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Das Hochwasser in Niedersachsen bleibt auch im neuen Jahr gefährlich. Für die kommenden Tage ist ausgiebiger Dauerregen angekündigt. Der News-Ticker.
- Unwetter-Warnungen für Wind und Regen beunruhigen die Einsatzkräfte.
- Hochwasser-Lage im Serengeti-Park hat sich im neuen Jahr entspannt.
- Bei Lilienthal sind wegen Hochwasser Deiche und Wälder gesperrt
- Hochwasser beschäftigt Niedersachsen auch im neuen Jahr.
Update vom Dienstag, 2. Januar, 15.10 Uhr: Die Lage im Bremer Ortsteil Timmersloh ist weiter angespannt. Sorgen bereite der anhaltende Regen, sagte Hans-Lüder Behrens von der Freiwilligen Feuerwehr Timmersloh. „Jeder Tropfen, der von oben kommt, ist zu viel.“ Allein am Dienstagmorgen seien schon zehn bis zwölf Liter Regen in der Region gefallen. Hochwasserbedingt sind in Niedersachsen in den vergangenen Tagen laut Innenministerin Daniela Behrens weit unter 2000 Menschen evakuiert worden. Das sagte die SPD-Politikerin am Dienstag in einem Interview bei NDR-Info. Eine relativ geringe Zahl, die auch auf die gute Arbeit an den Deichen zurückzuführen sei.
Nach den Höchstständen über Weihnachten sind die Talsperren im Harz weiterhin sehr voll. Es sei aber möglich, die Wasserabgabe zu reduzieren, um die Unterläufe der Flüsse zu entlasten, teilten die Harzwasserwerke am Dienstag mit. Der Füllstand der Okertalsperre zum Beispiel sei noch bei fast 90 Prozent, sagte ein Sprecher. Sie befinde sich damit ebenso wie die Innerstetalsperre nicht mehr im sogenannten Hochwasserrückhalteraum. An der Okertalsperre – am zweiten Weihnachtsfeiertag noch vollständig gefüllt – sei nun zum Beispiel wieder Platz für bis zu fünf Millionen Kubikmeter Wasser.
Hochwasser-Hilfe für Niedersachsen aus Frankreich und Brandenburg
Sollte sich die Hochwasser-Lage in Niedersachsen infolge des andauernden Regens wieder verschärfen, stünde Hilfe unter anderem aus Brandenburg bereit. Dessen Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat diese seinem Amtskollegen Stephan Weil (SPD) angeboten.
Fotos aus Niedersachsen zeigen Ausmaß der dramatischen Hochwasser-Lage im neuen Jahr




Bei der Hochwasserbekämpfung kann Niedersachsen auch auf Hilfe aus Frankreich zurückgreifen. Ein erster Teil eines rund 1,2 Kilometer langen mobilen Deichsystems aus dem Nachbarland wird am Dienstagabend in Niedersachsen erwartet, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte. Am Mittwoch sollen die restlichen Module folgen. Ob dieses Deichsystem direkt zum Einsatz kommt, war zunächst noch unklar, ebenfalls ein möglicher Einsatzort.
Update vom Dienstag, 2. Januar, 12.55 Uhr: Das Wetter in Niedersachsen bleibt nass und ist damit weiterhin eine Gefahr für alle Deiche in den Hochwasser-Regionen. In den besonders stark betroffenen Landkreisen wie Celle, Verden und Oldenburg werden Niederschläge zwischen 40 und 50 Liter pro Quadratmeter erwartet. Auch für den Harz gab der DWD Unwetterwarnungen wegen Dauerregens und starkem Wind bis hin zu Sturmböen heraus.
Fahrgäste können unterdessen wieder mit der Straßenbahn nach Lilienthal fahren. Die Sperrung der Strecke zwischen dem Bremer Ortsteil Borgfeld und Lilienthal wegen des Hochwassers sei aufgehoben, teilte die Bremer Straßenbahn AG am Dienstag mit. Die Linien 4 und N4 fahren wieder planmäßig. Zwischen Oldenburg und Osnabrück bleibt die Strecke bei Sandkrug und Huntlosen weiterhin gesperrt.
In Lilienthal ist die Hochwasser-Lage insgesamt weiter angespannt. „Es regnet schon den ganzen Tag, das ist sehr unglücklich“, sagte die Sprecherin der Gemeinde am späten Dienstagvormittag. Glücklicherweise seien die Pegelstände in der Nacht gesunken. Das sei eine Art Puffer für den neuen Regen. „Die Einsatzkräfte sind immer noch rund um die Uhr im Einsatz und prüfen die Lage.“
Leichte Hochwasser-Entspannung im Serengeti-Park Hodenhagen
Update vom Dienstag, 2. Januar, 10.25 Uhr: Im Bereich Hodenhagen zeigen die eingeleiteten Hochwasser-Maßnahmen Erfolg, der Serengeti-Park war an Neujahr bereits bis auf eine Geländevertiefung freigepumpt. Einsatzkräfte haben Wege und Straßen wieder nutzbar gemacht. Nach und nach verlassen seitdem die ehrenamtlichen Helfer das Hochwasser-Gebiet im Heidekreis. Im Serengeti-Park herrschte seit Weihnachten Alarm. Viele Tiere mussten innerhalb des Geländes evakuiert werden. Zwischenzeitlich waren die Heizungen für die Gehege ausgefallen und die Tiere zusätzlich von Kälte bedroht.
In der Südstadt von Hannover ist am Neujahrstag eine bewusstlose Frau in der vom Hochwasser stark beanspruchten Leine gefunden worden. Wenig später ist die 70-Jährige in einem Krankenhaus gestorben. Die Einsatzkräfte hatten Probleme, die Frau aus dem Wasser des Flusses zu bergen. Grund waren die „derzeit hochwasserbedingten sehr hohen Strömungsgeschwindigkeiten“, heißt es in einer Meldung der Feuerwehr von Montag.
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Warum die Frau in die Leine geraten war, ist derzeit Teil der polizeilichen Ermittlungen. Diese Frage zu beantworten sei besonders schwierig, weil noch nicht klar ist, an welcher Stelle die 70-Jährige ins Wasser gefallen ist, erklärte eine Polizei-Sprecherin auf Nachfrage von kreiszeitung.de. Die Frau konnte erst an der Schwanenburgbrücke per Feuerwehrboot gerettet und anschließend dem Rettungsdienst übergeben werden. Erstmals gesehen wurde die Frau von Zeugen flussaufwärts auf Höhe des Maschsees.
Deich und Wälder bei Lilienthal wegen Hochwasser gesperrt
Update vom Dienstag, 2. Januar, 8.35 Uhr: Im vom Hochwasser bedrohten Lilienthal im Landkreis Osterholz dürfen zwei Wälder nicht mehr betreten werden. „Die Böden der Wälder sind derart aufgeweicht, sodass die Standsicherheit einiger Bäume nicht mehr gegeben ist und derzeit bereits teilweise entwurzeln und umstürzen“, heißt es in der entsprechenden Allgemeinverfügung der Gemeinde.
Demnach ist das Verbot zwingend notwendig, um die drohende Gefahr für das Leben und die Gesundheit von Menschen abzuwenden. Das Verbot gelte so lange, bis Kontrollen ergeben, dass die Wälder wieder als sicher gelten. Die Allgemeinverfügung wurde am Neujahrstag veröffentlicht und betrifft die Wälder Butendieker Gehölz und Mittelholz.
In Lilienthal dürfen wegen des Hochwassers auch die Deichanlagen und die deichnahen Bereiche nicht betreten werden, heißt es in der Allgemeinverfügung. „Bei Betreten besteht die Gefahr, dass die Deiche brechen, sich das Wasser unkontrolliert ausbreitet und gefährdete Gebiete, insbesondere Wohnbebauung überschwemmt.“ Wegen des Hochwassers in der Gemeinde nahe Bremen mussten einige Bewohnerinnen und Bewohner vorübergehend ihre Wohnungen und Häuser verlassen.
„Teils hohe Regenmengen“ verschärfen bei Hochwasser Sorge um Deichbrüche
Update vom Dienstag, 2. Januar, 8 Uhr: Die neueste Warnung kommt in der Nacht: Im Warnlagenbericht des Deutschen Wetterdienstes steht zu den angekündigten Niederschlägen: „Von Niedersachsen bis zum Schwarzwald sowie in den östlichen Mittelgebirgen teils hohe Regenmengen.“ Solch ein Dauerregen könnte die Pegel an den Flüssen im Norden wieder steigen lassen. Das Wasser stößt vielerorts an aufgeweichte Deiche, die zu brechen drohen.
Das Technische Hilfswerk (THW) hatte nach eigenen Angaben über den Jahreswechsel bundesweit etwa 1000 ehrenamtliche Helfer im Einsatz - vor allem in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Inzwischen seien Kräfte aus rund einem Drittel aller THW-Ortsverbände im Einsatz gewesen, hieß es in einer Mitteilung. In Verden war auch Bundeskanzler Olaf Scholz vor Ort. In der Stadt an der Aller, die seit Weihnachten unter dem Druck des Hochwassers steht, löste sein Besuch gemischte Reaktionen aus.
35 Feuerwehr-Einsatzkräfte aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont und 12.000 Sandsäcke sind unterdessen am Montag in Oldenburg eingetroffen. Das Land Niedersachsen habe beim Landkreis um Hilfe gebeten, teilte eine Sprecherin am Montagabend mit. Ein Konvoi mit 15 Fahrzeugen sei mit dem Ziel Oldenburg gegen 18.15 Uhr losgefahren.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser besucht Hochwasser-Gebiet bei Oldenburg
Update vom Montag, 1. Januar, 19.09 Uhr: Daniela Behrens, die Innenministerin von Niedersachsen (SPD), hat heute Nancy Faeser, die Bundesinnenministerin (SPD), bei ihrem Besuch in Hatten, Landkreis Oldenburg, begleitet. „Die Deiche sind sehr durchnässt und wir haben große Sorgen, dass wir in den nächsten Tagen weiteren Regen bekommen und sich damit die Situation noch mal verschärft“, äußerte Behrens. Aktuell befinden sich sechs Landkreise in einer außergewöhnlichen Situation.
Behrens und Faeser: Gemeinsam gegen Niedersachsens Flutkatastrophe
Derzeit ist Niedersachsen auf die Solidarität, Hilfe und Verstärkung des Bundes angewiesen. Behrens sprach Faeser ihren Dank für das angebotene Hilfspaket aus. Dies gilt ebenso für die bevorstehende Aufräumphase. „Das ist eine große Schadenslage, die wir hier in Niedersachsen haben. Fast das ganze Land stand jetzt über viele Tage unter Wasser.“
„Einsatzkräfte kontrollieren aufgeweichten Deich am Dümmer an Silvester“
Update vom Montag, 1. Januar, 13.30 Uhr: Im Landkreis Nienburg (Weser) ist die wichtige Landesstraße 330 zwischen Hoya und Hassel seit Sonntag wieder befahrbar. Unterdessen entspannte sich auch die Lage im benachbarten Landkreis Diepholz weiter. Nichtsdestoweniger haben sich Dutzende Einsatzkräfte der Feuerwehr an Silvester aufgemacht, den Deich am Dümmer zu kontrollieren. Dieser ist infolge des Hochwassers besonders aufgeweicht und daher anfällig für Schäden.
Im Landkreis Oldenburg bereiten sich die Einsatzkräfte unter anderem auf den Besuch von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) vor. Derzeit und noch bis zum 3. Januar gilt über der Stadt Oldenburg und dem Umland ein Flugverbot, die auch für Privatflugzeuge und Drohnen gilt. Die CDU in Wildeshausen hat unterdessen einen Sachstandsbericht der Stadtverwaltung zum Weihnachtshochwasser in der Stadt beantragt und hofft auf eine Feier, bei der die zahlreichen unermüdlichen Hochwasser-Einsatzkräfte für ihre Arbeit gewürdigt werden.
Hochwasser in Oldenburg: Einsatzkräfte errichten mobilen Deich
Update vom Montag, 1. Januar, 12.30 Uhr: In Oldenburg entsteht seit dem frühen Neujahrsmorgen ein mobiler Deich. Die Arbeiten dienen dem Schutz vor einer Beschädigung der dortigen an der Hunte und der Fleth beschädigt werden sollten. Die Teile der Installation stammen aus mehreren anderen Städten in Deutschland und dem Ausland. Der Aufbau ist Teil umfassender Maßnahmen, um im Notfall gegen das Hochwasser bestmöglich gewappnet zu sein.
Im Ernstfall wird die Evakuierung der betroffenen Menschen durch Lautsprecherdurchsagen der Feuerwehr angekündigt. Die Anwohner werden gebeten, in einem solchen Fall nur das Nötigste und wichtige Unterlagen mitzunehmen. Die Evakuierten würden vorübergehend in einem nahen Gymnasium untergebracht und vom Deutschen Roten Kreuz sowie anderen Organisationen betreut.
Erstmeldung vom Montag, 1. Januar, 9 Uhr: Verden/Oldenburg/Emsland – Das neue Jahr 2024 beginnt für viele Menschen in Niedersachsen, wie das alte geendet hat: mit Hochwasser an der Türschwelle und Sandsäcken in greifbarer Nähe. Vielerorts sind die Flüsse weiterhin über die Ufer getreten, vor allem zwischen Hannover und Bremen, bei Oldenburg und im Emsland sind die Deiche immer noch großen Wassermassen ausgesetzt.
Die Hochwasser-Lage droht indes noch einmal besonders heikel zu werden. An Neujahr erwarten Wetter-Experten neben etwas Regen sowohl an Land als auch an der Küste kräftige Windböen, die die Arbeit der Rettungskräfte in Niedersachsen erschweren. Für Dienstag und Mittwoch kündigt der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Niedersachsen zudem langanhaltenden und teils ausgiebigen Dauerregen an.
Wetterdienst erwartet viel Regen in vom Hochwasser betroffenen Teilen Niedersachsens
„Da sind erhebliche Mengen zu erwarten“, sagte ein DWD-Meteorologe über den kommenden Dienstag. Ähnlich werde es auch am Mittwoch sein: „Da kommen wir wieder in unwetterartige und kritische Bereiche.“ Jeder Schauer birgt in diesen Tagen des Hochwassers die Gefahr, dass die derzeit stabile Lage in den betroffenen Gebieten noch einmal außer Kontrolle geraten könnte.
Am Sonntag liefen unter anderem in Oldenburg, in Haren/Ems und in Lilienthal bei Bremen größere Einsätze, um die Deiche zu sichern. So teilte die Stadt Oldenburg mit, dass sich dort weitere rund 600 Menschen auf eine mögliche Evakuierung vorbereiten sollten. In Haren an der Ems haben Hunderte Menschen die dortigen Einsatzkräfte bei der Deichsicherung unterstützt und eine lange Menschenkette zum Sandsack-Schleppen gebildet.
Olaf Scholz wegen Hochwasser in Verden – Nancy Faeser kommt nach Sandkrug
Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hatte erklärt, der Hochwasserscheitel in Niedersachsen sei vorerst erreicht. Von einer Entspannung der Hochwasserlage könne aber nicht gesprochen werden. Unterdessen war Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Sonntag in Verden zu Besuch, um sich über die Lage an Aller und Weser zu informieren. Dort ist unter anderem die ganze Ortschaft Eissel zu einer Insel geworden. Ein Deich drohte zu brechen, große Teile der Altstadt mussten gesperrt und mit Sandsäcken vor dem Hochwasser gesichert werden.
Für Neujahr hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) angekündigt, sich ein Lagebild zum Hochwasser in Niedersachsen machen zu wollen. Gegen 15 Uhr will sich die SPD-Politikerin in Hatten-Sandkrug im Landkreis Oldenburg über die Situation informieren und mit Einsatzkräften sprechen.
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