VonKuno Staudenmaierschließen
Gut besuchte Innenstadt von Schwäbisch Gmünd in der Nacht und am Tag des offenen Denkmals. Wie es mit dem früheren „Gmünder Hof“ und Woha weitergeht, weshalb der Marienbrunnen rostet.
Schwäbisch Gmünd. Es ist vielleicht die letzte laue Sommernacht des Jahres, die in Schwäbisch Gmünd noch einmal so richtig genutzt wird: Tausende Besucherinnen und Besucher flanieren durch die Innenstadt. Sie genießen den Vorabend des Tags des offenen Denkmals, haben kostenlosen Eintritt an vielen Orten, dazu fachkundige Führungen und Vorträge.
Die vielen Besucherinnen und Besucher staunen bei der Führung im ehemaligen Woha
Mehr als ausgebucht ist der Rundgang durch das ehemalige Woha-Gebäude, einst Hotel „Gmünder Hof“, mit Architekt Thomas Sonnentag und Prokurist Stefan Ritzer. Schon jetzt lässt sich die künftige Nutzung erkennen, die geplante Gaststätte im Erdgeschoss, die Räume für Büros und Wohnungen darüber.
Nacht des offenen Denkmals in Schwäbisch Gmünd




„Wir möchten dem Gebäude die historischen Elemente zurückgeben“, sagt Stefan Ritzer. Dazu zählen auch kleine Balkone an der Marktplatzseite, wie alte Fotos beweisen. Das Haus ist 1894 ausgebrannt, 1895 entstand der Neubau, „mit Stuttgarter Dach und Sichtklinkerfassade, Balkönchen und aufwendigen Fenstern“, schreibt Richard Strobel im Denkmalbuch dazu. Bei Fragen der Besucherinnen und Besucher geht es auch um den Gewölbekeller, an diesem Tag nicht zugänglich, weil Regenwasser eingedrungen ist.
Ein Staunen geht durch die Reihen beim Aufenthalt im ehemaligen Tanzsaal mit raumhohen Fenstern und einem tollen Blick auf den Marktplatz. Ein Umbau, der nicht ganz billig ist, 7,5 bis 8 Millionen Euro soll das kosten. Gibt's noch interessierte Gastronomen, will ein Besucher wissen: „Ja, derzeit sind zwei Namen im Gespräch“, sagt Stefan Ritzer.
Stefan Seip: Nur Schatten ermöglichen ein scharfes Bild von Mondkratern
Begehrt ist auch ein Blick in manche Keller der Innenstadt, unter der Volkshochschule, unter dem Schattentheater-Museum.
Um einen ganz besonderen Schatten geht es im gut besuchten Vortrag von Stefan Seip: um Schatten auf dem Mond. Nur die Schatten ermöglichen ein scharfes Bild der Mondkrater. Selbst zur Vermessung des Erddurchmessers ist der Mondschatten von Bedeutung.
Die Schäden am Marienbrunnen auf dem Marktplatz von Schwäbisch Gmünd sind immens
Faszinierend ist für die Gäste auch der Marienbrunnen auf dem Marktplatz. Rolf-Dieter Blumer informiert dort nicht nur über den Brunnen selbst, sondern über den Eisenguss auf der Ostalb. Der Brunnentrog von 1776 besteht aus Metalltafeln mit Wappen von Gmünder Familien. Blumer kommt auch auf die Schäden am Brunnen zu sprechen, auf später verbautes Material, das mit dem historischen Eisen nicht verträglich ist.
Das allererste Altersgenossenfest in Schwäbisch Gmünd war im "Pfauen"
Ein ganz besonderes Denkmal steht neben dem Rathaus. Der „Pfauen“ ist nicht nur als Gebäude von Bedeutung, sondern auch wegen eines historischen Ereignisses, wie Gunter Haußmann in der Rolle des Deminicus Debler die Gäste im Keller des Hauses wissen lässt: 1863 findet dort das erste Altersgenossenfest statt, heute ein die Stadt prägendes Ereignis. Dominikus Debler erzählt auch die Geschichte des Gebäudes, das Helga und Dr. Siegfried Dalferth vor Jahrzehnten gekauft haben. Bis heute ist es ihnen gelungen, das Schankrecht im Haus zu erhalten, mindestens alle drei Jahre muss deshalb geöffnet werden. In der Nacht des Denkmals geht das Publikum dort aus und ein.
Vom Eisenbahn-Belvedere bis hin zur Lasershow am Stauferfries in der Ledergasse
Die Gmünder Gassen sind bis in den späten Abend Anziehungspunkt. Im Rosengarten in der Münstergasse spielen Mitglieder des Vereins Gmünder Folk, rund um das „Fresco“ lassen sich Genießer nieder. Mehr als 60 Gäste erkundigen sich vor Ort beim Eisenbahn-Belvedere. Auch das Stauferfries in der Ledergasse oder die Museen im Prediger und der Ott-Pauserschen-Fabrik sind Zugpferde des Abends. Und des darauf folgenden Tags des offenen Denkmals am Sonntag.
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