Porträt zur Europawahl

Katarina Barley ist SPD-Kandidatin zur Europawahl: Klare Kante gegen rechts

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Für SPD-Spitzenkandidatin Katarina Barley ist der wachsende Einfluss von Rechtsextremen das Hauptthema für die nächste Legislaturperiode des EU-Parlaments. Ein Porträt.

Über Katarina Barley hört man in Straßburg Worte, von denen die SPD in Berlin nur träumen kann. „Sie ist exzellent“, sagt ein Linken-Mitarbeiter im Abgeordnetenhaus und deutet auf die Tür zur Vize-Präsidentin des EU-Parlaments. Seit fünf Jahren hat die 55-jährige Sozialdemokratin aus Deutschland diesen Posten inne. Und geht es nach ihr, der SPD-Spitzenkandidatin, soll das nach der Europawahl am 9. Juni so bleiben.

NameKatarina Barley
Geboren19. November 1968
ParteiSozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
AmtMitglied des Europäischen Parlaments seit 2019, Geschäftsführende Bundesministerin für Arbeit und Soziales (2017 bis 2018), Mitglied des Deutschen Bundestages (2013 bis 2019)

Bis zu ihrem Wechsel in die Volksvertretung der Europäischen Union hatte die promovierte Volljuristin innerhalb der SPD eine steile Karriere hingelegt. Mit 26 Jahren war die in Köln geborene Tochter eines Briten und einer Deutschen 1994 während ihres Studiums in die Partei eingetreten. Die SPD habe sie sich als politische Heimat ausgesucht, weil diese eine Volkspartei sei, begründete sie ihre Wahl in einem Podcast der Zeit: „Wir leben im Zeitalter der Filterblasen, und auch politische Parteien können Filterblasen sein.“ An der Sozialdemokratie gefalle ihr, dass die alle Gruppen der Gesellschaft in den Blick nehme, von Hartz IV bis zum Topmanagement, und nicht nur ein bestimmtes Klientel.

SPD-Spitzenkandidatin bei der Europawahl: Barley in Deutschland kaum präsent

Die Sympathie erwies sich als beiderseitig: Keine zehn Jahre nach dem Parteieintritt saß Barley im Bundestag, wurde 2015 SPD-Generalsekretärin, dann Bundesfamilienministerin sowie -arbeitsministerin und schließlich 2018 Bundesjustizministerin. Diesen Posten hatte sie erst ein knappes halbes Jahr inne, als sie sich im Oktober 2018 als Spitzenkandidatin für die EU-Wahl 2019 nominieren ließ.

Die bisher erschienenen Porträts zur Europawahl 2024 im Überblick:

Die Preußin: Marie-Agnes Strack-Zimmermann gibt für die Europawahl mächtig Gas und macht (fast) vergessen, dass sie für die FDP antritt. Ein Porträt.

Ursula von der Leyen will ein zweites Mal EU-Kommissionspräsidentin werden. Für die Macht muss sie bei ihren Überzeugungen weiter Abstriche machen. 

Kein Parteimitglied und trotzdem Spitzenkandidatin der Linken für die Europawahl 2024. Hier finden Sie das Porträt zu Carola Rackete.

Trotz des Abwehrkampfs gegen rechts versucht die Grünen-Kandidatin Terry Reintke, eine positive Perspektive auf Europa zu bewahren.

Für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) tritt ein Finanzexperte an, der für seine Kritik an Cum-Ex-Geschäften und der europäischen Geldpolitik bekannt ist. Hier geht es zum Porträt von Fabio de Masi.

Für die AfD wird er wegen Spionagevorwürfen immer mehr zum Problem: Spitzenkandidat Maximilian Krah, hier im Porträt.

Sie ist Spitzenkandidatin der Freien Wähler für die Europawahl und verabschiedet sich vom Dirndl – a bisserl. Ein Porträt von Christine Singer.

Eine Übersicht der Porträts finden Sie auch in unserem Onlinedossier

Als sie 2013 ins Berliner Parlament eingezogen war, erkundigte sich die Bundestagsverwaltung nach ihrer Einbürgerungsurkunde. Was wie eine Anekdote klingt, war für sie die Erfahrung, plötzlich Ausländerin zu sein, schilderte sie später. Nach einer ersten Ehe mit einem Spanier heiratete die Mutter zweier Söhne 2020 einen Niederländer. Ruft er an, erscheint auf ihrem Handy-Display das Hochzeitsfoto und sie wechselt mitten im Gespräch ins Niederländische. Nach ihrem Studium in Marburg, Paris und Münster und beruflichen Stationen in Hamburg und Mainz lebt die Sozialdemokratin seit vielen Jahren in der Nähe von Trier in Rheinland-Pfalz.

In Deutschland wenig präsent: Katarina Barley.

Wer sich in Deutschland für Katarina Barley interessiert, der muss zu später Stunde TV-Talkshows einschalten, in denen sie ab und an zu sehen ist. In der deutschen Öffentlichkeit tritt sie seit ihrem Wechsel auf die EU-Ebene und außerhalb des Wahlkampfs selten in Erscheinung. Das hänge auch damit zusammen, dass über die EU schlicht weniger berichtet werde, sagt sie in ihrem Büro in Straßburg. Die EU-Abgeordneten verbrächten viel Zeit in Straßburg und Brüssel. Das EU-Parlament hat 42 Sitzungswochen, der Bundestag im Schnitt 22.

Katarina Barley gilt im EU-Parlament als „sichtbar“ und „kompetent“

An den EU-Sitzen dagegen gilt die Vizepräsidentin des Parlaments als präsent. „Sie ist sichtbar“, sagt ein Mitarbeiter aus dem Brüsseler Umfeld. Sie sei „eine der bekannten Abgeordneten“ – von immerhin 705.

CDU.EU

Die SPD freut sich diebisch: Sie hat der CDU etwas stibitzt. Wer ahnt schon, dass man bei den Sozialdemokraten Kanzler Olaf Scholz und EU-Spitzenkandidatin Katarina Barley landet, wenn man in den Browser cdu.eu eingibt. Diese Domain hat sich die SPD gesichert. Damit das niemand übersieht, schreibt sie bei Instagram zu einem Foto von Scholz und Barley: „Wir sichern Frieden und Arbeitsplätze – andere nicht einmal cdu.eu“.

Wer cdu.eu aufruft, sieht als erstes Scholz und Barley wie sie eigenartig zusammenmontiert nebeneinander stehen. Und dann der Witz: „Kein Weg führt an uns vorbei.“

Hat die CDU eine Antwort darauf? Anruf am Montag in der Berliner Parteizentrale. Ein Sprecher macht es kurz: „Kein Kommentar.“

Intern gibt man sich gelassen. Allerdings: Im vorigen Jahr sicherte sich die CDU vor der Wiederholung der Berliner Abgeordnetenhauswahl Internetseiten von Grünen und FDP.

Übrigens: europawahl.cdu.de lautet die echte Domain der CDU. kd

Ein Stichwort, das häufig fällt, wenn die Rede auf Katarina Barley kommt, ist „kompetent“. Fachlich genießt die Juristin einen ausgezeichneten Ruf. Sie ist Feministin, meldet sich regelmäßig zu Gleichstellungsthemen zu Wort. Sie hält gegen Rechtspopulismus an, und vor allem tritt sie hartnäckig für die Rechtsstaatlichkeit ein. Bei Verstößen von EU-Mitgliedsländern gegen rechtsstaatliche Prinzipien beherrsche Barley „das große Besteck“, heißt es in ihrer Partei.

Nicht nur warnte sie immer wieder gegen autoritäre Fehlentwicklungen in Ungarn unter Victor Orbán und in Polen, als von der PiS regiert wurde. Sie forderte früh, Ungarn notfalls den EU-Geldhahn zuzudrehen, falls der missbräuchliche Umbau der Justiz nicht aufhöre. Mittlerweile hat die EU einen Mechanismus geschaffen, um Zahlungen bei Verstößen von Mitgliedsländern zurückhalten zu können. Der absehbare Rechtsruck bei dieser EU-Wahl setzt aus Barleys Sicht das beherrschende Thema für die nächste Legislaturperiode. Was wir im Moment erlebten, sei ein Angriff auf Demokratien von innen und außen, sagt sie. Rechtsaußen-Parteien profitierten von der allgemeinen Verunsicherung vieler Menschen. Demokraten müssten sich klar machen, dass Rechtsaußen beim Stimmenfang geschickt und strategisch vorgehe.

Katarina Barley: zurückhaltend und zugewandt

Konservativen und Liberalen wirft sie vor, behilflich zu sein, um Rechtsextreme salonfähig zu machen. „Oft ist es so: Konservative und sogar Liberale reden demokratisch, blinken aber nach rechts“, sagte sie im Interview mit Ippen Media. „Darin liegt bereits der Fehler: Konservative sowie Liberale verharmlosen und normalisieren Rechtsextreme.“ Für die SPD stehe fest, dass sie auf keinen Fall mit Rechtsradikalen zusammenarbeite. „Wir machen keine Unterscheidung darin, ob manch eine Politikerin wie Giorgia Meloni nach außen europafreundlicher auftritt. Zu Hause macht auch sie das, was Rechtsextreme tun“, sagt die Sozialdemokratin.

Wandel in Europa: Die Geschichte der EU in Bildern

Karte der Europäische Union
Die Europäische Union ist eine wirtschaftliche und politische Vereinigung von 27 europäischen Ländern. Insgesamt leben etwa 450 Millionen Menschen im Gebiet der EU. Ursprünglich als Wirtschaftsverbund gegründet, hat sie sich zu einer Organisation entwickelt, die eine Vielzahl von Feldern abdeckt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist der europäische Binnenmarkt der größte gemeinsame Markt weltweit. Er ermöglicht die freie Bewegung der meisten Waren, Dienstleistungen, Kapital und Menschen. © PantherMedia (Montage)
Römischen Verträge EU
Der Grundstein für die heutige EU wurde am 25. März 1957 gelegt. Die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg unterzeichneten damals die Römischen Verträge. Für Deutschland setzten Kanzler Konrad Adenauer (links) und Walter Hallstein, der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, ihre Unterschriften unter das Dokument. Damit waren die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) besiegelt. © dpa
Margaret Thatcher und François Mitterrand
Am 1. Januar 1973 traten Dänemark, die Republik Irland und das Vereinigte Königreich der EG bei. Einfach war das Verhältnis zwischen Großbritannien und Europa nie. Auch Premierministerin Margaret Thatcher (links) war keine Freundin Europas. Mit der Forderung „We want our money back“ setzte die Eiserne Lady 1984 beim Gipfel in Fontainebleau einen Rabatt bei den Zahlungen Großbritanniens in die Gemeinschaftskasse durch. Verhandlungspartner wie der französische Präsident François Mitterrand (rechts) waren machtlos. © Daniel Janin, Gabriel Duval/afp
Militärjunta in Griechenland
Zum 1. Januar 1981 trat Griechenland der Europäischen Gemeinschaft bei. Die Aufnahme des Landes war heftig umstritten. Europa befürchtete, sich einen unangenehmen Partner ins Nest zu holen. So sorgte zum einen das konfliktreiche Verhältnis Griechenlands zur Türkei für Unbehagen. Noch schwerer wog die Diktatur der rechtsextremen Militärjunta, die erst im Juli 1974 zu Ende gegangen war. Ein interner Machtwechsel am 25. November 1973, als Panzer im Athener Zentrum auffuhren (im Bild), konnte den Wandel nicht mehr aufhalten. © Imago
Von wegen grenzenlos - Ärger in Schengen über Grenzkontrollen
1985 unterzeichneten Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten das „Schengener Abkommen“ über den schrittweisen Abbau der Personenkontrollen an ihren gemeinsamen Grenzen. Die weitgehende Reisefreiheit erleichterte das Leben und Arbeiten in anderen europäischen Ländern erheblich. Alle Bürgerinnen und Bürger der EU haben das Recht und die Freiheit, selbst zu entscheiden, in welchem EU-Land sie arbeiten, studieren oder ihren Ruhestand verbringen möchten.  © Harald Tittel/dpa
Franco und Juan Ćarlos
1986 nahm die EG zwei neue Mitglieder auf: Portugal und Spanien. Damit konnten beide Staaten ihre Isolation auf dem Kontinent beenden. Vor allem für Spanien war der Beitritt in die EG ein markanter Wendepunkt, um die Folgen der jahrzehntelangen Diktatur unter Francisco Franco (rechts) zu überwinden. Juan Carlos (links), der zwei Tage nach Francos Tod am 20. November 1975 zum König proklamiert worden war, spielte eine entscheidende Rolle bei der Überwindung der Diktatur. Bei der Aufnahme des Bildes im Jahr 1971 hatte er noch im Schatten Francos gestanden. © afp
Silvester 1989 am Brandenburger Tor
Eine Erweiterung im eigentlichen Sinne war es nicht. Doch als am 3. Oktober 1990 die Länder der DDR der Bundesrepublik Deutschland beitraten, wurde die EG automatisch um ein gutes Stück größer. Mit der Wiedervereinigung erstreckte sich das gesamte Gemeinschaftsrecht nun auch auf das Beitrittsgebiet. Mit einer Bevölkerungszahl von mehr als 80 Millionen Menschen ist Deutschland seitdem der bevölkerungsreichste Mitgliedsstaat. © Wolfgang Kumm/dpa
Genscher und Waigel unterzeichnen Maastrichter Vertrag
Anfang der Neunziger war die Zeit reif für einen Wandel. Die Römischen Verträge hatten ausgedient. Am 7. Februar 1992 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der EU ein neues Vertragswerk. Für Deutschland unterzeichneten Außenminister Hans-Dietrich Genscher (links) und Finanzminister Theo Waigel (rechts) das Dokument. Der Vertrag von Maastricht zur Gründung der Europäischen Union trat am 1. November 1993 in Kraft. Mit dem EU-Vertrag entwickelte sich die europäische Gemeinschaft zu einer politischen Union. © dpa
Volksabstimmung zum EU-Beitritt in Norwegen 1994
1995 nahm die EU drei neue Länder auf. In Österreich, Schweden und Finnland hatten zuvor die Menschen in Volksentscheiden dem Beitritt zugestimmt. Auch Norwegen ließ das Volk in einem Referendum darüber abstimmen. Doch hier sah das Ergebnis anders aus. 52,2 Prozent der Wahlberechtigten in Norwegen votierten in einer Volksabstimmung gegen einen Beitritt.  © Berit Roald/Imago
Tschechien feiert EU-Beitritt
Neun Jahre später kam es zur ersten Osterweiterung. Am 1. Mai 2004 traten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Malta und die Republik Zypern der EU bei. Die neuen EU-Länder feierten den Beitritt, in Prag (hier im Bild) und anderen Hauptstädten freuten sich die Menschen über eine Zukunft unter dem Dach der EU. Die Europäische Union setzte sich somit aus 25 Mitgliedstaaten zusammen. © Michal Svacek/afp
Rumänien - EU
Der zweite Teil der Osterweiterung ließ nicht lange auf sich warten. Am 25. April 2005 unterzeichneten Rumänien und Bulgarien den Beitrittsvertrag zur EU. Beide Länder wurden zum 1. Januar 2007 in die Europäische Union aufgenommen. Für die Menschen in Bukarest (hier im Bild) gab es also mehr als nur einen Grund, die Nacht zum Tage zu machen. Die Fläche der EU wuchs mit dieser Erweiterung auf etwas mehr als 4,3 Millionen Quadratkilometer.  © Robert Ghement/dpa
Kroatien wird EU-Mitglied
Schon im Juni 2004 war Kroatien der Status eines offiziellen Beitrittskandidaten verliehen worden. Doch die Verhandlungen verzögerten sich mehrmals, erst sieben Jahre später konnten sie erfolgreich abgeschlossen werden. Kurz danach stimmten 66,3 Prozent der Wahlberechtigten bei einem Referendum für den Beitritt in die EU. Am 1. Juli 2013 war schließlich der Zeitpunkt gekommen, um vor dem Europäischen Parlament in Straßburg die Flagge Kroatiens zu hissen. Die EU bestand damit aus 28 Mitgliedsstaaten. © Frederick Florin/afp
EU Parlament Straßburg
Jeder europäische Staat hat laut Artikel 49 des EU-Vertrags das Recht, einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen. Wichtig dabei: „Europäisch“ wird politisch-kulturell verstanden und schließt die Mitglieder des Europarats mit ein. Das betrifft zum Beispiel die Republik Zypern. Eine wichtige Rolle spielt im Beitrittsverfahren das EU-Parlament in Straßburg (im Bild). Verschiedene Delegationen verfolgen die Fortschritte in den Beitrittsländern und weisen auf mögliche Probleme hin. Zudem müssen die Abgeordneten dem EU-Beitritt eines Landes im Parlament zustimmen. Derzeit gibt es neun Beitrittskandidaten und einen Bewerberstaat. © PantherMedia
Edi Rama Albanian EU
Albanien reichte 2009 den formellen EU-Mitgliedschaftsantrag ein – vier Jahre, bevor Edi Rama (im Bild) das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Es dauerte aber noch eine lange Zeit, bis die Verhandlungen beginnen konnten. Grund war ein Einspruch der Niederlande, die sich zusätzlich zu den EU-Kriterien auch die Sicherstellung der Funktion des Verfassungsgerichts und die Umsetzung eines Mediengesetzes wünschte. Im Juli 2022 konnte die Blockade beendet werden und die EU startete die Beitrittsverhandlungen. © John Thys/afp
Bosnien und Herzegowina EU
Auch Bosnien und Herzegowina drängt in die EU. Gut erkennen konnte man das zum Beispiel am Europatag 2021, als die Vijećnica in der Hauptstadt Sarajevo mit den Farben der Flaggen der Europäischen Union und Bosnien und Herzegowinas beleuchtet war. EU-Botschafter Johann Sattler nutzte sofort die Gelegenheit, um das alte Rathaus zu fotografieren. Vor den geplanten Beitrittsverhandlungen muss das Balkanland noch einige Reformen umsetzen. Dabei geht es unter anderem um Rechtsstaatlichkeit und den Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen.  © Elvis Barukcic/afp
Georgien EU
Zum Kreis der EU-Beitrittskandidaten gehört auch das an Russland grenzende Georgien. Das Land, in dem rund 3,7 Millionen Menschen leben, hatte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Aufnahme in die EU beantragt. Auf schnelle Fortschritte im Beitrittsprozess kann Georgien allerdings nicht hoffen. Dabei spielt auch ein ungelöster Territorialkonflikt mit Russland eine Rolle. Nach einem Krieg 2008 erkannte Moskau die abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien (im Bild) und Abchasien als unabhängige Staaten an und stationierte Tausende Soldaten in der Region. © Dimitry Kostyukov/afp
Moldau EU
Seit Juni 2022 gehört auch Moldau offiziell zu den EU-Beitrittskandidaten. Das Land, das an Rumänien und die Ukraine grenzt, reichte kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs das Beitrittsgesuch ein. Am 21. Mai 2023 demonstrierten 80.000 Menschen in der Hauptstadt Chișinău für einen Beitritt Moldaus in die Europäische Union. Die damalige Innenministerin Ana Revenco (Mitte) mischte sich damals ebenfalls unters Volk. © Elena Covalenco/afp
Montenegro EU
Das am kleine Balkanland Montenegro will beim EU-Beitritt zügig vorankommen. Direkt nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten Ende Oktober 2023 verkündete Milojko Spajic (im Bild), dass er den Beitritt Montenegros zur EU vorantreiben und die Justiz im Kampf gegen Korruption und organisiertes Verbrechen stärken wolle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (rechts) hörte es damals sicher gerne. Montenegro verhandelt seit 2012 über einen Beitritt, hatte sich aber vor der Wahl nicht mehr ausgiebig um Reformen bemüht.  © Savo Prelevic/afp
Scholz Westbalkan-Gipfel Nordmazedonien EU
Nordmazedonien kämpft schon seit langer Zeit für den Beitritt in die EU. Leicht ist das nicht. So hat das kleine Land in Südosteuropa aufgrund eines Streits mit Griechenland sogar schon eine Namensänderung hinter sich. Seit 2019 firmiert der Binnenstaat amtlich unter dem Namen Republik Nordmazedonien. Auch Bulgarien blockierte lange den Beginn von Verhandlungen. Bei einem Gipfeltreffen im Oktober 2023 drängte Kanzler Olaf Scholz dann aber auf eine möglichst schnelle Aufnahme der Balkanstaaten in die EU. Nordmazedoniens Ministerpräsident Dimitar Kovacevski (rechts) war sichtlich erfreut. © Michael Kappeler/dpa
Serbien EU
Auch Serbien strebt in die EU. Wann es zu einem Beitritt kommt, scheint derzeit aber völlig offen. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat sich die serbische Regierung geweigert, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Damit ist Serbien der einzige Staat in Europa, der keine Sanktionen verhängt hat. Offen bleibt, welche Auswirkungen das auf die seit 2014 laufenden Verhandlungen über einen EU-Beitritt Serbiens hat. Die politische Führung in Belgrad, die seit 2012 von Präsident Aleksandar Vučić (im Bild) dominiert wird, zeigt zudem wenig Willen zu Reformen. Demokratie und Medienpluralismus höhlt sie zunehmend aus. © Andrej Isakovic/afp
Türkei EU
Die Türkei ist bereits seit 1999 Beitrittskandidat. Die Verhandlungen selbst haben im Oktober 2005 begonnen. Inzwischen hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Beziehungen wieder auszubauen, sofern sich die Regierung in Ankara unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan (im Bild) in einigen Punkten bewegt. Zuvor waren Projekte wie die geplante Modernisierung der Zollunion und eine Visaliberalisierung wegen Rückschritten bei Rechtsstaatlichkeit, Grundrechten und Meinungsfreiheit in der Türkei auf Eis gelegt worden. Ein EU-Beitritt scheint aktuell weiter entfernt denn je. © Adem Altan/afp
Ukraine EU
Im Dezember 2023 wurde der Beginn von Verhandlungen mit der Ukraine grundsätzlich beschlossen. Allerdings muss die Ukraine sämtliche Reformauflagen erfüllen. So waren nach dem letzten Kommissionsbericht manche Reformen zur Korruptionsbekämpfung, zum Minderheitenschutz und zum Einfluss von Oligarchen im Land nicht vollständig umgesetzt. Ohnehin gilt es als ausgeschlossen, dass die Ukraine vor dem Ende des Ukraine-Kriegs EU-Mitglied wird. Denn dann könnte Kiew laut EU-Vertrag militärischen Beistand einfordern – und die EU wäre offiziell Kriegspartei. © Roman Pilipey/afp
Kosovo EU
Kosovo hat einen Mitgliedsantrag eingereicht, jedoch noch nicht den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten erhalten. Das Land hat 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Die Freude darüber war damals bei den Menschen riesengroß. Das Bild macht auch deutlich, dass vor allem Menschen albanischer Herkunft im Kosovo beheimatet sind. Die Flagge Albaniens (links) ist ebenso zu sehen wie die des neuen Landes (hinten). Mehr als 100 Länder, darunter auch Deutschland, erkennen den neuen Staat an. Russland, China, Serbien und einige EU-Staaten tun dies aber nicht. Ohne die Anerkennung durch alle EU-Länder ist eine Aufnahme von Beitrittsverhandlungen aber nicht möglich.  © Dimitar Dilkoff/afp
Banksy-Kunstwerk zu EU und Brexit
Seit dem 31. Januar 2020 besteht die EU nur noch aus 27 Staaten. Nach 47 Jahren verließ das Vereinigte Königreich als erstes Mitgliedsland die Europäische Union. Im Juni 2016 hatte eine knappe Mehrheit in einem Referendum für den Abschied aus der EU gestimmt. Der britische Street-Art-Künstler Banksy kommentierte den Brexit auf seine Art. In der Hafenstadt Dover malte er eine riesige EU-Flagge an eine Hauswand – zusammen mit einem Handwerker, der einen der Sterne entfernt. © Glyn Kirk/afp
Friedensnobelpreis für EU.
2012 wurde die Europäische Union mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Herman Van Rompuy, José Manuel Barroso und Martin Schulz (von links nach rechts) nahmen den Preis bei der Verleihung im Osloer Rathaus am 10. Dezember 2012 in Empfang. © Cornelius Poppe/afp

Auffallend an Katarina Barley ist eine Eigenschaft, die im politischen Geschäft nicht häufig anzutreffen ist: Die schmale, hoch gewachsene Frau ist zurückhaltend. Sie hört zu, ist zugewandt und gleichzeitig zurückgenommen. Als Rednerin gestikuliert sie wenig, legt im Gespräch feminin die Hände übereinander. Die Juristin kann sachbezogen sein bis zur Nüchternheit, ist überlegt und gelassen. Erwartungen, dass eine Spitzenkandidatin den Saal mitreißen sollte, erfüllt sie nicht. Allerdings muss sie ohnehin nicht mehr groß kämpfen: Der Wiedereinzug ins Parlament ist ihr auf dem ersten Platz der SPD-Liste sicher.

Barley rechnet Kanzler großen Einfluss auf EU-Politik zu

Eine Parteifreundin sagt, die Spitzenkandidatin sei keine, die die Ellenbogen raushole. Barley sei nicht raumgreifend, sondern „feinfühlig“ und „diplomatisch“. Andere formulieren das weniger freundlich: „Die Leisetreterin“ überschreibt der Nachrichtendienst „Table Media“ ein Barley-Porträt. Für die EU-Wahlkampagne steht ihr Kanzler Olaf Scholz zur Seite, der ebenso wenig überschäumendes Temperament mitbringt.

Sie selbst wertet die Kombination mit Scholz als taktischen Vorteil. „EU-Politik wird nicht nur im Parlament gemacht, sondern auch im Europäischen Rat“, sagt sie – also im Kreis der Regierungschefs und -chefinnen. Vielleicht werde das in Deutschland nicht so registriert, aber auf internationaler Ebene und innerhalb der EU habe Scholz großen Einfluss. Gute Europapolitik sei nur im Team möglich.

Rubriklistenbild: © AFP

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