von Rangekreuzung bis Talstraße.
Ausbau des Risse-Geländes
Von „einzigartigem Potenzial“ und einer „Riesen-Chance“ sprach Sabine Leitner, Fachbereichsleiterin Bauen und Wohnen: Das Risse-Gelände soll in Zukunft zu einem Quartier aus Pflege, Gastronomie, Leben und Handel werden. Viel Zeit und Geld hat darin bereits die Eigentümerfamilie Risse investiert, die bei der Bürgerversammlung in der ersten Reihe Platz nahm. Das Wort ergreifen mussten Raymund oder Marius Risse aber nicht, das übernahm „ihr“ Architekt Thomas Maass vom „MOR“-Architektur- und Stadtplanungsbüro. „Das Gelände ist ein beeindruckender kleiner Schatz“, schwärmte der. 7,5 Hektar Gesamtfläche, rund 4,5 Hektar davon sollen bebaut werden. Insgesamt 17 000 Quadratmeter Nutzfläche.
Womit bebaut? Im Norden soll eine Kita entstehen und im Süden ein Drogeriemarkt sowie beispielsweise ein Textil-Einzelhändler. Dazwischen das Herzstück, eine Senioren-Pflegeeinrichtung mit Wohnungen, architektonisch kombiniert mit einem „Vollsortimenter“-Supermarkt. Im Westen, an der Wäster wiederum, Service-Wohnungen mit einem Café im Erdgeschoss. Hinzukommen insgesamt 240 Parkplätze über das Gelände verteilt. Die Anbindung soll über die bestehende Wästerbrücke stattfinden, die allerdings ausgebaut werden müsste – der Verkehr würde dann dauerhaft per Ampelschaltung geregelt. „Da gibt es keine verkehrlichen Probleme“, schilderte Architekt Maass. Dennoch kam die Frage aus der Schar der Interessierten, ob man das Risse-Gelände nicht besser verkehrlich über das Hüttengelände anbinden könne. Dafür würde dann Grunderwerb nötig, bei den derzeitigen Planungen hingegen nicht, argumentierte Martin Kramme vom Sachgebiet Stadtentwicklung. Auch ein Geh- und Radweg über das Risse-Gelände sei Teil der Planung.
Monika Kollmar vom Büro „GMA“ ging anschließend auf das Einzelhandelskonzept für das Risse-Gelände ein. Sie sehe in dem, was auf dem Risse-Gelände geplant werde, eine „sehr gute Lösung“, auch wenn die bereits stationierten Händler „Wettbewerbswirkung“ spüren werden, so Kollmar – insbesondere die an der alten Kreisstraße. Diese hätten aber nach wie vor den Vorteil, dass dort mehrere Anbieter seien. Hoffnung macht sich Martin Kramme in jedem Fall, dass durch die lediglich rund 650 Meter Distanz zwischen Risse-Gelände und Marktplatz auch weitere Teile der Innenstadt wieder belebt würden. „Wenn alles glattläuft, wäre das Planungsrecht in einem Jahr realistisch“, schilderte er anschließend. Dann ginge es mit Bauanträgen und Co. los. Wann die Bagger im besten Fall über das Risse-Gelände rollen könnten? „Das kann schon 2026 oder 2027 möglich sein.“
Ausbau der Hauptstraße
Schneller gehen wird es da bei der Hauptstraße. Wenngleich die Belastungen durch dieser Baustelle weitaus größer für die Warsteinerinnen und Warsteiner sein werden. Schon jetzt bat Heiner Krick, Fachbereichsleiter Infrastruktur, um „Verständnis und Geduld“, aber es gehe um eine „langfristige Verbesserung“. Wie genau die aussehen soll, schilderte Planer Volker Finger aus Sundern. Auf die Warsteiner käme erst einmal aber „Dauerstress“ zu.
Einen eigenen Radweg sehen die Sanierungspläne nicht vor, dafür fehlt der Platz. Stattdessen werden aber die Gehwege von Rangekreuzung bis Talstraße ausgebaut, weiterhin wird es darauf heißen „Radfahrer frei“ – idealerweise werde man eine kombinierte Radweg-Lösung mit dem Risse-Gelände finden. Auf der Rangestraße werde es eine Querungshilfe für Radfahrer geben, dann führe der Weg entlang der Sparkassen-Filiale zur Hauptstraße. Breiter werden die Wege, teils mit Hecken und Bäumen von der Fahrbahn abgegrenzt. Am Fahrbahnrand der Hauptstraße werden es deutlich weniger Parkplätze, neue entstehen unter anderem aber auf dem Gelände der Brandruine des ehemaligen Rusticas, die noch in diesem Jahr abgerissen werden soll. Zudem sei eine Auffahrt vom Risse-Gelände kommend in Richtung Belecke bereits in die vorangehende Hauptstraßen-Sanierung eingeplant. Solange diese nicht genutzt werde, werden dort Parkplätze markiert, erklärte Finger. Die Linksabbiegerspur auf der Belecker Landstraße in Richtung Suttrop fahrend werde hingegen verkürzt und bepflanzt.
An Rangekreuzung – „die bleibt, wie sie ist“, so Finger – und Einmündung Mühlenbruch/B55 werde sich nichts beziehungsweise nicht viel ändern. Außer, dass bei zweiterem die Gehwege verbreitert werden. Dass dort keine bessere Lösung gefunden werde, stieß am Dienstagabend auf Kritik. „Der Verkehr ist eine Katastrophe“, schilderte Anlieger Christian Tüllmann. Die Entscheidung liege bei Straßen.NRW, nicht bei der Stadt oder ihm als Planer, schilderte Volker Finger. „Die Warsteiner sind von Straßen.NRW in der Vergangenheit schon sträflich vernachlässigt worden“, machte Wolfgang Landfester seinem Unverständnis Luft: „Diese Kreuzung ist ein gefährlicher Punkt, hier muss eine Ampelanlage hin.“ Das, genauso wie eine erneute zeitweise „Aufm Bruch“-Sperrung während der Baustellenzeit, wolle man „mitnehmen“ und besprechen, schilderte Schöne abschließend. Der erste Bauabschnitt im Bereich der Kreisstraßen-Einmündung werde vermutlich noch im späteren Frühjahr beginnen, ebenso wie Straßenbauarbeiten auf der Rangekreuzung. In 2026 folgen dann die nördliche Hauptstraße sowie der Abschnitt der Belecker Landstraße bis zur Talstraße. Geplant seien jeweils einseitige Sperrungen, zeitweise müsse aber auch komplett gesperrt werden.
Pläne liegen aus
Weitere Informationen gibt es unter www.warstein.de. Dort können auch Stellungnahmen zum Risse-Gelände abgegeben werden, Fragen beantworten zudem Sabine Leitner und Martin Kramme im Technischen Rathaus, wo die Pläne ebenso ausliegen.


