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Die Verhandlungen um einen 9-Euro-Ticket Nachfolger laufen. Das neue Angebot könnte auch eine Kooperation mit Flixbus umfassen.
Berlin – Ein Nachfolgeangebot für das ausgelaufene 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn soll Bestandteil des Entlastungspakets 3 sein – viel mehr war und ist bisher nicht bekannt. Außer: Das vergünstigte Monatsticket soll 49 bis 69 Euro kosten. Es regt sich Kritik. Nun werden weitere Details bekannt, denn offensichtlich steht für den Nachfolger des 9-Euro-Tickets auch eine Kooperation mit Flixbus im Raum. Mit dem neuen Angebot könnten Reisende dann auch auf Fernbusse umsteigen.
Nachfolger 9-Euro-Ticket aus Entlastungspaket 3: Reisende können möglicherweise auch Flixbus nutzen
Ein Nachfolger-9-Euro-Ticket im eigentlichen Wortsinne wird es nicht geben, denn eine 9-Euro-Ticket-Verlängerung hat die Ampel unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) offenbar ausgeschlossen – trotz vieler Forderungen. Einen generellen Nachfolger für das Monatsticket wird es hingegen im Entlastungspaket 3 geben – und der könnte eine Erweiterung auf Fernbusse beinhalten. Klar ist, es wird deutlich teurer: Die festgelegte Preisspanne soll zwischen 49 Euro und 69 Euro liegen. Ein 69-Euro-Ticket war zuvor wiederholt diskutiert worden. Laut einer Mitteilung von Flixbus selbst sollen bereits Gespräche mit der Politik zum sogenannten Klimaticket laufen.
Flixbus verfolgt dabei selbstverständlich eigene Interessen, denn das 9-Euro-Ticket hatte dem Verkehrsanbieter wirtschaftlich zugesetzt. Nun will man bei Flixbus Teil eines neuen Angebots in Deutschland sein. Flixbus-Chef André Schwämmlein sagte laut Spiegel-Angaben: „Für Reisende sind Fernbusse seit Jahren das erschwinglichste und umweltfreundlichste Verkehrsmittel überhaupt – daher finde ich die Idee eines Klimatickets grundsätzlich super“. Schwämmlein betont in der Debatte um einen 9-Euro-Ticket-Nachfolger die schlechte Anbindung im ländlichen Raum und ergänzt nicht ganz selbstlos: „Wenn ein künftiges Klimaticket vollständig und für alle verfügbar sein soll, gilt: Ohne Fernbus geht es nicht. Wir stehen bereit, um die Verkehre zu entlasten“.
9-Euro-Ticket Verlängerung bleibt aus: Kritik an Budget aus Entlastungspaket 3 für ÖPNV
Die 9-Euro-Ticket-Verlängerung bleibt aus, was wiederum vielerorts auf Kritik stößt. Insbesondere für Menschen mit geringen Einkommen ist der Unterschied zwischen 9 Euro, 49 Euro oder 69 Euro erheblich – ob das der Politik bewusst ist oder nicht. Der Armutsforscher Christoph Butterwegge kritisiert das für den ÖPNV vorgesehene Budget aus dem Entlastungspaket 3 in der Kreiszeitung mit deutlichen Worten. Er sieht insgesamt eine Schieflage bei den festgelegten Entlastungen der Ampelkoalition.
Butterwegge erklärt: „Arme können sich ein Monatsticket für 49 oder 69 Euro gar nicht leisten, weil im Regelbedarf nur 40 Euro monatlich für Verkehr vorgesehen sind. Es ist beschämend, dass SPD, Bündnisgrüne und FDP für einen Nachfolger des 9-Euro-Monatstickets nicht mehr als 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen wollen.“ An dieser Einschätzung wird auch eine Integration von Flixbussen nichts ändern. Mit Blick auf das Entlastungspaket 3 werden aus verschiedenen Richtungen Zweifel an der sozialen Ausgewogenheit der Maßnahme angemeldet – auch aus der Ampel selbst.
Entlastungspaket 3: 9-Euro-Ticket-Nachfolger, Strompreisbremse und geringfügig mehr Kindergeld
Neben einem 9-Euro-Ticket Nachfolger sieht das Entlastungspaket 3 noch weitere Maßnahmen vor. Unter anderem hat sich die Ampelkoalition auf eine bedingte Strompreisbremse, geringfügig mehr Kindergeld, eine Anpassung der Regelsätze beim künftigen Bürgergeld und eine Wohngeld-Reform mit Heizkostenzuschuss verständigt. Zudem soll es eine Energiepauschale für Rentner und Studierende geben. Ferner hat sich die Ampel – neben anderen Punkten – auch auf eine Anhebung der Midi-Job-Grenzwerte und die Möglichkeit zu einer 3000 Euro steuerfreien Zahlung von Arbeitgebenden an Arbeitnehmende geeinigt.
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