- VonMax Nebelschließen
Trumps Friedensplan für Gaza wackelt. Er brachte Geiseln frei und ließ die Waffen schweigen – doch das Verhalten der hamas sorgt für Misstrauen.
Scharm el-Scheich – Der historische Moment ist da: Nach zwei Jahren Krieg im Gazastreifen schweigen die Waffen, und die letzten lebenden Geiseln sind zurück in Israel. Gleichzeitig beginnen Hilfslieferungen in größerem Umfang, erste Truppenbewegungen ändern die militärische Lage in der Enklave. All das nährt die Hoffnung, dass Donald Trumps 20-Punkte-Plan tatsächlich mehr ist als ein diplomatisches Strohfeuer. Doch hinter der Fassade der Erleichterung bleiben viele Fragen offen – vor allem, ob die Hamas die Bedingungen der nächsten Phasen akzeptiert und wie belastbar die neuen Sicherheitsarrangements wirklich sind.
Schon der Auftakt zeigt Risse: Während Israels Armee den Rückzug auf eine vereinbarte Linie meldet und die Waffenruhe seit Freitag hält, sorgt die Rückführung der getöteten Geiseln für Streit. Hamas übergab zunächst nur vier Leichname, obwohl laut Abkommen alle sterblichen Überreste bis Montagmittag hätten geliefert werden sollen. Israels Regierung spricht laut der BBC von einem „Verstoß gegen die Vereinbarungen“, Vermittlerstaaten mahnen zur raschen Erfüllung aller Punkte.
Sorge um Trumps Gaza-Plan: Macron warnt vor Hamas
Am Roten Meer setzten die USA, Ägypten, Katar und die Türkei eine feierliche Signatur unter eine Erklärung zur Waffenruhe – getragen von Trumps 20-Punkte-Plan. Der Deal koppelt die Freilassung der letzten 20 lebenden Geiseln an die Entlassung hunderter palästinensischer Gefangener und eine erste militärische Umgruppierung in Gaza.
Parallel dazu liefen in Ägypten Gespräche über die „Phase zwei“, die heikelsten Punkte also: Demilitarisierung, politische Führung und die Rolle einer internationalen Stabilisierungstruppe. Rund 200 US-Soldaten sind zur Überwachung der Waffenruhe in Israel stationiert, vor Ort soll eine arabisch geführte Mission Sicherheit mit aufbauen und palästinensische Polizeikräfte schulen.
Wo Journalismus keine Chance hat




Macron über Hamas: „Eine Terrorgruppe zerschlägt man nicht über Nacht“
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bremste nach dem Gipfel den Überschwang. „Ich bin noch immer besorgt, weil wir wissen, wie es bei terroristischen Gruppen läuft“, sagte er gemäß dem Schweizer Portal bluewin in Scharm el-Scheich. Eine Organisation mit Tausenden Kämpfern und Tunneln werde „zerschlägt man nicht über Nacht“ – nötig sei „eine äußerst strenge internationale Überwachung“.
Paris will gleichzeitig das humanitäre Engagement hochfahren und zügig eine internationale Hilfskonferenz organisieren. Frankreich koordiniert die nächsten Schritte mit den USA und Israel, um Hilfslieferungen „ununterbrochen“ und sicher in die Enklave zu bringen, berichtet die türkische Anadolu-Nachrichtenagentur. Nach Angaben des Élysée-Palasts soll die Konferenz bereits in den kommenden Wochen stattfinden, um Gelder für den Wiederaufbau zu mobilisieren und eine langfristige Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.
Trumps 20-Punkte-Plan für Gaza – die wichtigsten Phasen
| Phase | Zentrale Inhalte | Ziel / Bedeutung |
|---|---|---|
| Phase 1: Waffenruhe & Freilassungen | Sofortige Feuerpause / Freilassung aller lebenden Geiseln und Übergabe der Toten / Freilassung von rund 2000 palästinensischen Gefangenen / Teilweiser Rückzug der israelischen Truppen auf eine neue Linie | Vertrauensbildung, humanitäre Entlastung, Startpunkt des Friedensprozesses |
| Phase 2: Sicherheit & Entwaffnung | Vernichtung von Hamas-Tunneln und Waffenlagern / Bildung einer internationalen Sicherheitsmission (arabisch-europäisch geführt) / Schulung einer neuen palästinensischen Polizeieinheit | Beginn der schrittweisen Demilitarisierung und Stabilisierung |
| Phase 3: Verwaltung & Wiederaufbau | Bildung eines Übergangskomitees aus palästinensischen Technokraten / Aufsicht durch ein internationales „Board of Peace“ unter Leitung Trumps / Milliardenhilfen für Wiederaufbau und Infrastruktur / Vorbereitung auf spätere Wahlen | Politische Neuordnung Gazas und Beginn eines langfristigen Friedensprozesses |
Streit über Rolle der Hamas in Gaza
Brisant ist, was unmittelbar nach Beginn der Waffenruhe geschah: Laut Sicherheitskreisen, schreibt Reuters, setzte Hamas in Gaza wieder stärker eigene Kräfte ein und ging gewaltsam gegen rivalisierende Gruppen vor. Nach Angaben eines Sicherheitsvertreters wurden dabei Dutzende Menschen getötet. Trump deutete auf dem Flug nach Ägypten an, so ABC News, Hamas habe „für eine gewisse Zeit“ grünes Licht erhalten, als Polizeikraft aufzutreten – um ein Sicherheitsvakuum zu verhindern.
Hamas selbst betont, man werde „keine Sicherheitslücke“ zulassen und öffentliche Ordnung gewährleisten. Das steht allerdings im Spannungsfeld zu Trumps Plan, der Hamas aus der künftigen Gaza-Verwaltung ausschließt und eine internationale Übergangsaufsicht vorsieht.
Israels Waffenstillstand mit Risiko: Hamas verweigert Abrüstung
Kernkonflikt bleibt die Entwaffnung. Israels Regierung erklärte nach Zustimmung zum Plan, schreibt CBS News, Gaza werde „demilitarisiert“ – wenn nötig „auf die harte Tour“. Hamas lehnt eine vollständige Abrüstung ab und sprach zuletzt lediglich davon, Waffen für einige Jahre „einzufrieren“, bemerkt der Tagesspiegel.
Auch der Umfang und die Taktung weiterer israelischer Rückzüge sind strittig. Aktuell kontrollieren israelische Kräfte nach Angaben aus Jerusalem rund 53 Prozent des Gebiets. Spätere Phasen sähen Reduktionen auf etwa 40 und dann 15 Prozent vor – als „Sicherheitsperimeter“ ohne klare Endfrist, so BBC.
Fachleute warnen vor Macht-Vakuum und Gewalt in Gaza
Analysten sehen in der Tunnelinfrastruktur den Hebel der Hamas, um Einfluss zu bewahren. Ohne überprüfbare Schritte – etwa eine lange Feuerpause, Stopp der Waffenproduktion sowie Kartierung und Schließung definierter Tunnel – werde es keine belastbare Entschärfung geben, warnt der Sicherheitsexperte Andreas Krieg gemäß Tagesspiegel.
Laut Hugh Lovatt vom Thinktank European Council on Foreign Relations (Europäischen Rat für Außenbeziehungen), schreibt Al Jazeera, zeigt sich Hamas in vertraulichen Gesprächen zwar offener für eine kontrollierte Abrüstung offensiver Waffen, will aber kleine Waffen und das eigene Tunnelsystem nicht preisgeben. Genau hier könnte die Waffenruhe scheitern – und Israel militärische Operationen wieder aufnehmen.
Trump zwischen Druck und politischem Kalkül
Politisch schreibt die Episode derweil Trumps Narrativ als „Friedensstifter“ fort. In Tel Aviv und Jerusalem wird er für die Rückkehr der Geiseln gefeiert, während Premier Benjamin Netanjahu die Vereinbarung als strategischen Erfolg verkauft – Geiseln heimgekehrt, Israels Armee (IDF) hält Terrain, Hamas geschwächt.
Gleichzeitig lässt der Plan Netanjahu Spielräume, bemerkt CNN: Ein vollständiger IDF-Abzug wird an die Abrüstung der Hamas geknüpft – eine bewusst vage Bedingung, die einerseits Washingtons Druck kanalisiert, andererseits Israels Option auf militärisches Nachfassen offen hält.
Israel und Hamas: Europas Skepsis wächst
Aus Berlin kommen verhaltene Zuversicht und klare Bedingungen: Außenminister Johann Wadephul spricht laut Tagesspiegel von der Notwendigkeit, dass sich die Palästinenser „von der Hamas lossagen“ und diese entwaffnet werde. Europa prüft flankierend einen Beitrag an der Grenze – die EU will EUBAM Rafah, die Genzüberwachungsmission der Europäischen Union am Grenzübergang Rafah, die seit 2007 ausgesetzt ist, wiederbeleben und vor Ort selbst aktiv werden.
Gleichzeitig mahnt Macron, notiert der Tagesspiegel, vor „Anschlägen und Destabilisierung in den kommenden Wochen und Monaten“. Dass Hamas bislang nur vier statt aller zugesagten Leichname übergab, gilt Diplomaten als erster ernster Belastungstest des Abkommens.
Trumps Gaza-Plan: Frieden zwischen Israel und Hamas auf Abruf
Trumps Gaza-Plan hat eine historische Öffnung erzeugt: lebende Geiseln frei, Waffenruhe in Kraft, Hilfen rollen an. Doch das Fundament bleibt fragil, weil die entscheidenden Punkte – Abrüstung, Verwaltung, Sicherheitsgarantien – erst verhandelt werden.
Ob die zweite Phase trägt, hängt an messbaren, verifizierten Schritten und einer robusten internationalen Überwachung. Bis dahin gilt Macrons Mahnung als Leitlinie der Skeptiker: Eine Terrororganisation wird nicht „über Nacht“ entmachtet – und die Waffenruhe bleibt Frieden auf Abruf. (Quellen: BBC, Tagesspiegel, Reuters, CNN, CBS News, ABC News, Euronews, Al Jazeera, bluewin.ch, aa.com.tr) (chnnn)
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