Leckere Früchtchen

Obst anbauen: alles über Obstbäume und Beerensträucher im Garten und auf dem Balkon

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Birne, Kiwi oder Holunder: Es gibt so viele leckere Obst- und Beerensorten, die in Ihrem Garten wachsen. Was müssen Sie für eine erfolgreiche Ernte tun?

Saftiges Obst und süße Beeren machen das Leben schöner. Am liebsten unbehandelt und regional angebaut. Und was könnte heimischer sein als der eigene Garten? Sie haben eine große Auswahl an Obstpflanzen, die sie selbst anpflanzen können. So erschaffen Sie sich Ihr eigenes kleines Schlaraffenland – und das übrigens auch auf dem Balkon.

Typische Obstbäume in deutschen Gärten

Diese Obstbäume wachsen üblicherweise hierzulande:

  • Apfel
  • Birne
  • Pflaumen und Zwetschgen
  • Süß- und Sauerkirschen
Ein Apfelbaum ist der Klassiker in deutschen Gärten.

Winterharte, exotische Obstbäume

Neben den Klassikern gibt es aber auch einige Südfrüchte, die auch in unseren Breitengraden gedeihen. Dazu gehören:

  • Kiwi (solange sie keinen harten Frost abbekommt)
  • Pfirsich (an einem geschützten Standort)
  • Feigen (kälteresistente Sorten)
  • Kaki
  • Pawpaw
  • Zitrone und Orange (müssen aber ins Winterquartier)

Exotische winterharte Obstgehölze für den heimischen Garten

Die Beeren der Schisandra am Baum
Die Beeren der Schisandra sollen süß, sauer, bitter, salzig und scharf schmecken. Testen Sie aus, ob das stimmt! © Wirestock/IMAGO
Kiwi-Früchte am Baum
Kiwis in deutschen Gärten? Das funktioniert tatsächlich! © SNA/Ekaterina Lyzlova/IMAGO
Granatäpfel an einem Baum
Manche Sorten des Granatapfels sind winterhart. © Panthermedia/xNayalyHx/IMAGO
Ein Baum mit den Früchten der Indianerbanane, Pawpaw
Pawpaw, die Indianerbanane, liefert auch in deutschen Gärten ihre leckeren Früchte. © blickwinkel/IMAGO
Die Früchte des Erdbeerbaums
Erdbeeren auf Bäumen? Nicht ganz, aber man könnte es beim Erdbeerbaum fast denken. © Hansjörg Hörseljau/IMAGO
Die Früchte des Blauschotenstrauchs, auch Gurkenstrauch genannt
Die Früchte des Blauschotenstrauchs, auch Gurkenstrauch genannt, sind definitiv ein Hingucker. © Manfred Ruckszio/IMAGO
Ein Zweig mit Goji-Beeren im Frost
Goji-Beeren sind als exotisches Superfood bekannt, dabei wachsen Sie auch hierzulande. © Pond5 Images/IMAGO
Ein Zweig der Gewöhnlichen Felsenbirne (Amelanchier ovalis) mit Früchten
Mit der Birne hat die Felsenbirne wenig gemein – außer, dass beide lecker sind. © Metodi Popow/IMAGO
Eine Schüssel mit Kornelkirschen
Die Kornelkirsche ist schon lange in Europa heimisch, aber dennoch weitestgehend unbekannt. Dabei sind die Beeren voller Vitamin C! © blickwinkel/IMAGO

Alte vs. neue Sorten

Im Supermarkt stehen Sie vor einer großen Auswahl an Äpfeln und Birnen: grüne und rote, saure und süße Sorten. Dabei sind viele davon sehr junge Züchtungen. Diese sind meist krankheitsresistenter, dafür aber weniger aromatisch. Auch sind moderne Sorten oft weniger sauer – aber dadurch auch weniger gesund. Es kann sich für Sie lohnen, statt Xenia lieber Birnensorten wie Conference und Gellerts Butterbirne zu pflanzen. Bei den alten Apfelsorten sind der Danziger Kantapfel, der Boikenapfel oder der Finkenwerder Herbstprinz empfehlenswert.

Stammformen: von kleinwüchsig bis zu hohen Stämmen

Obstbaum ist nicht gleich Obstbaum. Es gibt hohe Wuchsformen für weite Wiesen. Aber es gibt genauso kleinwüchsige Varianten, für die ein Kübel reicht. Dabei gilt auch: Je größer der Baum, desto mehr Pflanzabstand braucht er zu seinen Nachbarn. Diese Wuchsformen müssen Sie kennen:

  • Mini: Zwergobst wird nur bis zu zwei Meter hoch.
  • Klein: Spindel- und Säulenobst wachsen ebenfalls eher schwach und bleiben klein.
  • Mittelgroß: Der Halbstamm ist schon ein richtiger Baum, wächst aber nicht ganz riesig. 
  • Groß: Der Hochstamm funktioniert ähnlich wie der Halbstamm, wird aber größer.

Wie pflanze ich einen Obstbaum?

Der erste Schritt zu Ihrem neuen Obstbaum lautet: Wählen Sie den passenden Baum aus. Der typische Gartenbaum ist ein Halbstamm. Wer wenig Platz hat, kann eine kleinere Wuchsform wählen. Nehmen Sie nur einen Hochstamm, wenn er seine Krone wirklich weiträumig ausbreiten kann. Bedenken Sie dabei auch den Abstand zum Nachbargrundstück, bevor überragende Äste für Ärger sorgen. Auf einen Rückschnitt alleine können Sie sich dabei nicht verlassen – dieser regt den Wuchs zusätzlich an. Achtung auch, wenn Sie hoch gelegen leben: Auf mehr als 750 Höhenmetern sollten Sie besser zu einer frühreifen Sorte greifen, da die Vegetationsperioden hier kürzer sind.

Um einen Obstbaum einzupflanzen, brauchen Sie einen Spaten, einen Pfahl, einen Kokosstrick, eventuell nährstoffreiche Erde oder Kompost und viel Wasser.

So pflanzen Sie einen Obstbaum ein:

  1. Wählen Sie einen geeigneten Standort. Er sollte sonnig sein und genug Platz bieten. Frostempfindliche Sorten stehen gerne nahe an einer Hauswand. Ersetzen Sie einen alten Baum? Dann stellen Sie den neuen nicht an die gleiche Stelle oder tauschen Sie die Erde aus. Hier ist der Boden ermüdet. 
  2. Obstbäume im Topfballen können Sie quasi das ganze Jahr über in frostfreien Boden einsetzen, bestenfalls im Frühjahr oder Herbst. Sommer sind meistens zu trocken. Wurzelnackte Bäume wachsen im Frühjahr am besten an. 
  3. Schneiden Sie die Spitzen der Wurzeln vorsichtig ab.
  4. Heben Sie mit dem Spaten ein Pflanzloch aus, das tief genug für die Wurzeln ist. Im Zweifel sollte das Loch lieber ein wenig flacher ausfallen.
  5. Schlagen Sie den Pfahl ins Loch. Er sollte westlich vom Baum stehen, damit er ihn vor Wind schützt.
  6. Setzen Sie den Baum ins Pflanzloch und bedecken Sie ihn mit Erde. Ist der Boden eher sandig und nährstoffarm, sollten Sie ihn mit nährstoffreicher Erde oder Kompost anreichern. Achten Sie beim Anpflanzen darauf, die Veredelungsstelle nicht mit in die Erde zu setzen. Sonst kann Ihr Baum Eigenschaften zeigen, die Sie gar nicht wollen. Ideal sind etwa zehn bis zwanzig Zentimeter Abstand zum Boden.
  7. Treten Sie die Erde fest, aber nicht zu fest. Bilden Sie einen kleinen Wall um den Baum, damit Gießwasser nicht abfließt.
  8. Binden Sie den Baum mit einem Kokosstrick am Pfahl fest.
  9. Gießen Sie ihn großzügig an.

Den Obstbaum richtig düngen

Damit er leckere Früchte liefert, braucht Ihr Baum die passende Düngung. Idealerweise bekommt er zweimal im Jahr Nachschub, entweder über Kompost oder biologischer Obst- und Gemüsedünger.

  • Im Frühjahr bekommt der Obstbaum neue Energie zum Wachsen.
  • Im Sommer, etwa Ende Juni, bekommt er Kraft, damit er Früchte ausbilden kann.

Bedenken Sie dabei aber: Steht Ihr Obstbaum auf einer Wiese, kann es sein, dass Sie mehr den Rasen als den Baum düngen. Ritzen Sie daher kleine Rillen in den Boden, bevor Sie den Dünger ausbringen. So gelangt er auch zu den Wurzeln. Düngen Sie über den gesamten Wurzelhorizont. Dieser erstreckt sich etwa so weit, wie die Krone reicht. Noch besser ist es, wenn auf der Baumscheibe gar kein Gras wächst.

Der Rückschnitt von Obstbäumen

Obstbäume müssen Sie richtig zurückschneiden. Andernfalls kann die Ernte ausfallen. Nicht zu schneiden, ist wiederum meist auch falsch. Dann stören sich die Äste gegenseitig, es kommt kein Licht durch und Früchte bleiben klein.

So schneiden Sie einen Obstbaum zurück:

  • Wählen Sie einen starken Mitteltrieb. Diesen kürzen Sie in der Höhe, wenn der Baum zu groß wächst.
  • Wählen Sie drei bis vier weitere Leitäste. Diese bleiben etwa 20 Zentimeter unter dem Haupttrieb.
  • Entfernen Sie alte, herabhängende Äste und Totholz.
  • Triebe, die steil nach oben wachsen, sind nicht zu gebrauchen. Sie werden entfernt oder mit einem Strick nach unten gezwungen.
  • Äste sollen möglichst nicht nach innen wachsen und andere stören. Dünnen Sie hier aus.
  • Wasserschosse gehen senkrecht in die Höhe. Diese können Sie ausreißen.

Wann Sie Ihren Obstbaum schneiden, variiert. So sollten Sie den Pflaumenbaum zur richtigen Zeit schneiden, damit er Früchte trägt. Passen Sie auch beim Apfelbaum auf, dass Sie nicht Ihre Ernte zerstören.

Apfelbaum Januar–März
Birnenbaum Januar–April, oder im Herbst nach der Ernte
Kirschbaum Spätwinter Januar–März, nach der Ernte in August/September
Pflaumenbaum Spätwinter bis April, oder im Sommer nach der Ernte

Es braucht keinen Garten: Obst im Kübel

Wussten Sie, dass viele Bäume gar nicht viel Platz brauchen? Wählen Sie eine kleinwüchsige Zwerg-Variante, überlebt der Obstbaum auch im Kübel. So werden selbst Balkon-Besitzer zum Obst-Bauern. Allerdings sind nicht alle winterhart. Südländische Früchte müssen in der Regel zur kalten Jahreszeit in ein Winterquartier umziehen.

Einige Obstbäume gibt es auch in Zwergform für den Kübel.

Kleine Obstbäume für den Kübel sind:

  • Zwerg-Apfel
  • Zwerg-Birne
  • Zwerg-Pflaumenbaum
  • Zitronenbaum
  • Kleine Sorten von Pfirsich, Nektarine und Aprikose
  • Feige
  • Japanische Kaki
  • Granatapfelbaum

Von Bienchen und Blümchen: Befruchter

Damit aus einer Blüte eine Frucht wird, muss sie bestäubt werden. Das funktioniert aber sehr unterschiedlich.

Äpfel, Birnen, Süßkirschen und manche Pflaumensorten brauchen einen anderen Baum als Befruchter. Das darf aber nicht irgendein Baum sein. Die jeweilige Sorte lässt sich nur von bestimmten anderen Sorten befruchten. In Nachbarschaften mit vielen Gärten gibt es aber meist einige Bäume, die als Befruchter infrage kommen. Weibliche Kiwipflanzen brauchen wiederum eine männliche Pflanze für die Befruchtung.

Pfirsich, Aprikose, Sauerkirschen und die meisten Pflaumen sind selbstbefruchtend. Ebenso steht es um Beeren. Himbeere, Brombeere, Johannisbeere und Heidelbeere profitieren allerdings von einer Fremdbestäubung. Erdbeeren sind grundsätzlich selbstbefruchtend – mit Ausnahme der Sorte Mieze Schindler. Bei Feigen variiert die Befruchtung. Einige Sorten benötigen dringend die Feigengallwespe, die es nördlich der Alpen nicht gibt. Daher müssen Sie in Deutschland unbedingt eine selbstbefruchtende Feigen-Sorte wählen.

Beerensträucher für Garten und Balkon

Beeren sind so vielseitig: von Blaubeer-Scones über Erdbeer-Tiramisu bis Stachelbeermarmelade ist so viel möglich. Oder Sie legen einen Naschgarten für Ihre Kinder an, wo sie sich Himbeeren und Brombeeren einfach so in den Mund stecken. Es gibt eine ganze Reihe an Beeren, die problemlos in deutschen Gärten wachsen:

  • Erdbeeren
  • Himbeeren
  • Brombeeren
  • Johannisbeeren
  • Heidelbeeren
  • Stachelbeeren
  • Holunderbeeren
  • Sanddorn
  • Moltebeere

Erdbeeren brauchen dabei besonders wenig Platz und gedeihen wunderbar auch in einfachen Balkonkästen. Aber auch von anderen Beerenarten gibt es kleine Sorten, die Sie in Kübeln auf dem Balkon anbauen können.

Erdbeeren passen auf den kleinsten Balkon.

Beerensträucher pflanzen

Erdbeerpflänzchen sind schnell ins Beet gesetzt. Aber wie sieht es mit größeren Pflanzen aus? So pflanzen Sie einen Beerenstrauch:

  1. Wählen Sie eine frostfreie und nicht zu trockene Zeit.
  2. Ideal ist ein sonniger Standort mit einem nährstoffreichen, nicht zu schweren Boden. Falls nötig, werten Sie die Erde mit Kompost auf. Heidelbeeren brauchen zudem einen leicht sauren Boden.
  3. Lassen Sie gerade bei buschigen Sträuchern ausreichend Platz zwischen den Pflanzen.
  4. Heben Sie ein Loch aus, das doppelt so groß ist wie der Wurzelballen der Pflanze.
  5. Wässern Sie die Wurzeln ausgiebig.
  6. Setzen Sie den Strauch ins Pflanzloch und füllen Sie es mit lockerer, humusreicher Erde. Achten Sie darauf, die Veredelungsstelle nicht zu bedecken!
  7. Gießen Sie großzügig und halten Sie die Erde in der nächsten Zeit feucht.

Beeren richtig düngen

Grundsätzlich funktionieren Beerensträucher ähnlich wie Obstbäume: Sie sollten Sie im Frühjahr und während der Fruchtbildung mit Kompost oder einem speziellen, biologischen Beerendünger unterstützen. Heidelbeeren mögen es dabei besonders sauer: Für sie ist ein Rhododendrondünger gut. Brombeeren haben größere Ansprüche und dürfen ruhig öfter gedüngt werden. 

Im Herbst sollten Sie auf eine Düngung mit Stickstoff verzichten. Ansonsten wachsen die Sträucher zu stark vor der Kälteperiode.

Heidelbeeren sind Moorbeetpflanzen und funktionieren daher etwas anders als andere Beeren.

Der richtige Rückschnitt von Beerensträuchern

Ein Rückschnitt fördert bei den meisten Pflanzen das Wachstum und auch den Ertrag. Gilt das auch für Beeren? Das müssen Sie bei diesen Pflanzen beachten:

Erdbeeren müssen Sie nicht unbedingt schneiden. Die Pflanze profitiert aber davon, wenn Sie nach der letzten Ernte im Juli altes Laub und lange Ausläufer entfernen.

Aufgepasst bei Brombeeren: Diese liefern nur an zweijährigen Trieben Früchte. Wenn Sie also zu früh schneiden, bleibt die Ernte aus. Genauso macht es keinen Sinn, alte Triebe stehenzulassen. Schneiden Sie im Frühjahr die Triebe ab, die im Vorjahr Ertrag geliefert haben.

Himbeeren gibt es in drei Varianten: Sommer-, Herbst- und Twotimer-Himbeeren. Sommer-Himbeeren sind wie Brombeeren zweijährig. Schneiden Sie nach der Ernte die alten Triebe runter. Herbst-Himbeeren sind einjährig. Auch diese schneiden Sie im Herbst zurück. Twotimer liefern im Sommer und im Herbst Erträge. Hier schneiden Sie im Frühjahr die Triebe zurück, die zuvor Ertrag geliefert haben.

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Heidelbeeren müssen Sie erst nach drei Jahren zum ersten Mal schneiden. Kürzen Sie im Spätherbst oder -winter die alten Zweige zurück. Lassen Sie jeweils zwei bis drei Triebe aus den letzten drei Jahren stehen.

Holunder müssen Sie nicht unbedingt schneiden. Verjüngen Sie ihn allerdings, gibt er höhere Erträge. Schneiden Sie ihn im März oder im Sommer nach der Ernte. Wichtig ist, dass Sie den Holunder gut düngen, wenn Sie ihn zurückschneiden! So gehen Sie vor: Schneiden Sie die Seitentriebe des Holunders im Frühling des zweiten Jahres stark zurück. Achten Sie im Sommer darauf, dass der Stamm in Bodennähe kahl bleibt. Ab dem vierten Frühling sollten Sie dann die Triebe zurückschneiden, die im Jahr zuvor Beeren getragen haben.

Johannisbeeren sollten Sie grundsätzlich kurz nach der Pflanzung stark zurückschneiden. Rote und weiße Johannisbeeren liefern an zwei- bis dreijährigen Trieben Früchte. Verjüngen Sie den Strauch daher ab dem vierten Jahr nach der Ernte im Sommer oder im Spätwinter. Schwarze Johannisbeeren besitzen die meisten Früchte an einjährigen Trieben. Kürzen Sie in den ersten drei Jahren alle Triebe stark. Ab dem vierten Jahr nur die alten Zweige.

Stachelbeeren tragen an ein- bis dreijährigen Trieben am besten. In den ersten Jahren lichten Sie den Strauch mittels eines Erziehungsschnitts aus. Dabei bleiben jeweils vier bis sechs kräftige Neutriebe auf einem Drittel Höhe stehen. Den Rest kürzen Sie bodennah. Nach zwei Jahren entfernen Sie nur noch alte Triebe. Der beste Zeitpunkt dafür ist auch hier im Sommer nach der Ernte oder der Spätwinter.

Rubriklistenbild: © CHROMORANGE/Hans-Joachim Schneider/IMAGO

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