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Sie haben es getan: Alexandra und Martin Krantzik haben in Reeßum ein Einfamilienhaus gebaut. Für unsere aktuelle Serie „Wohn(t)räume“ haben wir mit ihnen über die Herausforderungen sowie das Auf und Ab vom Grundstückskauf bis zum Einzug gesprochen.
Reeßum – Es stürmt, als Alexandra und Martin Krantzik sowie die Gemeinde Reeßum das Ganze offiziell machen: Das Grundstück an der neuen Straße Beerboomsfeld in Reeßum wechselt den Besitzer. Selbst der Übergabevertrag muss an diesem Tag wetterfest sein. Nach der Unterschrift steht das Paar da, auf 719 Quadratmetern Land, zu dem Zeitpunkt nichts weiter als eine Fläche mit Unkraut, abgesteckt mit kleinen Markierungspfosten. Das, was einmal auf diesem Grund und Boden entstehen soll, existiert da nur in ihrer Vorstellung.
Ein Jahr später sitzen sie an derselben Stelle, nur mit dem Unterschied dieses Mal den Schutz von Steinen, Balken und Ziegeln um sich herum zu haben. Sofa, Esstisch und Stühle in der großzügigen Wohnküche stehen, die Lampen hängen, während sich hinter dem Paar noch eine Wand aus Umzugskartons auftürmt. „Die Küche fehlt noch“, sagt Alexandra Krantzik und zeigt auf das zusammengestoppelte Sammelsurium aus halbhohen Schränken und Regalen.
Bauherrin mit Bauerfahrung
Vor zwölf Jahren kaufen sie sich ein Haus in Sottrum, Baujahr 1978. „Irgendwann war uns klar: Hier muss sehr viel gemacht werden“, erinnert sich das Paar. Sie machen eine Pro- und Contra-Liste auf, wägen ab und überlegen. Und fangen an, ein wenig „herumzuspinnen“, wie Martin Krantzik sagt. Warum nicht bauen? Für ihn ist es das erste Bauprojekt, sie hat mit ihrem heutigen Ex-Mann gebaut. Sie lassen sich für den Uhlenkampsweg auf die Warteliste setzen, ebenso wie im August 2021 in Reeßum. Dort gibt es die entscheidenden Punkte für Alexandra Krantzik, da sie dort bereits einmal gewohnt hat. Sie kommen für die insgesamt 24 Grundstücke in die dritte Gruppe, dort auf Platz zwei – und entscheiden sich für ihr Areal, auf dem sie zusammen mit ihrem gemeinsamen Sohn sowie ihrem Sohn aus erster Ehe wohnen wollen.
Von beiden ist Alexandra Krantzik diejenige mit Bauerfahrung. Beide sind sich einig: Kein Fertighaus, stattdessen soll es ein Massivhaus werden. Sie wälzen Kataloge und langen am Ende bei einem skizzierten Grundriss von ihr. „Später haben wir an den Plänen der Baufirma immer noch ein wenig gearbeitet, zum Beispiel sollte die Nische für unsere Schrankwand fünf Zentimeter breiter werden“, erinnert sich die 52-Jährige und lacht. „Auf einmal war das Haus 40 Quadratmeter größer.“
Zu Beginn des Projektes ist die Energiekrise noch kein Thema, auch, wenn das Paar sich zur Planung einen Energieberater mit ins Boot holt. „Wir haben noch nach KfW-Standard gebaut – und das bedeutete: Wärmepumpe und Photovoltaikanlage, um zumindest ein Stück weit unabhängig zu werden. Wir hatten Glück, dass unsere noch rechtzeitig bestellt wurde, aktuell müssen einige bis Sommer 2024 auf eine Wärmepumpe warten“, sagt Martin Krantzik.
Man macht jedes Mal etwas anderes, versucht alte Fehler zu vermeiden, und am Ende fällt einem wieder etwas auf, was man doch lieber anders gemacht hätte.
Warten muss die Familie auch – allerdings auf die Baugenehmigung, den Antrag reichen sie im Januar ein. „Und irgendwann war unser Zeitpuffer weg“, berichtet Alexandra Krantzik. „Fest stand: Wir müssen im Dezember aus unserem Haus raus.“ Anfang Mai geht es dann los, aber immer wieder werfen verschiedene Umstände die Arbeiten immer wieder etwas zurück. Aufgrund von Holzmangel verschiebt sich das Richtfest um eine Woche nach hinten, die Betondecke braucht zwei Wochen länger als geplant. Dann bringt sie die Wärmepumpe ins Schwitzen – oder vielmehr das Ausbleiben derselben. „Der Zimmermann sagte nur ständig: Die Heizung muss rein, die Heizung muss rein“, blicken sie mit einem Lachen zurück. Aber nicht nur die Wartezeiten sorgen für Schweißausbrüche, auch bei den Kosten machen sich Rohstoffmangel und Inflation bemerkbar. „Es ist überall etwas draufgekommen, das war definitiv bemerkbar“, sagt Alexandra Krantzik. Und dennoch: Jede Bauphase hat für das Paar etwas Besonderes. „Es war schön, dieses Haus entstehen zu sehen. Als die Decke kam, die erste Etage stand, das Dach kam“, sagt Martin Krantzik. „Das Schöne am Hausbau ist: Wir können unsere Vorstellung umsetzen und jeden Schritt zu begleiten“, ergänzt seine Frau.
Erst wenige Tage vor Weihnachten klappt es, das Einfamilienhaus mit 169 Quadratmeter Wohnfläche ist bezugsfertig. Die erste Nacht, die sie in ihrem neuen Heim schlafen, schlafen sie gut. „Es war natürlich erstmal eine ungewohnte Umgebung“, erinnert sich Martin Krantzik. „Aber wir waren einfach nur kaputt vom Tag.“
Allerdings bringt Alexandra Krantzik nicht nur Erfahrung im Planen mit, sondern vor allem auch eine Erkenntnis: „Man macht jedes Mal etwas anderes, versucht alte Fehler zu vermeiden, und am Ende fällt einem wieder etwas auf, was man doch lieber anders gemacht hätte“, sagt sie und lacht. „Zum Beispiel haben wir auf den Zeichnungen die Position der Steckdosen festgelegt. Jetzt denke ich: Ach, hier wäre eine Zweier-Steckdose besser gewesen, dort hätte eine einzelne gereicht. Aber perfekt ist es eigentlich nie.“
Für sie soll der Eigenheimbau in Reeßum der letzte gewesen sein. „Das war’s“, sagt sie. Und auch ihr Mann will es bei dieser einen Bauerfahrung belassen. Dennoch ist der 42-Jährige überzeugt: „Für uns ist es einfach ein Glück, dass wir diese Möglichkeit hier hatten.“
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