Porträt zur Europawahl

FDP-Kandidatin Strack-Zimmermann: Die Preußin

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Marie-Agnes Strack-Zimmermann gibt für die Europawahl mächtig Gas und macht (fast) vergessen, dass sie für die FDP antritt. Ein Porträt.

Berlin – Auf Seite 101 rückt sie dann mit der Rede heraus. Alles davor, das kennt man schon von Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Auf den 133 Seiten ihres programmatischen Buches „Streitbar“ bekommt man das noch mal geballt. Und dann eben auf Seite 101: „Ein eigener Kommissar für Verteidigungspolitik könnte die verstärkten Bemühungen der Mitgliedsstaaten koordinieren und gezielt vorantreiben“.

Strack-Zimmermann mit Kompetenz in der Verteidigung

Keine Frage, wer für ein Verteidigungsressort in der EU nach der Europawahl am 9. Juni infrage käme. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Februar 2024 – „Streitbar“ erschien Ende 2022 – versprach EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen denn auch, im Falle einer zweiten Amtszeit einen Verteidigungsposten in ihrer Kommission zu schaffen. Vordergründig skeptisch merkte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck an: Das sei eine „wunderbare Idee“, deren Finanzierung er aber noch als ungelöst ansehe.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist FDP-Spitzenkandidatin zur Europawahl. (Archivfoto)

Eine Absage? Vielleicht. Oder vielleicht: Wenn das Hand und Fuß hat mit dem neuen Job, wenn möglichst viele EU-Mitglieder dahinterstehen, dann können wir uns auch hinsetzen und ernsthaft beginnen, Europa verteidigungsfähig zu rechnen. Wie als Replik darauf formuliert Strack-Zimmermann in ihrem „Prêt-à-Portrait“ (eine gewitzte Youtube-Reihe über die Bundestagsabgeordneten der FDP): „Bevor wir eine europäische Armee bekommen, muss es erstmal eine einheitliche europäische Außen- und Verteidigungspolitik geben“. Schwierig? „Das ist ’ne Herausforderung. (...) Verantwortung zu übernehmen, macht auch Freude.“

Die bisher erschienenen Porträts zur Europawahl 2024:

Ursula von der Leyen will ein zweites Mal EU-Kommissionspräsidentin werden. Für die Macht muss sie bei ihren Überzeugungen weiter Abstriche machen. 

Dem CSU-Spitzenkandidaten blieb 2019 der Spitzenjob der EU verwehrt. Jetzt tritt er bei der Europawahl an - hier geht es zum Porträt von Manfred Weber.

Der Spitzenkandidat der Linken für die Europawahl, scheut auch vor Auseinandersetzungen mit dem Bundeskanzler nicht zurück. Hier finden Sie das Porträt von Martin Schirdewan.

Kein Parteimitglied und trotzdem Spitzenkandidatin der Linken für die Europawahl 2024. Hier finden Sie das Porträt zu Carola Rackete.

Trotz des Abwehrkampfs gegen rechts versucht die Grünen-Kandidatin Terry Reintke, eine positive Perspektive auf Europa zu bewahren.

Die SPD-Spitzenkandidatin hat Eigenschaften, die bei Politikern selten anzutreffen sind. Das Porträt von Katarina Barley finden Sie hier.

Für die AfD wird er wegen Spionagevorwürfen immer mehr zum Problem: Spitzenkandidat Maximilian Krah, hier im Porträt.

Für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) tritt ein Finanzexperte an, der für seine Kritik an Cum-Ex-Geschäften und der europäischen Geldpolitik bekannt ist. Hier geht es zum Porträt von Fabio de Masi.

Sie ist Spitzenkandidatin der Freien Wähler für die Europawahl und verabschiedet sich vom Dirndl – a bisserl. Ein Porträt von Christine Singer.

Eine Übersicht der Porträts finden Sie auch in unserem Onlinedossier

Nimmt man die chronisch verzweifelte Ungeduld europäischer Partner:innen mit dem großen Zauderer im Bundeskanzleramt, dann scheint Strack-Zimmermann gleich noch mehr für ein Verteidigungskommissariat prädestiniert. Im Gegensatz zur deutschen Sphinx Olaf Scholz ist die Freidemokratin konstruktiv, beredt, gewitzt. Was man halt braucht, um in Europa zu überzeugen. Spätestens seit dem 24. Februar 2022 beweist sie das ein ums andere Mal im Bundestag, wenn sie den Jungensclub um den Kanzler vor sich hertreibt, wenn sie Union und AfD reinreibt, was die einen unter Merkel alles versaut haben und was die anderen niemals draufhaben würden.

Strack-Zimmermann: schulmeisterliche Autorität

Überhaupt die AfD und deren Gleichen in der EU: Strack-Zimmermann hat schon mehrfach unter der Reichstagkuppel gezeigt, wie einer ihrer Leitsprüche – „Keine Toleranz für die Intoleranz“ – in der parlamentarischen Praxis anzuwenden ist: in der Sache ernsthaft, im persönlichen Umgang unbeugsam und ansonsten immer die perfekte schulmeisterliche Autorität gegenüber der verhaltensauffälligen Rasselbande: Pardon wird nicht gegeben. „Ich bin eine stolze Abgeordnete“, hat sie dem „Spiegel TV“ mal gesagt. Man kann das durchaus als Drohung verstehen.

Das hat mehr Methode, als man zuerst denken mag. In der heute noch gültigen Neubewertung Preußens von Hans Scholz in seinem „Am grünen Strand der Spree“, erschienen 1955, lässt er einen Erzähler postulieren: „Repräsentanten des (preußischen) Typs können auch anderswo geboren sein“. Und Preußentum, die Idee, sich selbst hintanzustellen und zuvorderst der Allgemeinheit zu dienen, bewege sich als „Seelenmechanismus“ stets auf einem schmalen Grad zwischen überzogener Selbstverleugnung und schamlosem Zynismus.

Ruhe wie beim hanseatischen Helmut Schmidt?

Strack-Zimmermann vermittelt den Eindruck, sie könne zwischen den Extremen ziemlich gut balancieren. Man vermeint, eine selten gewordene innere Ruhe auszumachen, ein Selbstvertrauen, wie man es zuletzt bei dem hanseatischen Preußen Helmut Schmidt erlebte. Und wie zig andere Geistes-Preußinnen und -Preußen vor ihr, so kontrastiert diese Selbstvergewisserung mit der Ungeduld mit all jenen, die quasi dem „inneren Schweinehund“ freie Fahrt lassen, die – eben völlig unpreußisch – sich vor die Allgemeinheit setzen und nur der schnellstmöglichen Selbstbefriedigung dienen.

Im Podcast „Freiheit deluxe“ mit Jagoda Marinic meinte sie dazu mal – Klartext, selbstredend: „Wir sind eine aufgeregte Gesellschaft geworden. Das nervt total“. Solcher Klartext kann ihr manche Sympathie verscherzen – und tut es wohl auch. Aber sie wäre nicht die Geistes-Preußin, wenn sie sich von beleidigten Leberwürsten beeindrucken ließe.

Strack-Zimmermanns Pointen: „Wen ich lieber verarsche? Die ,Heute Show‘“

Dass ihr von Haus aus ein rheinischer Schalk im Nacken sitzt, tut ein Übriges dazu, jene idealistische Strenge zu kaschieren. Man erinnere sich an ihren jetzt schon legendären „Flugzwerg“-Auftritt beim Aachener Karneval, an die zig Male, wo sie Fernseh-Comedians vorgeführt hat: „Wen ich lieber verarsche? Die ,Heute Show‘.“ Ihr blitzschnellen, blitzgescheiten Pointen – „Wo liegt die Zukunft der Union? Auf dem Friedhof.“ (bei einem CDU-Quiz der „Heute Show“) – lassen manche unken, das sei bloß nichtssagende Clownerie für die Quote.

Aber Strack-Zimmermann setzt dem die mit der preußischen Idee einhergehende Demut entgegen: „Jeder Tag ist eine Lehre“, reflektierte sie im „Spiegel TV“, alles politische Tun könne nur für und mit den Menschen geschehen. Das ist eine gängige Polit-Worthülse, aber Strack-Zimmermanns typische Intensität macht daraus praktisch eine Selbstverpflichtung. Über die man aber auch nicht machtversessen zu werden braucht: „Politik ist ja immer nur eine geliehene Zeit.“ Will sagen: Irgendwann ist es auch mal gut. Nur eben jetzt, hier und heute ist Strack-Zimmermann nicht mal in der Nähe von genug.

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

Olaf Scholz spricht zur Energiepolitik.
Olaf Scholz (SPD) ist der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Politisch wird er dem konservativen Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet. Lange Zeit galt er als reiner „Scholzomat“ – ein Spitzname, den er sich wegen seiner mechanisch wirkenden Sprechblasen in seiner Zeit als Generalsekretär unter Kanzler Gerhard Schröder verdiente. Kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine kündigte er in einer Sondersitzung des deutschen Bundestages einen Wandel der deutschen Politik an: „Wir erleben eine Zeitenwende.“  © Britta Pedersen/dpa
Robert Habeck auf Deutschlandtour.
Robert Habeck ist Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz sowie Stellvertreter des Kanzlers. Vom 27. Januar 2018 bis zum 14. Februar 2022 hatte er zusammen mit Annalena Baerbock den Bundesvorsitz der Partei Bündnis 90/Die Grünen inne. Habeck ist auch als Schriftsteller tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch veröffentlichte er mehrere Romane, u.a. Hauke Haiens Tod (2001). © Soeren Stache/dpa
Jörg Kukies kommt zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt.
Am 7. November 2024 hat Jörg Kukies das Amt des Finanzminister übernommen. Der Sozialdemokrat Kukies ist derzeit Staatssekretär im Kanzleramt und gilt als einer der wichtigsten Berater von Kanzler Scholz. Er ist sein Mann für Wirtschaft und Finanzen und verhandelt für ihn die Abschlussdokumente der G7- und G20-Gipfel.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Lindner im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022.
Christian Lindner ist Bundesminister der Finanzen im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker ist seit dem 7. Dezember 2013 Bundesvorsitzender der Liberalen. Schon 2017 sah es lange so aus, als würde die FDP an der Regierung beteiligt sein. Doch nach vierwöchigen Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition erklärte Lindner die Verhandlungen schließlich für gescheitert. Seine Begründung: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren!“ © Emmanuele Contini/Imago
Nancy Faeser (SPD), alte und neue Landesvorsitzende der SPD in Hessen und Bundesinnenministerin, freut sich über ihre Wiederwahl.
Nancy Faeser führt im Kabinett Scholz als erste Frau das Bundesministerium des Innern und für Heimat. Die Juristin ist seit dem 2. November 2019 Vorsitzende der SPD Hessen. Zuvor war sie 16 Jahre lang Abgeordnete des Hessischen Landtags und ab 2019 als Vorsitzende der hessischen SPD-Fraktion auch Oppositionsführerin. Zudem war sie Spitzenkandidatin der SPD bei der Landtagswahl in Hessen 2023. Als Abgeordnete im Landtag erhielt sie zwei Drohbriefe, die mit NSU 2.0 unterschrieben waren. © Andreas Arnold/dpa
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. © Thomas Imo/Imago
Marco Buschmann FDP, Bundesjustizminister, stellt Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz vor.
Marco Buschmann war bis zum 7. November 2024 Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker war von Oktober 2017 bis Dezember 2021 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Im Herbst 2020 warnte er während der Corona-Pandemie vor einer Verfassungskrise. Buschmann war auch Mitkoordinator der erfolgreichen Verfassungsklage der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel. Nach dem Rauswurf von Finanzminister Christian Lindner verließ Buschmann die Ampel.  © Jürgen Heinrich/Imago
Volker Wissing, Bundesverkehrsminister FDP, vor der Kabinettssitzung im Berliner Kanzleramt Bundeskanzleramt in Berlin
Volker Wissing wurde nah dem Ampel-Aus für sein Ausscheren aus dem Kurs von FDP-Parteichef Christian Lindner belohnt. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr erhielt zusätzlich das Justizressort. Einer der letzten großen Ampel-Fans in der FDP zog nach dem Koalitionsbruch Konsequenzen: In einem beispiellosen Schritt trat er aus der Partei aus und bleibt bis zu den geplanten Neuwahlen als Parteiloser im Amt. Der Jurist war vom 19. September 2020 bis zum 23. April 2022 Generalsekretär der FDP. Wissing gibt als Hobby Weinbau an, vor allem im familieneigenen Weingut.  © Stefan Boness/Imago
Hubertus Heil besucht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau.
Hubertus Heil ist im Kabinett Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales – ein Amt, das der SPD-Politiker bereits seit dem 14. März 2018 innehat. Heil ist seit Dezember 2019 stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Von November 2005 bis November 2009 und von Juni bis Dezember 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Heil spricht sich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro aus, eine Erhöhung des Rentenalters auf über 67 Jahre lehnt er ab. © M. Popow/Imago
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

Aufstieg in der Politik: Der Weg von der Vizebürgermeisterin Düsselsdorfs in die Bundespolitik

Ihre Lebensdaten tun nur wenig dazu, ein politisches Profil der Kandidatin auszupolstern: geboren 1958 in Düsseldorf, Mutter wie Vater in der CDU, was allerdings wohl eher ein Bekenntnis zur Bonner Adenauer-Republik ist denn eine konservative Überzeugung. Immerhin soll es der Vater sein, der sie ermahnt, stets auf eigenen Füßen zu stehen – eine ungewöhnliche Haltung für einen aus der Kriegsgeneration. Dass man sich manchmal auch gegen alle behaupten muss, lernt sie als Fan von Fortuna Düsseldorf.

Dass Bauchentscheidungen oft richtig sind, verinnerlicht sie, als sie den Berufswunsch Radiojournalistin fahren lässt (wohl ein Verlust für die Innung) und des Eheglücks wegen eine Verlagskarriere macht. In der Folge gibt es weitere Bauchentscheidungen, aus lokaler Empörung politisch aktiv zu werden, in den Düsseldorfer Stadtrat zu gehen, Vizebürgermeisterin zu werden, auf Drängen Christian Lindners in die Bundespolitik zu wechseln, im Verteidigungsausschuss des Bundestages wortgewaltig für die Ukraine einzustehen.

Und nun für das Europäische Parlament zu kandidieren. „Europa ist mal angetreten, um groß zu sein und nicht, um in Details zu gehen“, sagte sie zum Europa-Parteitag der FDP dem Welt-Sender. Der Nebensatz ginge wohl auch prägnanter: „... um sich nicht in Details zu verlieren“. Details klärt man en passant. Das passt zum ultimativen Plakat dieser EU-Wahl, das nur ihren bohrenden Blick zeigt und darüber: „Es ist nicht egal. Es ist Europa“. Mehr Worte gegen den rechtsradikalen Aufmarsch braucht es nicht. Die politische Marke Strack-Zimmermann weiß sich zu verkaufen.

Das Verhältnis FDP und Strack-Zimmermann

Die vielleicht einzige Schwäche ist das Parteikürzel. Die FDP wird halt ihr neoliberales Odium nicht los, die Clique spätpubertierender Jüngelchen (man erinnere sich an Philipp Rösler), der Wahlverein von Sparkassenleitern aus der Provinz (man erinnere sich lieber nicht an Jürgen Möllemann). Da kann eine ganze FDP-Reihe an Justizminister:innen eine tolerantere Gesellschaft implementieren, es bleibt immer nur übrig, was um vorgebliche fiskalische Disziplin bemühte FDP-Obere verhindern.

Passt Marie-Agnes Strack-Zimmermann da rein? Ja. Denn keine andere demokratische Partei (undemokratische sind unter ihrer nicht geringen Würde) würde so recht zu ihr passen. In der FDP können – in leider viel zu großen Abständen – echt liberal Gesinnte immer noch mal reüssieren. Solche wie Hildegard Hamm-Brücher und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Das mit diesen Doppelnamen ist allerdings schon kurios.

Rubriklistenbild: © Hannes P Albert/dpa

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