VonNatalie Hull-Deichselschließen
Wenn sich Zellen unkontrolliert vermehren, kann daraus ein bösartiger Tumor entstehen. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen Brustkrebs und Prostatakrebs.
Eine ganz alltägliche Situation und plötzlich ist da was: ein Knoten an der Brust, der beim Duschen oder Eincremen getastet wird, ein dunkles Muttermal, das auffällt und juckt, nachts verstärkter Harndrang, Blut im Urin, eine Schwellung mit Schmerzen im Hoden, die man spürt. Anzeichen, die nicht in jedem Fall Hinweis für eine ernsthafte Erkrankung sein müssen, jedoch bei anhaltenden Beschwerden oder einer Verschlimmerung unbedingt ärztlich abgeklärt werden sollten.
Je nach Krebsart zeigen sich unterschiedliche Symptome, wenngleich manche Geschwüre anfangs keine sichtbaren oder spürbaren Beschwerden verursachen, wie Darmkrebs oder Prostatakrebs. Die Tumore wachsen häufig im Verborgenen und werden vielfach per Zufallsbefund erkannt. Um die Heilungschancen zu verbessern, ist eine empfohlene Früherkennung beispielsweise von Darmkrebs oder Brustkrebs beim Arzt sowie eine passende Krebstherapie wichtig.
Inhalt
Wie entsteht Krebs?
Krebs ist eine ernstzunehmende Krankheit, die durch veränderte Zellen an verschiedenen Stellen im Körper entstehen kann. Zu Fehlern im Erbgut der Zelle kann es zufällig und spontan während der Zellteilung kommen oder beim normalen Stoffwechsel. Dadurch werden folgende Prozesse angeschoben:
- Zellen verändern sich, sie teilen und vermehren sich ungehemmt.
- Zellen sterben nicht ab, obwohl sie es tun sollten.
- Zellen können sich durch das veränderte Erbgut aus dem festen Platz im Gewebe fortbewegen.
Aufgrund der krankhaften Vermehrung und Ausbreitung kann ein bösartiger Tumor entstehen, der gesundes Gewebe zerstört.
Krebs entsteht durch eine Veränderung des Erbguts in den Zellen
Bei einer Krebserkrankung spielen drei Gruppen von Genen, die auch in gesunden Zellen vorkommen, eine entscheidende Rolle: die sogenannten Onkogene, die Tumorsuppressor-Gene und die Reparaturgene. Während Onkogene das Zellwachstum anregen, hemmen Tumorsuppressor-Gene eine ungebremste Vermehrung. Dieser Prozess läuft in den meisten Fällen ohne Störungen ab. Mögliche Genveränderungen in den Zellen kann das Reparatursystem des Körpers erkennen und rückgängig machen. In manchen Fällen klappt die Reparatur jedoch nicht, sodass es zwischen Onkogenen und Tumorsuppressorgenen zu einem Ungleichgewicht kommt, was die Entstehung von Tumoren fördert.
Ist Krebs immer bösartig?
Wenn Zellen sich verändern und es zum Tumorwachstum kommt, entsteht nicht in jedem Fall daraus Krebs. Mediziner unterscheiden drei verschiedene Formen von Geschwulsten:
- Gutartige oder benigne Tumore: Eine Geschwulst, die lokal begrenzt ist, keine Metastasen bildet und benachbartes Gewebe nur verdrängt, nicht zerstört.
- Halb-bösartige oder semimaligne Tumore: Zellwucherungen, die zwar in umliegendes Gewebe wachsen, jedoch keine Tochtergeschwulste an anderen Stellen im Körper bilden.
- Bösartige oder maligne Tumore: ein Karzinom, das in andere Gewebe eindringt, es zerstört und in verschiedenen Regionen des Körpers Metastasen bilden kann.
Eine Ausnahme stellt Blutkrebs dar: Bei einer Leukämie liegt keine Geschwulst vor, da der Krebs von den Knochenmarkszellen ausgeht. Stattdessen wird die Erkrankung durch eine gestörte Reifung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ausgelöst.
Krebs – Ursache und Risikofaktoren
Nicht jeder Mensch, der bestimmte Risikofaktoren erfüllt, erkrankt automatisch an Krebs. Und gleichzeitig können auch Personen, die keiner Risikogruppe angehören und gesund leben, einen bösartigen Tumor entwickeln. Das Risiko an Krebs zu erkranken steigt jedoch mit einem ungesunden Lebensstil.
Zu den bekanntesten krebsauslösenden Faktoren zählen:
- Rauchen (auch E-Zigaretten)
- Starker Alkoholkonsum
- UV-Strahlung durch häufiges oder intensives Sonnenbaden
- Starkes Übergewicht
- Virale Infektionen, beispielsweise durch eine Ansteckung mit Humanen Papillomaviren (HPV) über sexuellen Kontakt (auch Oralverkehr) oder Hepatitis B, was das Risiko für Leberkrebs erhöht
- Umweltfaktoren wie Asbest
- Erblich bedingte Veranlagung (genetische Prädisposition), das heißt, wenn direkte Familienangehörige bereits an Krebs erkrankt sind
Erhöhtes Krebsrisiko: Elf Lebensmittel begünstigen das Tumor-Wachstum




Krebsarten und -formen
Mediziner unterscheiden fünf Formen einer Krebserkrankung, in Abhängigkeit davon, aus welchem Zellgewebe sich der Tumor entwickelt:
- Karzinom: Bösartige Geschwulst, die aus der Schleimhaut oder Drüsengewebe hervorgeht, beispielsweise Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) und Brustkrebs (Mammakarzinom).
- Sarkom: seltener Tumor, der aus Binde- oder Stützgewebe wie Fettgewebe, Muskeln, Sehnen, Knorpel oder Knochen heraus entsteht.
- Blastom: Krebs, der während der frühen Gewebe- oder Organentwicklung auftritt, wie das Neuroblastom, das vor allem Kinder betrifft.
- Lymphom: Krebserkrankung des lymphatischen Systems, wie Lymphknoten, Lymphbahnen, Mandeln und Milz.
- Leukämie: Blutkrebs, wodurch das gesamte blutbildende System betroffen ist, beispielsweise die akute lymphoblastische Leukämie (ALL).
Karzinome, Sarkome und Blastome werde als solide Tumore klassifiziert, da sie zumindest zu Beginn im Körper deutlich begrenzt sind. Bei Lymphomen und Leukämie handelt es sich um sogenannte systemische Krebserkrankungen, die den gesamten Körper betreffen.
Bisher sind circa 300 verschiedene Krebsarten mit Untertypen bekannt, die in verschiedenen Altersgruppen und unterschiedlich häufig bei Frauen oder Männern entstehen. Die drei häufigsten, bösartigen Krebsarten bei Frauen sind Brustkrebs (30,5 Prozent), Darmkrebs (10,5 Prozent) und Lungenkrebs (9,8, Prozent). Männer erkranken am ehesten an Prostatakrebs (25,1 Prozent), Lungenkrebs (13,0 Prozent) und Darmkrebs (11,7 Prozent).
Weitere häufige Krebsarten, die bei Frauen auftreten, sind:
- Hautkrebs (4,9 Prozent)
- Gebärmutterkörperkrebs (4,7 Prozent)
- Bauchspeicheldrüsenkrebs (4,3 Prozent)
- Non-Hodgkin-Lymphom, eine bösartige Erkrankung des Lymphgewebes (3,6 Prozent)
- Eierstockkrebs (3,1 Prozent)
- Leukämie (2,4 Prozent)
- Magenkrebs (2,3 Prozent)
Männer erkranken zudem am häufigsten an:
- Blasenkrebs (4,8 Prozent)
- Hautkrebs (4,7 Prozent)
- Bauchspeicheldrüsenkrebs (3,9 Prozent)
- Non-Hodgkin-Lymphom (3,9 Prozent)
- Nierenkrebs (3,6 Prozent)
- Mundhöhlenkrebs sowie Rachenkrebs (3,5 Prozent)
- Magenkrebs (3,5 Prozent)
Andere Krebsarten wie Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs, Schilddrüsenkrebs, Zungenkrebs oder eine bösartige Erkrankung des Anus, der Vulva sowie der Hoden ist eher selten.
Typische Symptome, je nach Krebsart
Symptome und Beschwerden, die mit einer möglichen Krebserkrankung verbunden sind, unterscheiden sich je nach Art der Krankheit. Anzeichen, die auf ein Tumorwachstum hindeuten können, sind unter anderem:
- Hoher Gewichtsverlust
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Fieber
- Nachtschweiß
- Appetitlosigkeit
- Blässe
- Bauchschmerzen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- Veränderter Stuhlgang (z. B. gelb verfärbt)
- Sodbrennen
- Schluckstörung
- Tastbare Knoten im Körper
- Schmerzen ohne erkennbare Ursache
- Hautveränderungen, beispielsweise anhand der Form, Farbe und Größe eines Muttermals
- Anhaltender Husten oder Heiserkeit
- Blut im Stuhl
- Blut im Urin
- Schmerzen beim Wasserlassen
- Veränderungen beispielsweise der Schleimhaut im Mund oder der Nase
Diagnose einer Krebserkrankung
Für eine Krebsdiagnose sind bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Magnetresonanz- oder Kernspintomografie (MRT), Computertomografie (CT), Positronen-Emissions-Tomografie (PET) sowie Szintigrafie entscheidend, aber auch die Analyse von Zell- und Gewebeproben sowie Hinweise im Blutbild sind von großer Bedeutung.
Zeigt sich beispielsweise bereits im kleinen Blutbild eine zu niedrige Anzahl an weißen Blutkörperchen (Leukozyten), kann das ein Hinweis für eine Autoimmunerkrankung, Virusinfektion, Erkrankung des Knochenmarks oder auch Krebserkrankung sein. Zu hohe Leukozyten-Werte können ein Anzeichen für Blutkrebs beziehungsweise Leukämie sein. Doch selbst ein großes Blutbild kann keinen verlässlichen Nachweis für eine Krebserkrankung liefern. Über das Blut können lediglich Hinweise auf ein mögliches Krebsleiden gedeutet werden. Es müssen in jedem Fall weitere, zusätzliche Untersuchungen durchgeführt werden, um herauszufinden, was die Ursache für veränderte Hämoglobin-Werte oder eine abweichende Anzahl an Leukozyten sowie Thrombozyten ist.
Behandlungsmöglichkeiten nach Krebsdiagnose
Die Behandlung von Krebs ist stark abhängig von der Art des Tumors, daher variiert der Therapieverlauf entsprechend. Wie jeder Patient ist auch letztlich jede Krebserkrankung individuell zu betrachten. Dennoch gibt es gängige Behandlungsmethoden, die Mediziner für eine möglichst erfolgreiche Therapie einsetzen:
- Operation
- Strahlentherapie
- Chemotherapie
- Zielgerichtete Therapie
- Immunonkologische Therapie
Dem Einsatz der zielgerichteten Therapie geht die Identifikation von genetischen Veränderungen im Tumorgewebe voraus. Diese genetischen Veränderungen finden sich zum Beispiel in solchen Genabschnitten, die für Zellwachstum verantwortlich sind. Ist ein solcher Signalweg dann durch die Mutation dauerhaft aktiv, bedingt er das unkontrollierte Wachstum von Zellen, das typische Merkmal von Krebserkrankungen. Beispiele für solche Gene sind ALK, EGFR, ROS1 oder BRAF. Durch gezielte Hemmung dieses Signalweges durch ein speziell dafür designtes Medikament kann eine Krebserkrankung zielgenau behandelt werden.
Prognose und Heilungschancen
Grundsätzlich gilt: Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser kann in der Regel behandelt werden und desto günstiger ist der Verlauf. In einem frühen Stadium beispielsweise von Darmkrebs oder Prostatakrebs sind die Heilungsaussichten und die Lebenserwartung relativ gut. Selbst wenn sich Metastasen gebildet haben, kann die Prognose noch positiv sein und eine Heilung nicht komplett ausgeschlossen werden.
Aufbauend auf der sogenannten TNM-Einteilung, einem international verbreitetem System zur Einteilung von Krebserkrankungen, stufen Mediziner eine Krebserkrankung in fünf Krankheitsstadien (0 bis IV) ein:
- UICC-Stadium 0: Frühformen von Krebs, die noch nicht gestreut haben.
- UICC-Stadium I: Tumor ist bereits in die Bindegewebsschicht unter der Schleimhautoberfläche oder in die darunter liegende Muskelschicht eingewachsen, jedoch ohne umliegende Lymphknoten oder weitere Organe zu befallen.
- UICC-Stadium II: Tumor ist in umliegendes Gewebe eingewachsen, hat aber noch keine Metastasen gebildet.
- UICC-Stadium III: Tumor hat umliegende Lymphknoten befallen, jedoch ohne Fernmetastasen zu bilden.
- UICC-Stadium IV: Fernmetastasen liegen vor, unabhängig von der Tumorgröße oder Zahl der befallenen Lymphknoten.
Die Lebenserwartung bei Krebserkrankungen in Stadium IV hängt von der Krebsart, den Behandlungsmöglichkeiten und letztlich auch der allgemeinen körperlichen sowie psychischen Verfassung des Patienten ab.
Je nachdem, wie weit der Krebs bereits fortgeschritten ist und der Patient eingeschränkt ist, kann ein Antrag auf Schwerbehinderung gestellt werden. Menschen, die an Krebs erkranken und auf Pflege angewiesen sind, können bei der Pflegeversicherung einen Pflegegrad beantragen. Grundsätzlich können Krebspatienten einen Pflegegrad von 1 bis 5 erhalten.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Krebs
Wie lange kann man Krebs haben, ohne es zu merken?
Eine Krebserkrankung kann sich langsam entwickeln, über Monate bis hin zu Jahren, wie beispielsweise bei Darmkrebs. Manche Krebsformen wie Magenkrebs machen lange Zeit keine Symptome.
Was ist Krebs?
Krebs ist eine Krankheit, die durch genetisch veränderte Zellen an verschiedenen Stellen im Körper entstehen kann. Zu Fehlern im Erbgut der Zelle kann es zufällig und spontan während der Zellteilung kommen oder während des Stoffwechsels.
Wie entsteht Krebs?
Krebs entsteht durch eine Veränderung des Erbguts in den Zellen.
Wie sieht Krebs aus?
Krebszellen erinnern hinsichtlich ihres Aussehens und der Art, wie sie sich ausbreiten, tatsächlich an das Krebstier. Der Begriff Krebs geht auf die alten Griechen zurück.
Wie erkennt man Krebs?
Symptome und Beschwerden einer möglichen Krebserkrankung unterscheiden sich je nach Art der Krankheit. Anzeichen, die auf ein Tumorwachstum hindeuten, können unter anderem hoher Gewichtsverlust, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Fieber, Nachtschweiß, Appetitlosigkeit, Schmerzen und Übelkeit sein.
Welche Blutwerte sind bei Krebs erhöht?
Abweichende Werte von Tumormakern im Blut, beispielsweise AFP (Alpha-1-Fetoprotein) und CA 15-3 (Carbohydrate-Antigen 15-3), können auf ein mögliches Tumorwachstum hindeuten. Es bedarf letztlich weiterer Untersuchungen wie bildgebenden Verfahren, um eine Erkrankung nachweisen zu können.
Quellen:
https://www.dkfz.de/de/aktuelles/was-ist-krebs.html
https://www.krebsgesellschaft.de/basis-informationen-krebs/diagnosemethoden.html
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/vorsorge-und-frueherkennung/warnsignale.html
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/vorsorge-und-frueherkennung/warnsignale.html
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/glossar.html
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/klassifikation-von-tumoren-tnm-.html
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/index.php
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/krebs-tumor-metastasen-definition.php
https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2021/news004-pressemitteilung-schwerbehinderung-kuendigungsschutz-fuer-krebspatienten.php
https://www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/molekulare-diagnostik/tumormarker-biomarker-beispiele.php
https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/krebsarten_node.html
https://flexikon.doccheck.com/de/Krebs
https://www.bayerische-krebsgesellschaft.de/informationen/fakten-ueber-krebs/wer-bekommt-krebs/?L=0
https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/krebs/verdacht-auf-krebs-so-erkennen-sie-anzeichen/
https://www.aok.de/pk/pflege-im-alltag/pflegegrade/
https://www.swr.de/wissen/1000-antworten/warum-heisst-die-krankheit-krebs-krebs-104.html
https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/krebs/was-und-wie-haeufig-ist-krebs.html
https://www.paracelsus-kliniken.de/zufallsbefund-krebs-urologische-tumoren-wachsen-oft-unerkannt/
https://www.drstauch.de/blog/newsletter/107-laesst-sich-krebs-im-blut-nachweisen
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